NEUSTADT / GRÜNSTADT / LUDWIGSHAFEN / KIRCHHEIMBOLANDEN
Neustadt: Zwölf Klinikärzte in Quarantäne
In Neustadt wurde am Mittwoch der zweite Corona-Fall bestätigt. Das besondere Problem: Bei dem Betroffenen handelt es sich um einen Mitarbeiter des Marienhaus-Klinikums Hetzelstift, infiziert wurde er nach Angaben des Ärztlichen Direktors, Prof. Dr. Dierk Vagts, während einer Reise. Damit ist zum ersten Mal in Rheinland-Pfalz ein Krankenhaus direkt betroffen.
Das Klinikum ist seit Mittwochnachmittag für Besucher und neue Patienten geschlossen. Voraussichtlich 24 Stunden soll die Sperre gelten, damit die Leitung den Überblick behalten kann und Zeit hat, den Betrieb umzuorganisieren. Zwölf Klinikärzte und 20 Pflegekräfte aus dem Umfeld des Betroffenen stehen unter Quarantäne. Bei ihnen wurde bereits ein Rachenabstrich gemacht, am Ende der Quarantänezeit soll, wenn sie keine Symptome aufweisen, ein zweiter folgen, bevor sie wieder arbeiten dürfen. Gestern gab es laut Vagts keine Hinweise darauf, dass ein weiterer Mitarbeiter oder ein Patient infiziert ist. Das private Umfeld wird vom Gesundheitsamt in Neustadt ermittelt, dann werden die notwendigen Schritte unternommen.
Stadtverwaltung und Klinikum hatten am Mittwochabend gemeinsam über die Situation informiert. Dabei teilte Oberbürgermeister Marc Weigel auch mit, dass alle städtischen Veranstaltungen bis einschließlich 9. April abgesagt sind, der Saalbau bleibt geschlossen. Dass auch Kitas und Schulen zu bleiben, daran sei derzeit noch nicht gedacht. Indes sei die Verwaltung auf diese Situation vorbereitet, zumal die Lage jeden Tag neu bewertet werden müsse.
Positiv wirkt sich nun aus, dass Neustadt am Sonntag das erste Testcenter landesweit für begründete Corona-Verdachtsfälle aufgemacht hat. Damit ist auch das Hetzelstift entlastet, gerade in der jetzigen Situation.
Zwei Infizierte im Leiningerland
In Grünstadt und in der Verbandsgemeinde Leiningerland hat sich bei jeweils einem Mann der Coronavirus-Verdacht bei Tests bestätigt, wie die Kreisverwaltung Bad Dürkheim informierte. Der 50-jährige Grünstadter war in Italien Skifahren und hatte sich am Montag auf dem Parkplatz einer Grünstadter Praxis testen lassen. Sein Hausarzt ist in Schutzkleidung nach draußen gegangen, um einen Abstrich zu nehmen. Am Mittwochmorgen bestätigte das Labor, dass der 50-Jährige infiziert ist. Der Patient hatte sich laut seinem Arzt vorbildlich verhalten, da er sich zuerst telefonisch in der Praxis meldete. Der Grünstadter sei schon im Urlaub krank gewesen.
Erster Fall in Ludwigshafen
Auch in Ludwigshafen wurde ein Mann positiv auf das Coronavirus getestet. Laut Gesundheitsamt hatte sich der 25-Jährige offensichtlich bei einer Reise in ein Risikogebiet angesteckt. Er befinde sich in häuslicher Quarantäne. Die Kontaktpersonen des Mannes wurden ermittelt und die für sie zuständigen Gesundheitsämter informiert. Der Mann soll sich auf dem Weg der Besserung befinden. Er hatte wegen Erkältungssymptomen ein Krankenhaus konsultiert.
Wegen eines Verdachtsfalles wurde am Mittwoch die Karl-Krämer-Kita im Ludwigshafener Stadtteil Süd geschlossen. Erster Fall im DonnersbergkreisIm Zellertal wurde der erste Corona-Fall im Donnersbergkreis bekannt: Es handelt sich um einen Erwachsenen. Über die Kinder dieser vierköpfigen Familie ist auch die Kindertagesstätte in Albisheim betroffen. Sie bleibt vorerst geschlossen.
Fünf neue Corona-Fälle
Damit erhöht sich die Anzahl der mit dem Coronavirus infizierten Personen in der Pfalz um fünf neue Fälle auf 15. Dis zum Dienstag waren nur die Stadt Kaiserslautern (vier Fälle), der Kreis Bad Dürkheim (vier Fälle) und die Stadt Neustadt sowie der Kreis Germersheim (je ein Fall) betroffen.
Großveranstaltungen abgesagt
Etliche Großveranstaltungen in Rheinland-Pfalz sind wegen der Ausbreitung des Coronavirus abgesagt. Darunter ist der Rheinland-Pfalz-Tag. Dieses mehrtägige Landesfest war für Ende Juni in Andernach (Kreis Mayen-Koblenz) geplant. Die Entscheidung, das Fest zu kippen, gab die Staatskanzlei in Mainz bekannt. Sämtliche Kräfte müssten sich angesichts des sich schnell ausbreitenden Virus den unabsehbaren Herausforderungen stellen, begründete die Landesregierung ihre Entscheidung.
Keine Besucher im Landtag
Die Sorge um eine weitere Verbreitung des Virus schlug sich auch im Mainzer Landtag nieder: Besuchergruppen dürfen zunächst bis zum 19. April nicht mehr ins Parlament. Ausschusssitzungen und die Plenarsitzung in der nächsten Woche sollen jedoch stattfinden.
Sonntagsfahrverbot gelockert
Vom Wochenende an hat das Mainzer Wirtschaftsministerium das Sonntagsfahrverbot für Lastkraftwagen ab 7,5 Tonnen gelockert. Damit soll die Belieferung der Supermärkte und Drogerien mit Hygieneartikeln und haltbaren Lebensmitteln sichergestellt werden. Für frische Lebensmittel gelten bereits Ausnahmen.