Pfalz
Der Weintipp: Auf die Nüsse
Marketingexperten plädieren immer für klare, leicht verständliche Botschaften. Gewachsene Weinbaustrukturen verhindern das oft. Nur wenige Weinbaugebiete profitieren von unverwechselbarem Profil. Beispiele sind Brunello (hochwertiger Roter, Sangiovese) oder die Champagne (Schaumwein-Primus). Auch die Bourgogne gehört dazu. Berühmt wurde sie nur durch zwei Reben, Pinot Noir und Chardonnay. Mit diesen beiden war die Bourgogne jahrzehntelang praktisch unschlagbar, Höchstpreise inklusive. Winzer in aller Welt versuchen, mit ihren Pinot Noirs und Chardonnays dem großen Vorbild nahe zu kommen. Wenn es gelingt, sind sie stolz wie Bolle. Erheblich mehr Versuche misslingen allerdings, vor allem beim Pinot Noir.
In Deutschland unterscheidet sich das Klima vor allem im Süden nicht allzu sehr von der Bourgogne. Besonders in jüngeren Jahren erreichen einige Weinerzeuger recht regelmäßig Qualitäten, die auch französischen Kollegen Ehre machen würden.
Zwei Chardonnay-Stile
Ein bisschen anders sind sie freilich, denn Boden Klima, Weinbergs- und Kellerarbeit sind nicht überall gleich. Beim Chardonnay unterscheiden Experten Übersee-Stil und Bourgogne-Stil. Ersterer ist geprägt durch opulente Gelbfrucht und cremig-warmes Mundgefühl. Bourgogne-Chardonnays sind dagegen oft mineralisch-karg, säurebetont und in der Jugend unzugänglich.
Trotz räumlicher Nähe zum Burgund sind die hochwertigen deutschen Chardonnays häufig näher an der Übersee-Variante, vielleicht, weil diese früher zugänglich ist und daher leichter zu verkaufen. Außerdem ist die französische Variante stärker auf das dortige Terroir angewiesen.
Ein ausgezeichnetes Beispiel
Ein ausgezeichnetes Beispiel für den klassisch-opulenten Übersee-Stil ist dem Weingut Weik gelungen. Sein 2017er „Löwenherz“ beeindruckt durch Gelbfrucht, feines, nussig-cremiges Aroma mit leichten Rösttönen und sahniges Mundgefühl mit feinem Säurefinale. Der exzellente Wein würde in gleicher Qualität andernorts ein Mehrfaches kosten.