Kolumne Der Haken an der Studentenbude

Hochbetten sind nicht nur für Kleine attraktiv. Unter dem Gestell bleibt Platz für anderes: gut, vor allem in kleinen Räumen.
Hochbetten sind nicht nur für Kleine attraktiv. Unter dem Gestell bleibt Platz für anderes: gut, vor allem in kleinen Räumen.
Simone Schmidt
Simone Schmidt

Am Küchentisch: Vom Glück, die Wunsch-WG zu finden und dem Akkuschrauber, den es dann braucht

Kinder sind ganz schön teuer. Das haben die beiden Kinder am Küchentisch letztens selbst festgestellt, als sie ausrechneten, wie viel sie bis zum Ende der Ausbildung kosten. Ein sechsstelliger Betrag kam da am Ende heraus, um den wir Eltern doch – ohne sie – reicher sein könnten. Auslöser war die Frage, wie viel Geld die Tochter jetzt monatlich bekommen werde für die Zeit ihres Studiums.

Mietpreise wie in München?

An dem Abend zuvor hatte sich erst einmal eine andere Sorge erledigt. Die danach, wo sie denn 230 Kilometer entfernt wohnen würde. Freiburg und all die anderen beliebten Universitätsstädte haben es in sich. Freunde verglichen die Mietpreise spontan mit denen Münchens. Nein, Freiburg ist nicht München. Aber das, was „normale“ Wohnungssuchende schier verzweifeln lässt – der Kampf um ein bezahlbares Dach über dem Kopf – das spüren auch Studentinnen und Studenten. Vor allem, wenn die Wohnung nicht weitab vom Schuss sein soll.

300 Bewerbungen auf ein Angebot scheinen nicht unüblich. Zudem, wenn das freie, zentrumsnahe Zimmer in einer Fünfer-Wohngemeinschaft per Video besichtigt werden kann. Und ein gemeinsamer Balkon, ein Gartengrillplatz und eine – sehr aufgeräumte – Küche dazugehören. Online stellt man und frau sich dann gegenseitig vor und wenn die Chemie stimmt, geht’s in die nächste Runde. Welches Bangen an jenem Abend, als die Tochter es ins Finale geschafft hatte. Was für ein Glück!

Plan B: ein Notbett

Vor allem die weiblichen Teile der Familie hatten zwei Wochen vor Semesterbeginn schon einmal angeregt, sie solle sich doch dringend um einen Plan B kümmern. Um ein Bett in der Jugendherberge oder einer anderen Notunterkunft, da auch die Warteliste für ein Zimmer im Studentenwerk durchaus lang, sogar unbekannt lang war. Aber die Tochter war überaus optimistisch. Und sie gewann. Den Zuschlag für ihre Wunsch-WG. Sie hatte sich auf Anhieb mit den Mitbewohnern gut verstanden. Doch dann?

Einen kleinen Haken hat das Zimmer in der WG durchaus: Es misst nur ganze neun Quadratmeter – noch einen Quadratmeter weniger als ihr Reich zu Hause. Wie sollen da Schreibtisch, Bett, Kleiderschrank und Bücherregal Platz finden? Nach längerem Grübeln, dann die Lösung: Ein Hochbett, unter dem noch Raum ist für anderes.

Selbst ist die Frau

Nur: Zu kaufen gibt es Kinder-Stockbetten, viel zu hohe oder zu teure Exemplare – und welche, die gerade nicht lieferbar sind. Also, Säge und Akkuschrauber raus, messen, zeichnen, verwerfen, neu zeichnen – und dann Holz kaufen. Wer schon mal zusammen mit den Freundinnen selbst einen Transporter zum Wohnmobil umgebaut hat, scheut sich nicht vor dem zweiten Selfmade-Projekt. Zu zweit machen sie sich ans Werk. Pünktlich zum Studienbeginn ist es fertig: das Hochbett für 300 Euro. Das vielleicht Günstigste am Studium? Teuer aber bemisst sich mit Kindern ja ohnehin nicht nur an Euro.

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