Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel ADAC Pfalz zu Verkehrssituation an Schulen: „Es muss weniger Elterntaxis geben“

Der Vorsitzende Joachim Ohmer (l.) und Geschäftsführer des ADAC Pfalz Christian Weinkauff (r.) im Interview mit Reporter Maximil
Der Vorsitzende Joachim Ohmer (l.) und Geschäftsführer des ADAC Pfalz Christian Weinkauff (r.) im Interview mit Reporter Maximilian Hempel.

Joachim Ohmer und Christian Weinkauff leiten seit diesem Sommer als Vorsitzender und Geschäftsführer die Geschicke des ADAC Pfalz. Im Gespräch mit Maximilian Hempel sprachen sie darüber, wie der Autoclub in Zukunft auch Fahrradfahrer ansprechen will und warum sie einen Ausbau der B 10 für nötig halten.

Herr Ohmer, Sie sind seit diesem März der neue Vorsitzende des ADAC Pfalz, Herr Weinkauff folgte Mitte August als neuer Geschäftsführer. Welche Verkehrsthemen wollen Sie in Zukunft vorantreiben?
Joachim Ohmer: Zuerst einmal wollen wir anders wahrgenommen werden und diese Haltung auch zu unseren Mitgliedern und den Pfälzern tragen. Wir sehen uns als Mobilitätsclub, der nicht nur das Auto in den Fokus stellt.

Jetzt sagen Sie aber nicht, dass Sie sich auch um Fahrradfahrer kümmern.
Ohmer: Doch, genau darum geht es. Der ADAC ist schon lange mehr als nur Pannenhilfe und gelbe Engel. Wenn wir aber bei der Pannenhilfe bleiben: Als ADAC-Mitglied wird Ihnen etwa auch geholfen, wenn Sie mit dem Fahrrad im Pfälzerwald eine Panne haben. Ein Pannenhelfer kümmert sich an der nächstgelegenen öffentlichen Straße um Ihr Rad.

Christian Weinkauff: Die Pfalz ist Tourismusregion, in der nicht nur das Auto eine wichtige Rolle spielt, sondern auch das Fahrrad. Wir bauen unser Angebot in Sachen Fahrrad in den nächsten Jahren deshalb immer weiter aus. Neben der Pannenhilfe für Radfahrer zählen dazu auch Radservice-Stationen, die wir jetzt zunehmend in der Region aufstellen werden.

Wie muss man sich das vorstellen?
Weinkauff: Das sind gelbe Säulen, an denen Sie rund um die Uhr Fahrradwerkzeug finden. Sie können dort etwa Platten flicken, Schrauben festdrehen oder die Luft am Reifen aufpumpen. Wir arbeiten dabei mit den Städten und Gemeinden zusammen und schauen, je nach Radverkehrsaufkommen, wo sich eine solche Säule am ehesten lohnt. Unsere Ortsclubs oder Ehrenamtliche des ADAC übernehmen die Patenschaft und kümmert sich darum, dass alles in Schuss bleibt. Die ersten Stationen gibt es in Contwig, Bad Dürkheim (am Forsthaus Lindemannsruhe), Maikammer und in Schifferstadt. Weitere Stationen unter anderem in Pirmasens und Herxheim sollen folgen.

Zurück zum Auto. Eines der wohl drängendsten Verkehrsthemen in der Pfalz ist die steigende Anzahl von Elterntaxis vor Schulen – Verkehrschaos und brenzlige Situationen mit inbegriffen. Sind Sie gegen Elterntaxis?
Weinkauff: Ich lebe in der Südwestpfalz. Wenn meine Tochter, wie zum Beispiel gestern, den Zug verpasst, dann führt kein Weg dran vorbei, dass ich sie mit dem Auto zur Schule fahre.

Ohmer: Aber es braucht Alternativen. Denn es müssen definitiv weniger Elterntaxis werden.

Welche Lösungen schlagen Sie vor?
Ohmer: Es gibt nicht die eine Lösung, die allen Schulen gleichermaßen hilft. Elternhaltestellen, die Eltern mit dem Auto in der Nähe der Schule ansteuern können, sind eine Möglichkeit. Aber nicht an jeder Schule können sie baulich und verkehrstechnisch umgesetzt werden. Dazu braucht es Platz, den es mancherorts einfach nicht gibt. Wir setzen uns als ADAC Pfalz daher für mehr Aufklärung bei den Eltern ein und wollen sie ermutigen, ihre Kinder mit dem Fahrrad oder dem Bus zur Schule fahren zu lassen.

Weinkauff: Weniger Autos auf dem Schulweg bedeuten auch weniger Unfälle. Wir wollen als ADAC Pfalz mit unserer Abteilung Verkehr in Zukunft noch stärker beratend tätig werden und die Kommunen wie Schulen mit unserem Fachwissen unterstützen.

Herr Weinkauff, als Südwestpfälzer, der täglich nach Neustadt pendelt, müssten Sie zu einem anderen Verkehrsthema auch eine klare Meinung haben. Wie halten Sie es mit dem vierspurigen Ausbau der B 10 zwischen Pirmasens und Landau?
Weinkauff: Ich bin klar für einen vierspurigen Ausbau der B10. Das hat aber auch ganz persönliche Gründe: Meine Frau hatte 2018 einen schweren und lebensgefährlichen Verkehrsunfall auf der B10. Damals fuhr jemand aus dem Gegenverkehr in ihre Fahrbahn. Wir haben auf der B10 insbesondere vor und nach den Tunneln gefährliche Stellen, wo der Gegenverkehr nur durch eine weiße Linie voneinander getrennt wird. Es kommt dort immer wieder zu schweren Unfällen, die ein vierspuriger Ausbau inklusive Mittelleitplanke und getrennter Tunnelröhren endlich lösen würde. Für mich spielt die Zeitersparnis auf einer vierspurigen B 10 kaum eine Rolle.

Ohmer: In Sachen Verkehrssicherheit sind wir klar für einen B10-Ausbau. Dass die Frage mit Blick auf den Pfälzerwald und das Biosphärenreservat natürlich heikel ist, steht außer Frage. Seit Jahrzehnten wird über den Ausbau gestritten und über Varianten diskutiert. Gut wäre vor allem, wenn es jetzt endlich einmal eine verbindliche Entscheidung für oder gegen den Ausbau gibt.

Zu den Personen

Joachim Ohmer (63) ist seit März Vorsitzender des ADAC Pfalz. Er ist seit 1983 aktives Mitglied der Motorsportvereinigung Herxheim, die auf der Sandbahn und der Speedwaybahn WM-, EM- und DM-Finalläufe veranstaltet und unter anderem auch das berühmte Sandbahnrennen an Christi Himmelfahrt.
Christian Weinkauff (44) ist seit August Geschäftsführer des ADAC Pfalz. Der Betriebswirt war zuvor beim Sparkassenverbund in unterschiedlichen Positionen und Funktionen tätig.

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