Pfalz
Rechenaufgaben im Freibad: Nur so viele Schwimmer dürfen ins Becken
Viele Kommunen sind derzeit am Schwimmen – im wahrsten Sinne des Wortes. Sie sollen in der Corona-Krise die Öffnung ihrer Frei- und Hallenbäder planen, wissen aber noch nicht, was die konkreten Anforderungen sind: hinsichtlich der Hygiene beispielsweise, hinsichtlich einer Beschränkung der Personenzahl oder für die Nutzung von Liegewiesen und Sanitärbereichen.
„Das größte Aufregerthema derzeit“
Neustadts Oberbürgermeister Marc Weigel (FWG) wirft dem Land vor, es sich zu leicht zu machen: „Ein Termin wird in die Welt gesetzt und viele glauben dann, die Bäder könnten da tatsächlich öffnen; dabei kennen wir die Bestimmungen noch gar nicht, unter denen das geschehen soll.“ In den Gesprächen, die er mit Kollegen aus anderen Kommunen führe, sei das zurzeit das „größte Aufreger-Thema“. Allen sei klar, dass es keine Freibadsaison wie früher geben werde.
Etwas ungehalten ist auch Landaus Oberbürgermeister Thomas Hirsch (CDU). Wochenlang habe er in Telefonkonferenzen Perspektiven für Schwimmbäder gefordert – unter anderem deshalb, damit Familien, die nicht verreisen können, wenigstens etwas Urlaubsgefühle haben können. Jetzt habe das Land den 27. Mai als Öffnungstermin der Bäder genannt, obwohl so schnell kein Bad in den Betriebszustand gebracht werden könne, schon gar nicht mit den zu erwartenden zusätzlichen Hygiene-Auflagen. Hirsch: „Das schaffen wir nicht.“ Einen Parallelbetrieb des Freizeitbads La Ola und des Freibads im Prießnitzweg werde die Stadt aufgrund der höheren Auflagen nicht bewältigen können. In Landau soll daher nach den Vorstellungen der Stadt das Freibad am 15. Juni öffnen, das La Ola erst nach den Sommerferien.
Mainzer Innenministerium am Zug
Den Termin 27. Mai für die Eröffnung der Freibäder in Rheinland-Pfalz hatte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) vergangenen Mittwoch bekannt gegeben. Das Konzept dazu soll das auch für den Sport zuständige Innenministerium erarbeiten. Man stehe mit den Kommunalen Spitzenverbänden und Sportorganisationen in Kontakt, um Vorschläge für Hygienepläne zu erstellen, die anschließend vom Gesundheitsministerium zu genehmigen seien, sagt Ministeriumssprecher Joachim Winkler. Die entsprechenden Empfehlungen zu den Auflagen, unter denen Schwimmbäder öffnen dürfen, sollen laut Winkler Mitte der Woche an das Gesundheitsministerium gehen.
Konflikt in Kaiserslautern
In Kaiserslautern gibt es gegensätzliche Standpunkte zur Freibad-Öffnung. Ginge es nach Oberbürgermeister Klaus Weichel (SPD), würden die beiden großen städtischen Bäder, die Waschmühle und das Warmfreibad, dieses Jahr trotz der Lockerungen des Landes geschlossen bleiben. Weichel begründete seine Position vergangene Woche einerseits mit den hohen Kosten: Für die zusätzlich erforderlichen Reinigungs- und Sicherheitskräfte seien Mehrausgaben von rund 900.000 Euro erforderlich. Noch größere Probleme sieht der Oberbürgermeister beim Infektionsschutz: „Mir fehlt die Fantasie, wie man in einer Sportanlage, in der sich 300 Menschen auf engem Raum permanent bewegen, den Infektionsschutz aufrechterhalten möchte.“
Das sahen die meisten politischen Vertreter im Kaiserslauterer Stadtrat allerdings komplett anders, vor allem vor dem Hintergrund, dass für viele Familien in diesem Sommer der Urlaub ausfallen wird. Am Montagabend beschloss der Stadtrat, dass die beiden Freibäder doch öffnen werden. Lediglich die AfD-Fraktion folgte der Argumentation Weichels. Geplant ist jetzt, dass es in den Freibädern einen Zwei-Schicht-Betrieb gibt. Dazwischen soll das Bad komplett desinfiziert werden. Um einen kontaktlosen Einlass zu ermöglichen, soll sich die städtische Digitalgesellschaft um eine Softwarelösung bemühen, die auch anzeigt, wie viele Betrieb herrscht.
Bewegung statt Spaß
Der Pirmasenser Luft- und Badepark (Plub) ist eine Kombination aus Hallen- und Freibad. Die Verantwortlichen in der Südwestpfalz überlegen nun, wie sie es schaffen können, beide Bäder gleichzeitig zu öffnen. Mindestens vier Wochen Vorlaufzeit sind dafür notwendig. Hinter den Kulissen wird ein Plan ausgearbeitet, der unter anderem vorsieht, dass die Rutschen und der Whirlpool geschlossen werden, aber die Kinderbereiche nicht. Unklar ist, was mit den Liegewiesen im Plub geschehen soll. Einerseits gehört für viele Freibadgänger das Sonnenbad auf der Wiese dazu, andererseits sehen sich die Verantwortlichen kaum in der Lage, auf den großen Arealen das Abstandsgebot zu überwachen und notfalls durchzusetzen.
In Pirmasens sagen die Verantwortlichen sehr deutlich, dass in dieser Badesaison nicht der Spaß im Vordergrund stehe. Es gehe schlichtweg darum, den Bürgern zusätzliche Bewegungsmöglichkeiten zu schaffen. Es wird darüber nachgedacht, die Bäder morgens ein paar Stunden zu öffnen, dann zu schließen und zu desinfizieren, bevor nachmittags eine zweite Schicht Badegäste kommen darf. Weil es noch keine Vorgaben des Landes gibt, ist völlig offen, wie viele Besucher gleichzeitig in das Plub dürfen.
So machen es andere
In Nordrhein-Westfalen öffnen die Freibäder bereits am Mittwoch. Erst am Wochenende hatte das Düsseldorfer Gesundheitsministerium dafür die Regeln veröffentlicht: Der Mindestabstand von 1,50 Meter ist demnach überall einzuhalten. Hierzu sind die Betreiber der Bäder gehalten, „organisatorische und räumliche Maßnahmen festzulegen“. Wie diese im einzelnen aussehen müssen, dazu macht das Ministerium keine Angaben.
Der „Pandemieplan Bäder“, den die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen (Essen) vorgelegt hat, ist da konkreter. Demnach muss für den Badegast im Wasser eine Fläche von mindestens sechs Quadratmetern, auf der Liegewiese eine Fläche von 15 Quadratmetern zur Verfügung stehen. In einem 50-Meter-Becken mit acht Bahnen dürften sich demnach höchsten 175 Personen gleichzeitig aufhalten.
Aber dürfen sie auch schwimmen oder nur planschen? Um dem Aufsichtspersonal die Arbeit zu erleichtern, sollten Bahnenleinen gespannt werden, empfiehlt die Gesellschaft: Auf der Strecke sollte hintereinander ein Abstand von zwei bis drei Metern eingehalten werden. Und wenn die Bahn zu Ende ist? „Keine Ahnung“, sagt der Sprecher der Badewesen-Gesellschaft Christian Ochsenbauer: „Dann muss man wohl auf der anderen Bahn zurückschwimmen, so ähnlich muss es laufen.“ Wenn es denn läuft. Denn ein Insider aus der Branche prophezeit: „Am 27. Mai wird fast kein Bad öffnen.“