Panorama RHEINPFALZ Plus Artikel Stierkampf in Palma: Blutiges Spektakel kehrt zurück

50 Euro kosten die günstigsten Karten in der Arena von Palma. Foto: dpa
50 Euro kosten die günstigsten Karten in der Arena von Palma.

Nach zwei Jahren sollen erstmals wieder Stiere auf Mallorca getötet werden. Tierschützer sind empört und wollen vor der Arena demonstrieren.

Palma. Kampfeslustig und stolz schauen sie auf dem Ankündigungsplakat in die Runde: jene vier Toreros, die am Abend des 9. August in Palmas Arena „Coliseo“ insgesamt acht Stiere mit ihren Degen töten sollen. Nach zwei Jahren Stierkampfverbot wird nun wieder Blut fließen in Palmas „Kolosseum“. Der Name dieses Stierkampfplatzes in Mallorcas Inselhauptstadt erinnert wohl nicht zufällig an das berühmte römische Amphitheater, in dem in der Antike grausame Gladiatorenkämpfe stattfanden.

Stierkampffans feiern die Rückkehr der umstrittenen „fiesta“, wie das blutige Spektakel in Spanien genannt wird, als „Sieg der Freiheit“. Gegner und Befürworter der Tradition gerieten in den zurückliegenden Jahren in Spanien immer wieder aneinander. Beim letzten Stierkampf in Palma im Sommer 2017 mussten die Toreros von der Polizei zur Arena eskortiert werden, vor der 100 Aktivisten die Stierkämpfer als „Mörder“ beschimpften.

Warnhinweise für die Zuschauer

Dass dieses Spektakel nun wieder auf der Urlaubsinsel Mallorca stattfinden darf, haben die Toreros dem spanischen Verfassungsgericht zu verdanken. Die Richter annullierten Ende 2018 ein Tierschutzgesetz der Inselregierung, welches das Stiertöten untersagt hatte. Die Mitte-links-Regierung der Baleareninseln hatte 2017 beschlossen, nur noch einen entschärften Stierkampf zu dulden. Einer, bei dem die Tiere nicht durch Lanzenstiche gequält und anschließend per Degen getötet werden. Ein „Stierkampf light“ also, nach dem die Bullen wieder unversehrt auf die Weide zurückdürfen.

Doch die damalige Staatsregierung, die von dem konservativen Mariano Rajoy geführt wurde, sah durch das Verbot Spaniens historisches Kulturgut in Gefahr und klagte vor dem Verfassungsgericht. Rajoys Volkspartei hatte schon 2013 den Stierkampf, der in der Gesellschaft auf immer größeren Widerstand stößt, als „nationales Kulturerbe“ unter staatlichen Schutz gestellt. Deswegen urteilten die Verfassungsrichter, dass die Inselregierung mit dem Stierkampfverbot ihre Kompetenzen überschritten hatte, denn der Zentralstaat sei zuständig.

Kein Zutritt für Minderjährige

Die Verfassungsrichter haben aber nur einige Paragrafen des balearischen Anti-Stierkampf-Gesetzes gekippt. Teile der Tierschutznormen gelten weiterhin und ermöglichen es der Balearenregierung, den Veranstaltern Auflagen zu erteilen. Eine sieht vor, dass die Organisatoren im Innenraum wie an den Eingängen der Arena Schilder anbringen müssen mit der Warnung, dass bei diesen Kämpfen Blut fließen wird. Der gesetzliche Warnhinweis lautet: „Diese Veranstaltung kann die Gefühle der Zuschauer verletzen.“

Auch sind für Toreros Dopingkontrollen vorgeschrieben. Genauso wie die Stiere in Palma von Veterinären daraufhin untersucht werden müssen, ob ihnen Beruhigungsmittel verabreicht werden. Letzteres vor allem, um zu verhindern, dass die gefährlichen Kampfbullen unter Drogen gesetzt werden – eine Praxis, die offenbar in der Branche nicht unüblich ist. Zudem dürfen auf Mallorca keine Minderjährigen den Stierkampf besuchen, und der Ausschank von Alkohol in der Arena ist verboten.

Thomas Gottschalk war auch schon da

Übrigens: Eine Massenveranstaltung ist der Stierkampf auf Mallorca schon länger nicht mehr. Die Anzahl dieser Spektakel hat auf der Ferieninsel wie in ganz Spanien kontinuierlich abgenommen. Beim letzten Stierkampf im Juli 2017 waren nur rund 500 Zuschauer ins „Coliseo“ in Palma gekommen, berichteten die Lokalzeitungen. Dabei passen rund 12.000 Menschen in dieses Stadion, das schon mehrfach Schauplatz einer sommerlichen Auflage der ZDF-Show „Wetten, dass ..?“ mit Thomas Gottschalk war.

Am Freitag, bei der Rückkehr des Stierkampfes in Palmas Arena, könnte es vielleicht doch etwas voller werden. Denn der Veranstalter hat vier der berühmtesten Toreros des Landes verpflichtet, darunter den legendären Matador „El Juli“ und den bekannten Stiertöter José María Manzanares, dessen Vater schon sein Geld in der Arena verdiente. „Ich bin ein Tierliebhaber“, sagt Manzanares über sich. Und er glaubt, dass sein Job dazu beitrage, die stolzen spanischen Stiere, die eigens für die Arena gezüchtet werden, für die Menschheit zu bewahren: „Ohne Stierkämpfe würden die Kampfstiere aussterben.“

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