Panorama Liebling der Deutschen

1966 als Winnetous Schwarm Apanatschi.
1966 als Winnetous Schwarm Apanatschi.

«München.»Uschi Glas hat Generationen von Film- und Fernsehzuschauern begleitet, war das Schätzchen der Nation. Heute wird sie 75 Jahre alt – und ist plötzlich auch auf Schulhöfen wieder ein Star.

Wenn Uschi Glas heute mit ihrem gemeinnützigen Verein „brotZeit“ eine Schule besucht, dann geschieht Merkwürdiges. Dann wollen die Schüler plötzlich Selfies mit ihr machen. Früher, erzählt sie, sei sie bei solchen Besuchen nur die nette ältere Dame gewesen – heute kennt man sie. Die „Fack ju Göhte“-Reihe mit ihrer Rolle als frustrierter Lehrerin Frau Leimbach-Knorr hat Uschi Glas auch bei heutigen Schülern bekannt gemacht. Überall sonst ist sie das schon seit Jahrzehnten – spätestens seit es „zur Sache“ ging im Jahr 1968. „Ich empfinde es als großes Glück, dass ich älter werden darf, dass ich gesund bin, dass ich fähig bin zu arbeiten, zu denken und mich zu bewegen. Das ist jetzt keine Koketterie oder so“, sagt sie. Aber sie sei „kein großer Selbstfeierer“. Dabei wäre das halbe Jahrhundert im Filmgeschäft, das sie hinter sich hat, doch durchaus ein Grund zum Feiern. Glas’ Karriere startete eigentlich ganz anders – als Anwaltssekretärin in München, wohin die gebürtige Niederbayerin mit 20 gezogen war. Auf einer Premierenfeier empfahl sie sich dann dem Produzenten Horst Wendtland als Schauspielanwärterin – und bekam die erste Rolle in dem Edgar-Wallace-Film „Der unheimliche Mönch“. 1966 war sie „das Halbblut Apanatschi“ an der Seite von Pierre Brice als Winnetou. Sie nahm Schauspielunterricht, biss sich durch – und dann kam die legendäre Szene, in der sie als Barbara auf der Polizeiwache einen Beinahe-Striptease hinlegt, um die Polizisten aus dem Konzept zu bringen. Mit „Zur Sache, Schätzchen“ schrieb sie Filmgeschichte – in Schwarz-Weiß, weil damals das Budget nicht für einen Film in Farbe reichte. Damals sei sie das Lieblingskind des Neuen Deutschen Films gewesen, erinnert sie sich. Doch das habe sich geändert, als sie sich weigerte, sich öffentlich zu SPD-Chef Willy Brandt zu bekennen, wie es der 1968er Zeitgeist in der Kreativbranche verlangte. Aus ihrer konservativen Grundhaltung und ihrer Nähe zur CSU hat Glas nie ein Hehl gemacht. Mit Filmen wie der „Lümmel von der ersten Bank“-Reihe war es danach eher die leichtere Muse: Ab Mitte der 70er Jahre war Glas häufiger im Fernsehen zu sehen als auf der Kinoleinwand, spielte in Krimis oder Rosamunde-Pilcher-Folgen mit. Ihr großes Kino-Comeback hatte sie als Burnout-geplagte Lehrerin in der „Fack ju Göhte“-Trilogie. „Ich habe nie jemanden um die Ecke gebracht und auch nicht um mich geschossen“, sagt sie über ihre Rollen. „Im Endeffekt wurden mir immer nur die Heilsbringer angetragen. Keine Ahnung, warum.“ Glas’ großes Kunststück: Sie schaffte alles ohne große Skandale, ohne Allüren, ohne dass jemand öffentlich ein böses Wort über die bodenständige Bayerin verlor. Es ist eine Bilderbuchkarriere, die die Mutter dreier Kinder hingelegt hat, keine Frage – auch wenn privat der ein oder andere Stolperstein lauerte. Ihr Sohn Ben Tewaag machte eine Zeitlang regelmäßig Schlagzeilen, wie sie eine Mutter wohl ungern lesen möchte, landete im Knast – und im „Big Brother“-Haus von Sat.1. Und ihr erster Ehemann betrog sie mit einer Jüngeren. Es war das erste und einzige Mal, dass Glas öffentlich so richtig vom Leder zog und zeigte, welches Temperament in der freundlichen Dame steckt: „Ich steh’ doch nicht daheim wie ein Möbelstück rum, und er geht abends schnackseln.“

Uschi Glas war ursprünglich Anwaltssekretärin.
Uschi Glas war ursprünglich Anwaltssekretärin.
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