Coronavirus
Campingplatz-Angebot: Homeoffice mit Urlaubsflair
Viel zu tun hat Michael Kramer derzeit nicht. „Ein bisschen Blumengießen halt“, sagt er. Und so viel wie früher wird’s auch nicht mehr werden, dessen ist er sich sicher. Haben sich auf seinem kleinen, stillen Campingplatz in Wolfratshausen an schönen Sommertagen früher bis zu 120 Menschen gedrängelt, standen 60 Zelte und bis zu 45 Wohnmobile dort bisher dicht an dicht, so denkt Kramer heute, die Corona-Distanz werde „ein Thema bleiben“. Und was heute verpflichtend sei, das würden die Gäste in den kommenden Jahren wohl weiterhin einfordern: Abstand, Privatsphäre. „Wir schrauben auf unbestimmte Zeit unsere Kapazität auf die Hälfte runter.“ Und: „Für die Zeit nach Corona müssen sich Camping-Betreiber was einfallen lassen.“
Das Spülen übernimmt der Chef
Einen Versuch hat der 48-Jährige schon jetzt gestartet. Für alle Zeitgenossen, denen im Homeoffice die Decke auf den Kopf fällt, bietet er nun „Camp-Office“ an. Sechs Pavillonzelte hat Kramer im Kreis aufgestellt; rot und orange leuchten sie auf der blütenübersäten Wiese. Und jedes ist ein kleines Büro. Ausgelegt mit frischen, noch nach Holz duftenden Fichtenbrettern und einem kleinen Teppich bieten sie auf neun Quadratmetern: einen geräumigen Klapptisch und hölzernen Camping-Stuhl, Kochplatte und Wlan, Strom, Teekanne und Aschenbecher, einen Liegestuhl für Kreativpausen auf der lärchenholz-belegten Terrasse davor. Leihgeschirr gibt’s auch, und am Ende des Arbeitstages muss der Nutzer des „Camp-Office“ anders als daheim nicht mal spülen. Das übernimmt der Chef.
Ein Masseur steht bereit
Für Manager, die auf vielen Videokonferenzen gastieren müssen, seien die Zelte bestimmt nicht so geeignet, meint Kramer: „Aber wenn sich einer nur auf seine Arbeit konzentrieren will und den ganzen Tag nur Excel-Tabellen bearbeitet ...“ Die Vorderwand des Zelts lässt sich hochziehen; aus dem Waldhang dahinter pfeifen die Vögel. Idyllischer als die immer gleiche Stadtwohnung ist Kramers Arrangement auf jeden Fall; ein bisschen Urlaubsflair ist einkalkuliert. Mieten kann man tageweise; schlafen muss man dann wieder zuhause – aber vor der Rückfahrt kann, wer will, seinen womöglich büro-verspannten Rücken auch noch vor Ort massieren lassen. Ein Tipi, das Kramer letztes Jahr noch für Pilgergruppen auf dem oberbayerischen Jakobsweg vorgesehen hat, ist mittlerweile entsprechend umgerüstet. Ein geschulter Masseur steht bereit.
Ob er die „Camp-Offices“ nächstes Jahr fortführt, muss Kramer erst sehen – immerhin ist die Idee so neu und so wenig bekannt, dass sich erst zeigen muss, wie sie ankommt. Aber er macht sich schon mal Gedanken darüber, die Pavillonzelte voll zu möblieren und sie dann übers Wochenende an Familien zu vermieten.
Weil er die Zukunft des Campings sowieso nicht mehr in vollgestellten Wiesen sieht und schon gar nicht im Gedränge an den Sanitäreinheiten, denkt Michael Kramer schon über kleine Holzhäuschen für Familien nach, mit jeweils eigenem Bad, mit Sauna womöglich und Whirlpool.