Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Klau von Katalysatoren nimmt stark zu

Diebe interessieren sich bei Katalysatoren für die Edelmetalle.
Diebe interessieren sich bei Katalysatoren für die Edelmetalle.

Früher wurden teure Autoradios entwendet, später die CD-Player und die Navigationsgeräte. Im vergangenen Jahr hatte es die Polizei auch in der Pfalz häufig mit gestohlenen Katalysatoren und ausgebauten Airbags zu tun. Aufgeklärt werden diese Delikte an geparkten Autos äußerst selten. Ein Umstand, den die beiden Polizeipräsidien in Kaiserslautern und Ludwigshafen unumwunden zugeben.

Während die Pannenhelfer der ADAC-Straßenwacht es im Jahr 2015 noch mit 84 liegen gebliebenen Fahrzeugen zu tun hatten, deren Abgasreiniger gestohlen worden waren, waren es 2020 schon 420. Für das Jahr 2021 stieg der Wert auf über 900, die Zahlen haben sich also innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt.

Genaue Angaben für die Pfalz gibt es nicht. „Statistisch erfasst werden diese kriminellen Taten schon, aber nicht einzeln aufgeschlüsselt“, sagt Bernhard Christian Erfort, Pressesprecher im Polizeipräsidium Westpfalz. Mitgezählt werden die gestohlenen Katalysatoren bei den Kfz-Aufbrüchen. Ob es sich aber um einen gestohlenen Geldbeutel oder einen ausgebauten Airbag gehandelt habe, sei in der Statistik nicht zu erkennen, so der Polizeisprecher.

Hochburg Westpfalz

Zwar kann er die Anzahl der entwendeten Abgasreiniger nicht beziffern, aber Erfort erinnert sich, dass im Spätsommer im Raum Kaiserslautern besonders viele Katalysatoren verschwanden: „Diese Delikte sind übers Stadtgebiet verteilt aufgetreten. Manchmal waren es nur ein bis zwei Autos, dann eine Serie mit gleich sechs Wagen.“ Auch in Kusel und Lauterecken habe es Fälle gegeben: „Nach einer Weile flaut die Welle wieder ab.“ Der Ermittlungserfolg sei nahe Null, sagt der Polizeisprecher: „Ich wüsste nicht, wann da jemand in der Westpfalz erwischt worden wäre.“

Oft treffe es ältere Fahrzeuge. Dort sei es leichter, an den Katalysator heranzukommen: „Die Täter kommen in der Dunkelheit und verschwinden unter dem geparkten Auto. Zwei Schnitte mit einer Flex oder Elektrosäge, das geht ratzfatz.“ Abgesehen hätten es die Diebe auf die teuren Edelmetalle in den Katalysatoren. Airbags seien im vergangenen Jahr in der Westpfalz selten ausgebaut worden. Verkauft würden die gestohlenen Teile, darunter auch Felgen, auf dem Gebrauchtwarenmarkt, sagt Erfort.

Der Katalysatorenklau habe eindeutig zugenommen, bestätigt auch Thorsten Mischler, Pressesprecher vom Polizeipräsidium Rheinpfalz in Ludwigshafen. Der Diebstahl von CD-Playern oder Navis lohne sich nicht mehr. Rohstoffe dagegen seien knapp und teuer. Da sei es für Ganoven rentabel, sich seltene Edelmetalle wie Platin, Palladium und Rhodium illegal zu beschaffen. Vor allem ältere Fahrzeuge enthalten nach ADAC-Angaben mehr Edelmetalle als neuere Modelle

Aufklärungsquote niedrig

Allein im Oktober 2021 hat die Polizei in Ludwigshafen zehn Diebstähle von Katalysatoren registriert. Drei Autos waren es auf einem Parkplatz in Ludwigshafener Stadtteil Oppau. Dort entstand ein Schaden in Höhe von 1600 Euro. Aufzuklären seien diese Delikte nur schwer, sagt Mischler. „Die Täter, die dieses Feld für sich entdeckt haben, hinterlassen keine Spuren.“ Sie gingen sehr schnell zu Werke und seien rasch wieder in der Nacht verschwunden. „Selbst wenn jemand zufällig ein Geräusch hört und aus dem Fenster schaut, sieht er niemanden. Der Dieb liegt unter dem Auto.“

Für die Betroffenen ist so ein Diebstahl ärgerlich. Bemerkbar macht sich der fehlende Katalysator laut ADAC dadurch, dass der Motor ausgesprochen laut wird. Für den Schaden komme die Teilkasko-Versicherung auf, abzüglich der Selbstbeteiligung. Wer allerdings nur eine Haftpflichtversicherung habe, bleibe auf den Kosten sitzen. Außerdem ist der Einbau eines neuen Abgasreinigers sehr teuer und lohnt sich bei älteren Autos oft nicht.

Wird ein Täter erwischt, handelt es sich um einen besonders schweren Fall des Diebstahls. Mischler geht davon aus, dass es Banden sind, die sich auf Katalysatoren spezialisiert haben. Könne dies nachgewiesen werden, verschärfe sich die Strafe. Nach Auskunft des Polizeisprechers droht den Dieben eine Freiheitsstrafe zwischen drei Monaten und zehn Jahren.

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