Rheinland-Pfalz
Landesweit jetzt mehr als 5000 Infizierte: Neue Schutzmaßnahmen angekündigt
Nach Angaben des Mainzer Gesundheitsministeriums sind mit Stand Mittwoch, 10 Uhr, landesweit 5032 Infizierte registriert. Das sind 93 Fälle mehr als am Dienstag. Damit liegt die Zunahme auf dem Niveau der vergangenen Tage. Die Anzahl der Todesfälle erhöhte sich um sieben auf 84. Im Vergleich zum Mittwoch vergangener Woche erhöhte sich die Anzahl der Verstorbenen um fast 70 Prozent.
In der Pfalz haben die Gesundheitsämter laut Ministerium bis Mittwoch, 10 Uhr, 1651 Infektionen mit dem Coronavirus gemeldet. Das sind nur 21 mehr als am Dienstag bekannt wurden. Die Anzahl der Corona-Todesfälle erhöhte sich in der Pfalz bis Mittwoch um zwei auf 19. Bei den Verstorbenen handelt es sich um einen 78-jährigen Mann mit Vorerkrankungen sowie um eine 87-jährige Frau. Beide stammen aus Frankenthal.
Anzahl der Neuinfektionen: Starke Unterschiede in der Pfalz
Wie unterschiedlich die Entwicklung bei den Neuinfektionen in den vergangenen zwei Wochen verlief, zeigt eine Sonderauswertung des Landesuntersuchungsamtes: Besonders stark nahm demnach in der Pfalz die Anzahl der Neuerkrankungen in Ludwigshafen sowie im Kreis Bad Dürkheim und in dem Donnersbergkreis zu. Im Falle von Ludwigshafen ist allerdings zu berücksichtigen, dass sich die Anzahl der Infizierten in einer Ludwigshafener Asylunterkunft über die Osterfeiertage sprunghaft von 14 bestätigten Fällen auf 59 erhöht hat.
Die nachfolgende Liste gibt jeweils die Anzahl der Neuerkrankten in den vergangenen 14 Tagen pro 100.000 Einwohner an; über dem Landesdurchschnitt von 20 Fällen liegen demnach in der Pfalz: Ludwigshafen: 52, Bad Dürkheim: 38, Donnersbergkreis: 32, Speyer: 30, Neustadt: 24, Frankenthal: 22.
Am niedrigsten war diese Rate in diesen Pfälzer Städten und Kreisen: Stadt Kaiserslautern: 7, Kreis Germersheim: 10, Frankenthal: 10, Kreis Kaiserslautern: 11, Landau: 11, Pirmasens: 12.
Anteil der Genesenen in der Pfalz jetzt bei 52 Prozent
Erstmals hat das Landesuntersuchungsamt in Koblenz selbst Daten zu den genesenen Personen errechnet und vorgelegt, bisher gab es solche Angaben nur von einem Teil der Gesundheitsämter. Demnach gelten aktuell landesweit 55,4 Prozent der bisher Infizierten als genesen. In der Pfalz liegt der Anteil bei 52 Prozent, das sind insgesamt 858 Personen. Dies sind deutlich mehr als am Vortag – eine Auswertung der Angaben der Gesundheitsämter hatte für die Pfalz am Dienstag 776 Genesene ergeben.
Ministerin kündigt erweiterte Schutzvorschriften an
Am Mittwochabend hat die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler eine Verordnung mit weiteren Schutzmaßnahmen für die besonders betroffenen Risikogruppen in den Pflege- und Behinderteneinrichtungen angekündigt. Ziel sei es unter anderem, die Krankenhäuser durch eine schnellere Verlegung von Patienten in diese Einrichtungen zu entlasten. Außerdem sollen die Bewohner von solchen Häusern besser vor einer Infektion mit dem Coronavirus geschützt werden.
Erreicht werden soll all dies nach Darstellung der Ministerin, indem die Pflege- beziehungsweise Behinderteneinrichtungen „unverzüglich“ Isolations- beziehungsweise Quarantänebereiche „in einer für die Bewohnerzahl angemessenen Größe vorbereiten“. Diese Bereiche seien vor allem für die neu- beziehungsweise wiederaufgenommenen Personen gedacht. Der Aufenthalt im Quarantänebereich betrage in der Regel zwei Wochen. Isolationsbereiche seien für infizierte Personen vorzusehen.
Auch Landkreise und kreisfreie Städte müssen laut der Ministerin nach der neuen Verordnung umgehend weitere Quarantäne- und Entlastungskapazitäten vorbereiten. Wo möglich, könnte dies beispielsweise in Rehabilitations-Einrichtungen geschehen, die aufgrund der Pandemie bereits kaum oder gar nicht mehr belegt sind. Damit solle sichergestellt werden, dass ausreichend Kapazitäten in Rheinland-Pfalz vorhanden sind, um alle pflegebedürftigen oder behinderten Menschen unter Beachtung der Gebote des Infektionsschutzes gut zu versorgen.
Nach Angaben des Ministeriums sei beabsichtigt, dass die neue Landesverordnung bereits an diesem Donnerstag in Kraft tritt.
In Wormser Seniorenheim 33 Personen infiziert
In einem Seniorenpflegeheim in Worms hat sich die Anzahl der positiv auf das Coronavirus getesteten Menschen auf insgesamt 33 erhöht. Mittlerweile seien 20 Mitarbeiter und 13 Bewohner infiziert, sagte eine Sprecherin des Landkreises Alzey-Worms am Mittwoch. Am 6. April hatte die Kreisverwaltung mitgeteilt, dass 18 Mitarbeiter und neun Bewohner positiv getestet worden seien. Zuvor war ein infizierter Bewohner gestorben – allerdings gilt als unklar, ob er an dem neuartigen Coronavirus starb oder an einer Vorerkrankung. Im Heim leben der Behörde zufolge rund 150 Menschen, darunter viele Demenzkranke. Für Besucher ist das Haus seit 15. März geschlossen.
Grünstadter Krankenhaus wieder offen für neue Patienten
Das Kreiskrankenhaus Grünstadt nimmt ab diesem Donnerstag wieder Patienten auf. Das Haus hatte am Karfreitag bekanntgegeben, vorerst keine neuen Patienten mehr aufnehmen zu wollen, weil 25 Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet worden waren. Die kranken Mitarbeiter befinden sich in häuslicher Quarantäne. Derzeit sind nur noch zehn Patienten im Haus. Normalerweise werden dort 140 bis 150 Patienten versorgt.
Aus altem Schnaps wird Desinfektionsmittel
Um nicht mehr benötigte Schnäpse und Liköre bittet die Edelobstbrennerei Braun für ihre Spendenaktion. Vor der Tür des Familienunternehmens in Langweiler (Kreis Kusel) stehen noch bis zum 24. April Sammelboxen bereit – sowie ein Fass für all jene, die ihre Flaschen gerne behalten möchten. Da die Brennerei normalerweise vor allem Kunden in der Gastronomie beliefert, ist die Nachfrage komplett weggebrochen.
Die freien Kapazitäten wollen die Brauns nutzen, um aus den alten Spirituosen hochprozentigen Alkohol zu gewinnen. Dieses derzeit sehr knappe Gut soll dann Alten-, Pflege- und ähnlichen Einrichtungen zur Oberflächenreinigung kostenlos zur Verfügung gestellt werden sowie in Apotheken der Region als Grundlage für Desinfektionsmittel dienen.
Alle Daten zur Corona-Krise in der Pfalz gibt es hier.