Kolumne: im Nachhinein Die Pollen und der kleine Klugscheißer

rheinpfalz_3_4_2021

Schön, dass Frühling ist, weniger schön, dass Heuschnupfengeplagte durch einen Dschungel müssen

Haaaaatschiiii! Entschuldigung. Nein, das ,Gesundheit„ können wir gerne weglassen. Es ist ja lange her, dass ich – Haaaatschiiiiii – genießt habe. Wenn wir gut vier Millionen Menschen in Rheinland-Pfalz sind und geschätzt bis zu einer Millionen an – Haaaaaatschi! – Heuschnupfen leiden. Dann wissen wir, dass momentan ganz schön vielen von uns was blüht. Juckende Augen, kratzende Hälse, triefende Zinken, ach was schreibe ich da, sturzbachartig laufende Nasen, dass die Menschen, die an den Riechorganen hängen, direkt zum Corona-Schnelltest eilen, weil sie Schlimmeres befürchten. Aber, keine Angst! Es ist in den allermeisten Fällen nur die Allergie.

Es hilft doch eh nix

Weil der geplagte Mensch zu jedem Strohhalm greift, habe ich zu Beginn der Woche im Redaktionspostfach die Mail einer Krankenkasse aufmerksam gelesen. Wird darin doch tatsächlich versprochen: Mit der App „Husteblume“ den Heuschnupfen im Griff. Haha, denke ich. Auf die haben wir gewartet. Und doch lese ich natürlich weiter. Auch wenn ich nicht an Wunder glaube, medizinische schon gar nicht und am allerwenigsten bei Impfungen gleich Hurra rufe, sitzt mir doch der kleine Mann im Ohr. Und der sagt: Wer weiß, vielleicht können sie dir – Hhhhhaaatschi! – doch helfen!

Gut, eine präzise Pollenbelastungsvorhersage, die ist nicht schlecht. Die hatte ich schon einmal bei einer Wetter-App. Aber ganz ehrlich. Wer Heuschnupfen hat, der lässt sich eines schönen blühenden Tages doch sowieso testen. Und weiß dann auch Bescheid. Wann die Gräser, die mich quälen blühen, das merke ich auch ohne Hilfe meines Mobiltelefons. Moment, schon meldet sich wieder der kleine Mann im Ohr und flüstert: du, deine Corona-App, die kann ja auch nix. Oooops, darf ich das – Tsssscccchiiih, Tschi! – nun niest auch noch der Hund – überhaupt schreiben?

Es sind und bleiben die Gräser

Gut, lesen wir weiter. Das klingt doch super. Laienverständliche Patienteninformationen. Der kleine Mann im Ohr quiekt: in wie vielen Sprachen? Es sind ja auch viele Nix-Deutsch-Sprecher an der frischen Luft unterwegs. Alles Kokolores. Mir hat der Arztbesuch vor vielen Jahren im Nachhinein zwar keine neuen Erkenntnisse hinsichtlich der Pollen gebracht, die meine Nase quälen. Es sind und bleiben die Gräser. Dem Vorschlag der Hautärztin, mich desensibilisieren zu lassen, bin ich aber nachgekommen. Von den drei geplanten Wintern damals habe ich bis zum zweiten nach Weihnachten durchgehalten. Der Arm wurde nach der Impfung von Mal zu Mal dicker und dicker, so dass es mir dann irgendwann gereicht hat. Schon allein deshalb bin ich skeptisch, wenn sich das Handy nun zu meinem großen medizinischen Ratgeber aufschwingen möchte. Da hat – Hatsssschhiii – auch der kleine Mann im Ohr was dagegen. Das ist zwar ein ganz schöner Klugscheißer, aber ich bin trotzdem froh, dass ich ihn habe. Und insgeheim beneide ich ihn auch darum, keine Pollen-Allergie zu haben.

So, nun müssen wir mal raus, der Hund, der kleine Mann im Ohr und ich – und versuchen, uns einen Weg durch diesen Pollen-Aerosolen-Dschungel zu bahnen. Haaaatschiii! Allen Leidensgenossen: frohe Ostern, einen erträglichen Oster-Spaziergang – und wenn es wegen der bösen Pollen nur der von Goethe in den eigenen vier Wänden ist – und ein fröhliches Solidarität!

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