Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Die Corona-Lage: Mehr Tote, viele Genesene

Ein Mitarbeiter des Medizingeräteherstellers Fritz Stephan in Gackenbach (Westerwaldkreis) testet ein fertiges Beatmungsgerät.
Ein Mitarbeiter des Medizingeräteherstellers Fritz Stephan in Gackenbach (Westerwaldkreis) testet ein fertiges Beatmungsgerät.

Die Ausbreitung des Coronavirus verlangsamt sich weiter – in Rheinland-Pfalz sogar etwas deutlicher als in anderen Bundesländern. In der Pfalz gilt knapp die Hälfte der Personen, die sich bisher infiziert haben, inzwischen wieder als gesund.

In der Pfalz gibt es mit Stand Dienstag, 10 Uhr, nach Angaben des Mainzer Gesundheitsministeriums 1630 Infizierte. Das sind 44 Menschen mehr als am Ostermontag. Eine über 80 Jahre alte Person mit einer Coronavirus-Infektion verstarb im Bad Dürkheimer Krankenhaus, informierte die dortige Kreisverwaltung. Und im Grünstadter Krankenhaus erlag ein 77-jähriger Patient aus dem Donnersbergkreis den Folgen einer Covid-19-Erkrankung. Damit erhöhte sich die Anzahl der pfälzischen Corona-Todesopfer auf 17. Mit 273 (plus zwei) verzeichnet der Landkreis Bad Dürkheim weiter die höchste Infiziertenzahl unter den 16 pfälzischen Kreisen und kreisfreien Städten.

Inzwischen ist auch ein pfalzweiter Überblick zur Anzahl der Genesenen möglich: 776 Personen, die sich mit dem Virus infiziert hatten, sind nach Angaben der Gesundheitsämter mittlerweile wieder ohne Beschwerden. Das sind etwa 48 Prozent der ursprünglich Erkrankten in der Pfalz. Bundesweit liegt der Anteil der Genesenen nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts inzwischen bei etwa 53 Prozent.

Nur moderater Anstieg bei den Infiziertenzahlen

In ganz Rheinland-Pfalz sind bei den Gesundheitsämtern Stand Dienstag, 10 Uhr, 4939 Infizierte registriert, informierte das Mainzer Gesundheitsministerium. Das sind 97 Patienten mehr als am Ostermontag. Damit blieb die Steigerungsrate auf dem Niveau der vergangenen Tage. Erfreulich: Die jeweilige Verdopplungszeit – also die Zeitspanne, in der sich die Fallzahlen verdoppelt – verlangsamt sich in Rheinland-Pfalz weiter und lag zuletzt bei 17 Tagen. Zu Beginn der Corona-Krise hatten sich auch in Rheinland-Pfalz die Fallzahlen noch alle zwei bis drei Tage verdoppelt. Allerdings: Auch bei einer deutlichen Verlangsamung der Ausbreitung kann die Anzahl der Infizierten so stark steigen, dass das Gesundheitssystem überlastet wird.

Die Anzahl der Corona-Todesopfer erhöhte sich landesweit um sechs auf 77. Allein zehn Menschen, die am Coronavirus verstorben sind, verzeichnet der Westerwaldkreis, mit 315 Patienten meldet der Landkreis Mayen-Koblenz die höchste Infiziertenzahl aller rheinland-pfälzischen Landkreise und kreisfreien Städte.

So viele Infizierte mussten in ein Krankenhaus

Insgesamt 585 Personen wurden in Rheinland-Pfalz seit Ausbruch der Pandemie wegen einer Infektion mit dem Erreger ins Krankenhaus gebracht und behandelt – in der Pfalz waren es 175, die meisten dieser bisherigen Patienten kamen aus dem Kreis Bad Dürkheim (21 Fälle), dem Rhein-Pfalz-Kreis (18), der Stadt Ludwigshafen (17) und dem Kreis Germersheim (15).

Polizei: Relativ wenig Verstöße über Ostern in der Pfalz

Haben sich die Menschen an den Feiertagen in der Öffentlichkeit an die Corona-Beschränkungen gehalten? Ein „positives Fazit“ des Osterwochenendes zieht Thorsten Mischler, Sprecher des Polizeipräsidiums Rheinpfalz. Man sei verstärkt vor Ort präsent gewesen um zu überprüfen, ob die Corona-Vorgaben eingehalten werden. „Wir sind überwiegend zufrieden. Die allermeisten Menschen haben sich daran gehalten“, sagte Mischler am Dienstag. An Karfreitag hat es 240 Verstöße gegeben. In davon 200 Fällen wurde die Zwei-Personen-Regel nicht eingehalten, in 22 Fällen wurde der Mindestabstand von 1,50 Meter nicht gewahrt, so Mischler. Am Samstag hab es 125 Verstöße gegeben, am Ostersonntag 161, und am wettermäßig unattraktiven Ostermontag erfassten die Beamten präsidiumsweit 72 Verstöße. Das Polizeipräsidium Rheinpfalz ist für die Vorder- und Südpfalz zuständig.

Ähnliches berichtet Christiane Lautenschläger vom Polizeipräsidium Westpfalz. Dort wurden von Donnerstag bis einschließlich Ostermontag 162 Verstöße gegen die Corona-Auflagen verzeichnet. Die Mehrzahl der Fälle habe sich am Samstag ereignet. „Da ist viel Kleinkram darunter“, so Lautenschläger. Beispielsweise Verstöße gegen das Abstandsgebot. Zu körperlichen Auseinandersetzungen mit den Ordnungshütern sei es ihrer Kenntnis nach nicht gekommen. Fazit, so Christiane Lautenschläger: „Insgesamt war es verhältnismäßig ruhig.“ Und: „Wurden die Leute von den Kollegen angesprochen, haben sie sich meist verständnisvoll gezeigt.“

Corona-Betrüger lassen sich sechsstellige Summe überweisen

Das Mainzer Polizeipräsidium warnt vor einer neuen Masche, mit der Telefonbetrüger die Corona-Pandemie für ihre Gaunereien ausnutzen wollen. Einem 62-Jährigen aus Kirn (Kreis Bad Kreuznach) hätten die Kriminellen so beinahe eine sechsstellige Summe abgenommen. Dazu hatten sie den Mann angerufen, sich als Mitarbeiter seiner Bank ausgegeben und behauptet: Sie müssten sich um seine Finanzen kümmern, könnten ihn wegen der Infektionsgefahr aber nicht zu sich bitten. Weshalb er ihnen die Zugangsdaten zu seinen Konten telefonisch durchgeben müsse.

Gleich darauf wurden von seinem Guthaben die hohen Beträge abgebucht. Die Ermittler gehen allerdings davon aus, dass sie diese illegalen Überweisungen rechtzeitig gestoppt haben und das Geld zurückholen können. Die Polizei sagt: Keine Bank, aber auch kein Ermittler oder Behördenvertreter fragt geheime Daten am Telefon ab. Wenn Telefonate mit unbekannten Anrufern in diese Richtung gehen, sollen Betroffene daher sofort misstrauisch werden, auflegen und die 110 wählen. Und weil es diesmal um einen 62-Jährigen geht, fügt sie einen Hinweis hinzu: Auch wenn sich Telefonbetrüger vor allem an Hochbetagte heranmachen, können auch jüngere Menschen auf solche Kriminellen hereinfallen.

Alle Daten zur Corona-Krise in der Pfalz gibt es hier.

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