Der Weintipp
Piwi ist keine Comicfigur
Schon im 19. Jahrhundert gab es in Nordamerika ganz üble Burschen. Oidium, Peranospora (echter und falscher Mehltau) und Phylloxera (Reblaus) heißen sie. Die Pilzsporen und das Insekt kamen mit Schiffen nach Europa. Nichts im Weinbau blieb, wie es vorher war, auch nicht, als man die Verwüstungen fast der ganzen Rebflächen wieder im Griff hatte. Seitdem müssen alle unsere geliebten europäischen Reben auf Reblaus-unempfindliche Wurzeln veredelt und mit Pilzmitteln gespritzt werden, wenn die Winzer gesunde Trauben ernten wollen.
Widerstandsfähig gegen Pilze
Immerhin hat man die Behandlung der Reben inzwischen so verfeinert, dass im Bioweinbau erheblich geringere Mengen schädlicher Stoffe ausgebracht werden müssen, darunter allerdings das Schwermetall Kupfer. Wünschenswert wäre freilich ein völliger Verzicht auf Pilzmittel. Daran arbeiten die Rebzüchter seit Jahrzehnten. Und tatsächlich ist es gelungen, neue, gegen Oidium und Peranospora weitgehend widerstandsfähige Sorten zu züchten. Cabernet Blanc, Calardis Blanc, Phönix, Sauvignac, Satin Noir oder Johanniter heißen sie. Es gibt mittlerweile mehrere Dutzend dieser „Piwis“ (Pilzwiderstandsfähige Sorten).
Schwer vermittelbar
Kein Problem also, auf Pilzmittel zu verzichtet? Leider nicht, denn die Verbraucher, das erklären auch Biowinzer wie Heiner Sauer, Hansjörg Rebholz oder Christine Bernhard, wollen Weine der traditionellen Rebsorten trinken. Die neuen Namen sind (bisher?) nur wenigen Konsumenten zu vermitteln, auch wenn die Züchter alles dransetzen, ihre Piwis aromatisch und geschmacklich den berühmten Sorten nahe zu bringen.
Wir glauben: Sowohl Winzer wie Verbraucher sind zu ängstlich. Als Beispiel empfehlen wir den Sauvignac „Feodora“ des Weinguts Galler in Kirchheim. Er duftet herrlich nach einem hochwertigen, mineralischen Sauvignon Blanc von der Loire, ist in Aroma und Geschmack wunderbar vielschichtig und zeigt schon jetzt beachtliche Reifefähigkeit.