Pfälzerwald
Pfälzerwaldverein: Zwist um Streichung von Wanderwegen
„Das Wegenetz ist wesentlich für die Identifikation mit unserem Verein“, sagt Gerhard Bohl, Hauptwegewart des PWV und seit Langem bei den Pfälzerwäldlern aktiv. Mit der Streichung einer großen Anzahl an Strecken werde „die Axt an die Grundpfeiler des PWV als Wanderverein gelegt“, ist er überzeugt. Der Wandersmann aus Linden (Kreis Kaiserslautern) will dies nicht widerspruchslos hinnehmen und weiß in dieser Sache einige altgediente Bezirkswegewarte des PWV hinter sich.
Bohl und seinen Gleichgesinnten behagt nicht, wohin die Reise mit der Neukonzeption der Wanderwegelandschaft im größten zusammenhängenden Waldgebiet Deutschlands gehen soll. Dabei ist das Ziel von Bezirksverband Pfalz und PWV seit Langem klar: Zu viele Routen durchzögen den Pfälzerwald, ließen attraktive Anlaufpunkte zum Teil links liegen und seien überdies oft unzureichend markiert und gepflegt, werden der Bezirkstagsvorsitzende Theo Wieder und PWV-Hauptvorstand Martin Brandl nicht müde zu betonen.
Wegenetz nicht mehr zeitgemäß
Gefragt seien Rundwege und kürzere Touren zu interessanten Punkten, vergleichsweise eintönige Mehrtagesstrecken durch den dichten Tann seien nicht mehr zeitgemäß. Das Wegegeflecht müsse dringend gelichtet werden, um mit weniger, aber attraktiveren Pfaden bei den Wanderfreunden zu punkten und im Wettbewerb mit Regionen wie dem Schwarzwald oder den Vogesen zu bestehen. Zudem gebe es immer weniger Ehrenamtliche, die die Wege in Schuss halten würden.
Daher haben Bezirksverband und PWV ein Planungsbüro damit beauftragt, das Wegenetz neu aufzusetzen. In einem ersten Schritt wurde gemeinsam mit den Gemeinden im Biosphärenreservat die Anzahl der kommunalen Wanderwege laut Planer um etwa die Hälfte auf 532 zurückgeschnitten. Auch von den 39 Hauptrouten des PWV sollen am Ende nur noch 19 übrig sein. Damit hätte der PWV statt 3100 Kilometern Wanderwege dann nur noch rund 1560 Kilometer zu betreuen. Dazu kämen noch einige Verbindungswege.
Streichkonzert gefällt nicht allen
Es ist dieser Aderlass, der Hauptwegewart Bohl Bauchschmerzen bereitet. Das nun vorliegende „Grobraster“ des Wegenetzes bezeichnet er als „wenig durchdacht“. So würden keine Routen mehr durch die Kernzonen des Biosphärenreservats führen, die Hauptverbindung von Bad Kreuznach nach Frankreich sei gänzlich weggefallen. Was Bohl überdies quergeht, sind Gedankenspiele, dass aufgegebene PWV-Strecken den Mountainbikern als Trails überlassen werden könnten. Er könne sich das zwar grundsätzlich vorstellen, dann aber doch innerhalb der Strukturen des PWV, der sich für die Biker öffnen solle.
Jedenfalls, „dass so viele wunderbare Strecken gestrichen werden, tragen wir nicht mit“, sagt Bohl und meint mit „wir“ den Hauptwegeausschuss des PWV, in dem Vertreter der 17 Wegebezirke der Pfälzerwäldler sitzen.
Gleichwohl räumt Bohl ein, dass er nicht unbedingt die Mehrzahl der Wegewarte hinter sich hat. Und auch im Hauptvorstand des PWV erscheint der streitbare Wegeverwalter isoliert. Nach RHEINPFALZ-Informationen votierte das Gremium kürzlich mit überwältigender Mehrheit für den Kurs des PWV-Hauptvorsitzenden Brandl, etliche Wege aufzugeben. Bohls Protest liefe damit ins Leere.
Keine Sorge vor der „Wanderautobahn“
Brandl selbst will sich zu den internen Querelen nicht äußern. Für den Rülzheimer führt jedoch kein Weg an der Radikalkur vorbei, „um den PWV zukunftsfähig aufzustellen. Ich rechne damit, dass so um die 43 Prozent der Wege wegfallen“, sagt Brandl, der versichert, die Wegewarte seien eingebunden und hätten bisher auch kaum etwas an dem Konzept auszusetzen gehabt. Dass künftig keine markierten Wanderwege durch die Kernzonen des Biosphärenreservats verlaufen sollen, sei auch deren besonderem Schutzstatus geschuldet.
Peter Dell vom Kobra Beratungszentrum Landau, das die Beseitigung des Wegewildwuchses moderiert, ist zuversichtlich, dass bis Ende November das Konzept steht. Derzeit laufe die Feinplanung, in der es um die konkrete Routenführung gehe. Dazu würden Anregungen der Bezirkswegewarte abgefragt und geprüft. Details könnten sich noch ändern, „aber das Grobraster steht“, so Dell. Soll heißen: Es geht noch was, aber nicht mehr viel. Fürs Aufbegehren langjähriger Wandersleute hat Dell Verständnis: „Den Wegewarten blutet das Herz.“
Einen Verlust müsse der Einschnitt jedoch nicht bedeuten. Attraktivere Wege würden mehr Menschen locken, das sei positiv beispielsweise für Gastronomie und Hüttenwesen. „Wanderautobahnen“, bei denen sich mehr Besucher auf weniger Wegen drängen, wie es viele Wanderfreunde fürchten, sieht Dell ebenfalls nicht kommen: Schon heute würden ja am Wochenende die „Ka-Lu-Mas“ an der Haardt einfallen, trotzdem sei es dort nicht überfüllt. Außerdem: „Zusammen mit den kommunalen Wegen bleiben immer noch 11.000 Kilometer fürs Wandern übrig.“

