Panorama RHEINPFALZ Plus Artikel RHEINPFALZ-Sportredakteur Udo Schöpfer strandet wegen „Sabine“ in München

Udo Schöpfer
Udo Schöpfer

Wegen des Fußball-Bundesliga-Spiels zwischen dem FC Bayern und RB Leipzig fuhr unser Redakteur Udo Schpfer am Sonntag nach München. Er blieb dort länger als gedacht. „Sabine“ kam ihm in die Quere. Ein Bericht.

Samstagabend, 22 Uhr. Die Berichte über „Sabine“ nehmen zu. Ein flaues Gefühl beschleicht mich.

Sonntagmorgen, 9 Uhr. Ich fahre. Ich fahre nicht. Ich fahre. Ich fahre nicht. Ich fahre. Aber klar doch. Alles wird gut. Ich mag nicht absagen. Und es wird bestimmt ein aufregendes Spiel.

Sonntag, 11.30 Uhr. Abfahrt in Mannheim. Strahlender Sonnenschein. Ein laues Lüftchen. Im Zug setzten sich zwei Schweizer Männer auf für anderen reservierte Plätze, kurzer Tumult, sonst keine besonderen Vorkommnisse.

Sonntag, 17.30 Uhr. Ich höre auf zu pokern. Eigentlich wollte ich um 21.51 Uhr zurückfahren. Noch steht die Zugverbindung ja. Der Herr an der Bahn-Info erklärt: Entschieden wird ganz kurzfristig. Ich buche lieber kurzfristig ein Hotel. Supergünstiger Sparpreis. Denn was würde es nützen, wenn ich um 2 Uhr nachts in Mannheim ankomme und kein Taxi fährt mehr? Oder wie sollte ich bei dem Wind ins Leiningerland düsen?

Sonntag, 22 Uhr. Eine sehr lange Schlange am Info-Schalter im Hauptbahnhof. Die Bahn hat den Zugverkehr eingestellt. Die Reisenden suchen Orientierung. Gute Nacht.

Montag, 6.30 Uhr. Der erste Blick gebührt dem Handy. Aha, der ICE um 7.30 Uhr ist noch nicht gestrichen. Doch kurz darauf: Ein rotes Kreuz, diese Verbindung entfällt. Später im Fahrstuhl: Die Gattin blickt auf das Handy, berichtet ihrem Mann von einer Freundin, die nicht „wegkommt“.

Montag, 9 Uhr. Rotes Kreuz: Die Verbindung um 9.28 Uhr entfällt auch. Meine Kollegin Christine Kamm ruft mich an und sagt, ich solle mir keinen Stress machen. Ich schreibe meine zwei Beiträge. Komische Atmosphäre im Bahnhof. Männer, die auf Anzeigetafeln starren. Dort steht nach wie vor, dass der Verkehr eingestellt ist.

Montag, 10 Uhr. Rotes Kreuz: Der Zug um 11.28 Uhr fährt ebenfalls nicht. Ich habe Kommunikationsbedarf. Mein alter Chef Horst Konzok ist wegen der Eulen Ludwigshafen noch in Hannover.

Montag, 12 Uhr. Ich sitze in einem Café, hoffe – und registriere dann doch, dass das nächste rote Kreuz auftaucht. Ich laufe ein wenig durch die Stadt. Füße vertreten. Sich grämen bringt ja nichts.

Montag, 13 Uhr. Rotes Kreuz: Der ICE um 15.28 Uhr ist pulverisiert. Ich sitze wieder in meinem Café. Eigentlich müsste ich dringend mein Buch fertig lesen. (Von wem ist denn nun der kleine Samy? Von Felix oder von Svensson?) Aber ich bin zu unruhig. Annegret verdrängt „Sabine“ in der Nachrichten-Hitliste auf den zweiten Platz. Kramp-Karrenbauer sorgt für neue Schlagzeilen. Noch düsterere Gedanken. Was, wenn ich noch eine Nacht hier bleiben muss? Und wie wird das sein, wenn alle Gestrandeten der Südlinie in den ersten Zug drängen? Oje. Ich denke: Und das alles wegen eines albernen 0:0.

Montag, 15 Uhr. Ich laufe von meinem Café zum Bahnhof. Die Kollegin aus dem Wirtschaftsressort, Judith Schäfer, betreut mich mittlerweile, konkret: meine Reportage. Sie rät, nicht so viel Kaffee zu trinken, mehr Schokolade. Sie wärme auch von innen. Ja. Auf dem Weg: alles fährt, Straßenbahnen, Busse, Autos. Die Bahn hat vor Gleis 15 noch ein Extra-Info-Wägelchen aufgestellt. „Der Zug um 15.28 Uhr fährt wirklich?“ „Jo, freilich“, erwidert der DB-Mann. Jo, freilich?! Der Zug kommt 25 Minuten später. Bei der Bereitstellung gab es Probleme. Sie hatten zwei Tage Zeit, denke ich. Auf die Bahn kann man sich verlassen!!!

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