Leitartikel RHEINPFALZ Plus Artikel Was soll das? Kartoffelbrei gegen Kunst

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Der Bildersturm der Klimaaktivisten von der Letzten Generation ist eitel, untauglich und gefährlich. Außer Aufmerksamkeit für die Akteure bringt er niemandem etwas. Im Gegenteil, er schadet der Sache.

Nur zur Erinnerung. 1933 richtete Reichspropagandaminister Joseph Goebbels eine „Zentralstelle für geistigen Aktivismus“ ein, dazu gedacht, die Gesellschaft mit Nazizeug „zu bestandpunkten“. Wenn man so will, reklamieren die Aktivisten der Letzten Generation jetzt ein ähnliches Amt für sich. Inoffiziell natürlich und ideologisch unvergleichbar, um nicht falsch verstanden zu werden. Denn inhaltlich ist das Ziel der jungen Leute, die Klimakatastrophe zu verhindern – sofort –, anders als der menschenvernichtende Überbau der Nazis, von weltumarmender Humanität und Notwendigkeit. Der Gestus aber, mit dem die Gruppe dazu übergegangen ist, dafür Kunstwerke wie Claude Monets „Les Meules“ (Der Getreideschober) im Potsdamer Museum Barberini mit Kartoffelbrei zu bewerfen, hat als Urgrund die gleiche ungute, sich selbstermächtigende Denkbewegung: von oben herab nämlich und beseelt von der Überzeugung einer alleinigen Heilsbringerschaft.

In fiebrigen Auftritten wie dem eines der Kartoffelbreiwerfer am Mittwochabend bei Opdenhövel & Zervakis im Fernsehen, wird dabei das eigene Besserwissen und die apokalyptisch begründete Dringlichkeit gebotener Maßnahmen beschworen. Und die demokratischen Verfahren und Diskurse werden als träge und untauglich verlacht. Zum Schaden der Sache. Denn 80 Prozent der Bevölkerung teilen die Auffassung, dass gegen die akute Klimakrise etwas getan werden muss. Von dieser überwältigenden Mehrheit der Wohlmeinenden aber haben sich die Aktivisten mit ihren jüngsten Aktionen so gut wie entkoppelt. Und auch die Grüne Kulturstaatsministerin Claudia Roth hat sehr deutlich zu erkennen gegeben, dass sie nichts davon hält. Was soll das? Der symbolische Bildersturm im Museum bringt außer Aufmerksamkeit für die Akteure niemandem etwas.

Es fehlt auch – anders als bei den Blockaden des klimaschädlichen Straßenverkehrs – jeder innere Zusammenhang. Oder um es mit dem Philosophen Theodor Adorno zu sagen: „Eine so gravierende Verwechslung von Symbol und Wirklichkeit erfüllt im klinischen Bereich den Tatbestand der Wahnvorstellung.“ Schlimmer noch, das Argument der Letzten Generation, dass die Straßen-Aktionen ja schließlich keine unmittelbaren Folgen gehabt hätten, zeigt lediglich die Gefahren der Proteststrategie.

Was also weiter, wenn die Regierenden und wir auch auf diese nächste Eskalationsstufe hin nicht – wie gefordert – sofort „ins Handeln“ kommen? Zumal sich dessen Wie nicht von allein definiert. Kommen dann die nicht Glas-geschützten Werke dran, sonstiges kulturelles Erbe, das von der selbsternannten Avantgarde des Klimaschutzes zur bloßen Herrschaftsingredienz verkleinert wird. Folgt auf den Kartoffelbrei die Säure, die Spitzhacke, auf die Attacke gegen Sachen – ja, was? Kurzum, die Aktivisten bespielen die Aufmerksamkeitsökonomie mit Angst. Aber außer schöner, eitler, an die eigene mediale Blase adressierter Bilder von sich zu produzieren, haben sie mit dem gefährlichen Spiel nichts, böse betrachtet allerdings alles erreicht. Wie wahr, gegenwärtig, gut und schön es dagegen ist, von sich abzusehen. So wie die beiden Entertainer Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf, die jetzt zur besten Sendezeit ihre beiden Instagram-Accounts mit zwei Millionen Followern an zwei iranische Frauenrechts- und Bürgerschaftsaktivistinnen verschenkt haben. Aus Solidarität. Um hiesige Reichweite zu erzielen. Und für immer. Alles, was ihnen zum Posten einfalle, meinten sie, sei im Vergleich zu den Protesten in Iran nicht viel wert. Nur zur Erinnerung: Eine historische Aktion.

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