PFALZ RHEINPFALZ Plus Artikel Impfzentren starten mit wenig Impfstoff und einigen Tücken

Lange Schlange: Die Organisatoren des Impfzentrums in Wörth wurden davon überrascht, dass mehr Menschen als erwartet doch recht
Lange Schlange: Die Organisatoren des Impfzentrums in Wörth wurden davon überrascht, dass mehr Menschen als erwartet doch recht frühzeitig angereist sind.

Am Donnerstag ist der Startschuss in den zwölf Impfzentren in der Pfalz gefallen – mit einigen Problemen. An vielen Stellen ist man von der maximal möglichen Leistung noch weit entfernt. Es mangelt an Vakzin. Über 120 000 Menschen im Land warten auf ihren Impftermin. Die CDU-Opposition spricht von einer überforderten Gesundheitsministerin.

Um 9 Uhr ging das Impfzentrum Donnersbergkreis in der Stadthalle in Kirchheimbolanden am Donnerstagmorgen in Betrieb. Die erste Impfkandidatin: die 93-jährige Ruth Köster aus Ottersheim. „Ich lasse mich schon seit Jahren gegen die Grippe impfen und habe nie schlechte Erfahrungen gemacht. Wir wollen doch alle weg von dieser Pandemie“, sagte sie. Diese Woche sind 60 Impfungen pro Tag geplant, nächste Woche 90. Möglich sind 200 Impfungen täglich – dass es so gemächlich startet, liegt laut Impfzentrum-Koordinator Christian Rossel daran, dass nicht genügend Impfstoff vorhanden ist.

Im Frankenthaler Impfzentrum in der Sporthalle der Andreas-Albert-Schule ist die Differenz zwischen Theorie und Praxis am Donnerstag noch größer. Zunächst sollen dort täglich 50 Personen immunisiert werden – von maximal 500 bis 700 Impfungen am Tag im Vollbetrieb spricht der Frankenthaler Impfkoordinator Frank Rickert. Doch dafür fehle es derzeit an Vakzin. Aktuell sei das Zentrum versorgt, doch Mitte nächster Woche könnte es knapp werden, wenn das Land nicht Nachschub schickt, sagt der Notfallsanitäter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK).

Dauerbesetzte Technikleitung

Während die Impfung selbst reibungslos lief, machten dem Frankenthaler Team im Hintergrund Softwareprobleme zu schaffen. So war es laut Rickert beispielsweise nicht möglich, den Check-out der Impflinge über das Onlineprogramm abzuwickeln. Stattdessen mussten die Daten zum Abschluss der Impfung manuell eingegeben werden. Eine Rufnummer des Landes für technische Fragen sei dauerbesetzt, so der Impfkoordinator am Vormittag.

Der Start des südpfälzischen Impfzentrums in Wörth offenbarte derweil ein anderes Manko: Am Morgen mussten die in der Regel betagten Impfkandidaten 30 bis 45 Minuten im Freien warten. Der Grund: Die Organisatoren wurden davon überrascht, dass mehr Menschen als erwartet doch recht frühzeitig angereist sind. Die Fiebermessung, die im Freien stattfinden soll, wurde deshalb kurzfristig ins Innere verlagert. Ab morgen sollen mehr Zelte mit Sitzgelegenheit und Heizpilze sowie Toiletten für Wartende bereitstehen, so die Kreisverwaltung Germersheim.

Weit entfernt von täglicher Impfleistung

Beim Impfstart auf dem Opel-Gelände in Kaiserslautern wurden zum Auftakt nur 96 Senioren einbestellt – auch hier lag es an der geringen Anzahl an Impfdosen. Dabei könnten laut Landrat Ralf Leßmeister täglich bis zu 1000 Menschen geimpft werden. Während der Ablauf im Zentrum reibungslos lief, gab es bei der Anfahrt kleinere Probleme. Moniert wurde, dass die Schilder mit der Aufschrift „Landesimpfzentrum“ zu klein seien. Im Ludwigshafener Impfzentrum in der Walzmühle hat ein 90-Jähriger den ersten Piks bekommen. Dort sollten laut Stadt rund 150 Menschen die Erstinjektion gegen das Coronavirus erhalten.

Nicht überall Begleitperson erwünscht

Zum Start in den pfälzischen Impfzentren zeichnet sich ab, dass es unterschiedliche Regelungen im Umgang mit Begleitpersonen geben wird. Während es in den meisten Impfzentren wie etwa in Kaiserslautern, Germersheim, Neustadt und Ludwigshafen nach RHEINPFALZ-Informationen erlaubt ist, eine Begleitperson mitzubringen, wird in Frankenthal davon abgeraten. „Wir haben sogenannte Impflotsen in unserem Zentrum, die sich um die Menschen kümmern“, erklärt Lisa Randisi von der Stadtverwaltung Frankenthal. In speziellen Situationen, wie beispielsweise einer Demenz des Patienten, seien laut Randisi Ausnahmen und somit eine Begleitperson jedoch erlaubt.

In Kirchheimbolanden weist man auf Anfrage explizit darauf hin: „Ja, es darf eine Begleitperson dabei sein, aber eben nur eine.“ In fast allen Impfzentren werden Rollstühle für Menschen angeboten, die nicht lange laufen oder stehen können. „Bereits beim Check-In stehen drei Rollstühle bereit; weitere werde in Reserve vorgehalten“, heißt es etwa aus Pirmasens. Nur in Bad Dürkheim sieht man dafür aktuell keinen Bedarf. „Es ist nicht vorgesehen, dass größere Strecken zu Fuß zu bewältigen sind oder über einen längeren Zeitraum die zu Impfenden stehen müssen.“ Zum anderen sei davon auszugehen, dass der entsprechende Personenkreis ohnehin über Hilfsmittel wie Rollstuhl oder Rollator verfüge. Barrierefreien Zugang zu Toiletten gibt es indes in allen Impfzentren.

Tücken der Terminvergabe

Das Verfahren für die Terminvergabe allerdings ist für viele nicht einfach. Wer bei der Hotline anruft, benötigt Geduld, erhält aber bei erfolgreichem Durchkommen sofort einen Termin. Bei der Online-Anmeldung bedarf es zweier Schritte: In einem ersten Schritt wird der Fragebogen ausgefüllt, eine E-Mail mit einem Link kommt zurück. Wer dem folgt, erhält eine zweite E-Mail mit einer Vorgangsnummer. Auf diese Nachricht muss man nicht mehr reagieren. Ein konkreter Termin wird in einer gesonderten E-Mail und/oder einem Brief mitgeteilt.

Fast fünf Tage Wartezeit

Zurzeit beträgt die Wartezeit für die Termin-Nachricht laut Gesundheitsministerium fünf Tage. Später soll es schneller gehen. Zur Anzahl der vergebenen Termine im Land heißt es jetzt aus Mainz deutlich zurückhaltender als am Mittwoch: Fest vergeben sind demnach lediglich 16.000 Termine. Rund 120.500 Menschen aber warten noch auf einen solchen. 90.500 Personen davon sollen bis Ende nächster Woche eine entsprechende Information erhalten. Weitere rund 30.000 Personen haben erst einen der beiden erforderlichen Schritte absolviert; müssen also selbst tätig werden.

Die Opposition im Landtag kritisiert den Start der Impfkampagne scharf. CDU-Fraktionsvorsitzender Christian Baldauf forderte, Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) müsse die Koordination zur Chefsache machen. Die Gesundheitsministerin und ihr Staatssekretär seien überfordert, so Baldauf. Er fordert unter anderem das „Terminchaos“ zu beseitigen und die Seniorenheime besser zu beraten.

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