Spanien Missglückte Restaurierung: Happy End für den „Affen-Jesus“

Original (links) und missglückte Restaurierung: der „Ecce Homo“ von Borja.
Original (links) und missglückte Restaurierung: der »Ecce Homo« von Borja.

Misslungene Restaurierungen erschüttern immer wieder Spaniens Kunstszene und sorgen international für Spott. Besonders bekannt ist der Fall eines „Ecce Homo“ .

Eigentlich hatte es Cecilia Gimenez nur gut gemeint: Das Jesus-Fresko „Ecce Homo“ an der feuchten Wand ihrer Dorfkirche im nordspanischen Borja blätterte schon ab. Doch niemand kümmerte sich. Also legte die damals 81 Jahre alte Hobbymalerin vor zehn Jahren selbst Hand an – und es ging so richtig schief.

Die Wand war viel zu feucht. Die Farben zerliefen sofort wieder. So fuhr die Rentnerin erst einmal in den Urlaub, damit alles trocknen konnte. Es war Mitte August 2012, und sie dachte an nichts Böses. Besucher verirrten sich sowieso selten in die Kirche. Als sie aus den Ferien zurückkam, sollte sich ihr Leben aber verändern.

Eine Regionalzeitung war zufällig auf den missglückten Restaurierungsversuch aufmerksam geworden. Ein Reporter, der zunächst von Vandalismus ausging, fotografierte den entstellten Heiland und untertitelte das Bild mit den Worten: „Das verzeiht nicht einmal Jesus.“ Der 1903 entstandene „Ecce Homo“, Werk des spanischen Malers Elias Garcia Martinez, war zwar kein Meisterwerk. Aber die Jesus-Darstellung von Cecilia ähnelte nun eher einem Primaten.

Wie ein Sechser im Lotto

Schnell wurden auch internationale Medien auf die misslungene Restaurierung aufmerksam. Fernsehteams aus der ganzen Welt stürmten in das verschlafene Dorf im Nordosten Spaniens. Anfang September lachte bereits die halbe Welt über Cecilias mittlerweile als „Ecce Monchichi“ bekanntes Werk.

Rückblickend betrachtet war Cecilias Kunst-Fiasko für die 5000-Seelen-Gemeinde wie ein Sechser im Lotto. In den vergangenen zehn Jahren kamen 300.000 Touristen aus 120 Ländern nach Borja, nur um ihr Fresko zu sehen. Fast 450.000 Euro wurden mit Eintrittsgeldern, Souvenirs und Plakatverkäufen eingenommen. Vor allem Borjas Hotel- und Restaurantbesitzer würden der heute 91-Jährigen, die mittlerweile im Seniorenheim lebt, gerne ein Denkmal setzen.

Doch auch Cecilia, die Dorfkirche und die katholische Sancti-Spiritus-Stiftung, die 51 Prozent an den Bildrechten vom Affen-Jesus-Fresko hält, freuen sich seither über sprudelnde Eintrittsgelder und Merchandising-Einnahmen. Cecilias Bild tauchte sogar im Videospiel „Angry Birds“ auf. 2020 waren in Japan Schlüsselanhänger mit dem „Monchichi“-Jesus angesagt. Bereits 2016 widmete das Dorf seiner unverhofft zu Ruhm gelangten Künstlerin ein Museum, wo heute ihre Malereien gezeigt werden.

Stoff für eine Oper

Zudem bleibt „Ecce Homo“ ein Referenzpunkt. Denn immer wieder erregen missglückte Restaurierungen die Gemüter von Kunstexperten und Öffentlichkeit. Der spanische Restauratorenverband ACRE) kritisiert seit langem einen „desaströsen“ Trend zu laienhaften Restaurierungen selbst bei wertvollsten Kunstschätzen. So ging es 2018 etwa um eine Holzfigurengruppe aus dem 15. Jahrhundert im asturischen Dörfchen Ranadoiro. Im selben Jahr wurde eine Figur des heiligen Georg in der Provinz Navarra in Farbe geradezu ertränkt. 2020 war eine Skulptur aus dem frühen 20. Jahrhundert an der Fassade eines Bürogebäudes in Palencia betroffen. Immer wenn es derartige Schlagzeilen gibt, ist schnell von einem weiteren „Ecce Homo“ die Rede.

Derweil wurde Cecilias Schaffen in den USA sogar zum Mittelpunkt einer Oper. Das von Andrew Flack komponierte Stück hatte 2018 seine Premiere. Nach mehreren Stationen soll „Behold the Man“ nun 2023 in Las Vegas anlaufen. So darf die malende Seniorin nach dem anfänglichen Alptraum und weltweiten Spott doch noch ein Happy End erleben – auch wenn sie Jesus zum Affen gemacht hat.

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