Pfalz
Abi bestanden und todtraurig: Das bedeutet die Corona-Pandemie für den Abschluss-Jahrgang
Ein halbes Jahr oder so arbeiten in Australien? Als Au Pair in Buenos Aires Babys hüten und dann vielleicht mit dem Rucksack an die Südspitze des südamerikanischen Kontinents reisen? Oder einfach in den Zug steigen und per Interrail quer durch Europa düsen? – Alles nicht möglich. Geschuldet ist das dem Coronavirus.
Der jetzige Jahrgang von Abiturienten, der in Rheinland-Pfalz gerade die mündliche Prüfung abgelegt hat (oder diese Woche ablegen wird), ist der erste nach dem Zweiten Weltkrieg, der all seine Pläne für die unmittelbare Zeit nach der Schule im Papierkorb verschwinden sieht. Und in den restlichen Bundesländern, die ja andere Abiturtermine haben als die Rheinland-Pfälzer (hierzulande geht man in der Regel 12,5 Jahre fürs Abi zu Schule, anderswo 12 oder 13 Jahre) sieht der Ausblick auf diese Zeitspanne keinen Deut besser aus. Auch wenn nun – wie etwa in Bayern – die Abiturprüfungen von Ende April auf Ende Mai verschoben werden.
Weltenbummler könnten Quarantänefälle werden
Was für eine Generation, der alle Türen offen zu stehen schienen und alle Möglichkeiten Gewissheit waren, noch vor wenigen Tagen unvorstellbar war, ist nun bittere Realität: Es sind keine Reisen möglich. Keine großen ans andere Ende der Welt, nicht einmal kleinere. Aus Weltenbummlern könnten Quarantänefälle werden.
Doch das ist nicht alles. Vielfach sind durch Covid-19 auch die Jobs hinweggefegt worden, mit denen sich die Abiturienten in den kommenden Wochen und Monaten ein bisschen Geld verdienen wollten. Ursprünglich eben für die geplante Reise – oder aber, um ein Polster fürs angestrebte Studium aufzubauen. Viele typische Schüler- und Studentenjobs gibt es (vorerst) nicht mehr: Aushilfsarbeiten in Restaurants oder Hotels, aber auch Knochenjobs am Fließband. Denn viele Betriebe haben nur eingeschränkte Öffnungszeiten, wenn sie nicht gleich ganz zumachen in den kommenden Wochen.
Fragezeichen über dem „Medizinertest“
Gefährdet sind so auch Praktikumsplätze, die Voraussetzung sind, um manche Studiengänge überhaupt aufnehmen zu können. Nicht zuletzt schwebt selbst über dem zentralen „Medizinertest“, dem vorgeschalteten Eignungstest fürs Studium, ein Fragezeichen. Dieser Test findet bundesweit gleichzeitig in verschiedenen Mehrzweckhallen statt – zum Beispiel im Neustadter Saalbau. Koordiniert wird der insgesamt fünfstündige Test über die Universität Heidelberg. Der nächste Termin wäre der 9. Mai. Doch ist dieser Zeitpunkt zu halten? Wird es zu regionalen Absagen kommen aufgrund der Situation an der Coronafront? Ginge das überhaupt, da der Test doch überall gleichzeitig stattfinden soll?
Lehrer berichten von Schülern, die nun todtraurig sind. Manche seien richtiggehend orientierungslos. Nicht einmal die Hand eines Prüflings, den sie seit der fünften Klasse kenne, habe sie aus hygienischen Gründen nach der mündlichen Prüfung schütteln können, erzählt eine Lehrerin. Auch sie wirkt getroffen, ja fassungslos. Auch sie hätte sich ein anderes Ende gewünscht, bevor etwas Neues für die Schüler beginnt.