Neustadt
Deutsches Weinlesefest: Jugend bezieht bei Winzerfestumzug Position
Das Thema hat die Gemüter im Sommer pfalzweit erregt: die drohende Abschaffung der Pfälzischen Weinkönigin. Wellen der Empörung schlugen hoch – so hoch, dass die Pfalzweinwerbung ihre Entscheidung revidierte, zumindest für dieses Jahr. Gut so, finden wohl die meisten Pfälzer. Daher ist es nicht verwunderlich, dass einige Wagen die Königin-Debatte zum Thema haben: Die Landjugend Maikammer zeigt ein Ortsschild in Richtung Weinkönigin, Weinbotschafter – so sollte der neue Titel heißen – ist explizit durchgestrichen. Auch aus Kirrweiler heißt es: „Ein Weinbotschafter sei der Hit, da machen unsere Kirrweiler Weinprinzessinnen nicht mit!“ Ebenso wenig hält die Landjugend Hambach von den Pfalzwein-Plänen und plakatiert ihren Wagen entsprechend. „Tradition bleibt Tradition“, betont Joana Nelz mit Verweis auf ehemalige Hoheiten in den eigenen Vereinsreihen.
Ein größeres – und auch das einzige – politisches Statement gibt die Landjugend Kirrweiler am Sonntag ab: Auf dem Festwagen ist ein Wal zu sehen, dem die Ergebnisse der Wahlen 2030 blutig im Rücken stecken. Stärkste Kraft ist in der Darstellung der blaue Balken, also die AfD. Dieses Zukunftsszenario versieht die Gruppe mit dem mahnenden Hinweis: „In de Pfalz war de Wunsch nach Demokratie immer groß, drum setz dei Kreuz mit Bedacht, sonst geht’s in die Hos.“ Die Zuschauer belohnen die klare Kante mit dem Publikumspreis.
Dicke Schweine und ferne Planeten
Mit dem großen Preis bedacht werden am Ende zwei Gruppen: Zum einen die „Brulljesmacher“ von der Landjugend Kallstadt (Kreis Bad Dürkheim), bei denen ein riesiges Schwein auf dem Wagen thront, aus dessen Hinterbacken Saumagen angeschnitten wird. „Das haben wir von der Fleischer-Innung Süd- und Vorderpfalz geschenkt bekommen“, verrät Florian Föhr, der hinter dem Wagen darauf achtet, dass niemand unter die Räder gerät. Zum anderen darf sich der Förderverein Duttweiler über eine Prämierung freuen: Die Gruppe aus dem Neustadter Weindorf läuft als Astronauten verkleidet mit einem aufwendig gestalteten Weltall-Themenwagen samt Rakete mit. „Egal wie weit du in das Weltall kommst, mit Duttweiler Woi – is des galaktisch foi.“
Im Mittelpunkt der Parade stehen die unzähligen Hoheiten aus Neustadt und der Region: Unermüdlich winken unter anderem die Braugerstenkönigin und der Bierkönig aus Kirchheimbolanden, die Bierfestkönigin und ihre Prinzessin aus Haßloch, die Mandelblütenkönigin aus Gimmeldingen sowie die Zeiskamer und Pfälzischen Zwiebelhoheiten ihren Untertanen zu. Die Weinhoheiten aus allen Teilen des Landes lassen sich mal von historischen Treckern, mal von stattlichen Pferdekutschen durch die Menge ziehen. „Marieke, guggemol!“, ruft ein Mann mit Kamera Marieke I. aus Roschbach zu, die ihm daraufhin ihr schönstes Lächeln zuwirft. Die Pfälzische Weinkönigin Denise Stripf fährt in Begleitung der Pfälzischen Weinprinzessin Lara Karr und der Pfälzischen Weinhoheit Manuel Reuther im Weinglas sitzend vor, die Deutsche Weinkönigin Charlotte Weihl bildet in einem Blumenpavillon den krönenden Abschluss des Winzerfestumzugs.
Polizei: Keine Vorkommnisse
75.000 Besucher schauen sich nach Angaben der Stadt Neustadt das Spektakel bei strahlendem Sonnenschein über mehr als zwei Stunden an – im vergangenen Jahr waren noch 10.000 Zuschauer mehr gezählt worden. Die Strecke ist nicht durchgängig abgesperrt, was dazu führt, dass die Gasse für den Festzug stellenweise immer kleiner wird. „Schickt doch die Leut’ wieder zurück“, beschwert sich eine Mutter, die im Gedränge ihrer kleinen Tochter kaum einen Blick auf den Umzug verschaffen kann. „Wir sind in Neustadt nah dran an den Leuten“, meint dagegen ein Lokalmatador. Nach Angaben der Polizei kommt es während des Umzugs zu keinen Vorkommnissen.
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