Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Der neue Merz

Friedrich Merz hat an seinem Profil gearbeitet. Er ist offener und er ist näher an der Seele der Partei.
Friedrich Merz hat an seinem Profil gearbeitet. Er ist offener und er ist näher an der Seele der Partei.

Endlich am Ziel, und das mit fast 95 Prozent: Friedrich Merz beeindruckt die CDU. Die Union demonstriert Geschlossenheit. Doch wer wird Oppositionsführer?

Das muss man der CDU bescheinigen: Sie leckt öffentlich keine Wunden. Sie hält kein Scherbengericht. Sie richtet sich ein in der ungewohnten Rolle der Opposition. Armin Laschet und Paul Ziemiak haben gute Übergangsarbeit geleistet. Und Friedrich Merz hat endlich mal wieder eine überzeugende Parteitagsrede gehalten. Die Mitgliederbefragung zu seinen Gunsten hat ihm Sicherheit gegeben. Die Wochen seither und bis zum Parteitag hat er genutzt, um an seinem Profil zu arbeiten, sich zu korrigieren.

Das Ergebnis der Bundestagswahl ließ ihm kaum eine andere Wahl. Die CDU hat nicht wegen der AfD verloren. Sie hat die meisten Stimmen in der Mitte abgegeben: an die FDP, an die SPD, sogar an die Grünen. Die Partei braucht jetzt keinen konservativen Hardliner, der vor allem mit Wirtschaftskompetenz brilliert. Sie braucht eine Führung, die Wirtschaft, Soziales, innere und äußere Sicherheit, Klimapolitik, Bildung, Digitalisierung gleich wichtig nimmt und sich klar positioniert. Sie muss Frauen und junge Menschen besser ansprechen. Friedrich Merz scheint das verstanden zu haben. Seine neue Führungsmannschaft setzt jedenfalls Signale in dieser Richtung. Die sichtbare Rührung, mit der er das gute Wahlergebnis annahm, rückte ihn endlich auch der Seele der Partei näher.

Jetzt kommen die Mühen der Ebene

In der Opposition kann die CDU leichter zu neuer Kraft und zu klarem Profil finden. Und der stolpernde Start der Ampel-Regierung ermöglicht es der Union, schneller in die Rolle der die Regierung kontrollierenden Opposition zu finden. Merz hat gestern schon erste Treffer gegen Kanzler Scholz und Co gelandet.

Aber wie für die neue Regierung kommen jetzt auch für Merz die Mühen der Ebene. Er muss Fraktionschef von CDU/CSU im Bundestag werden. Partei- und Fraktionsführung gehören in eine Hand, will Merz genügend Aufmerksamkeit finden. Der Kanzler braucht einen mächtigen Oppositionsführer als Widerpart. Doch Ralph Brinkhaus wird den Fraktionsvorsitz so wenig freiwillig räumen, wie es Merz 1995 für Angela Merkel getan hat. Bleibt diese Personalie lange umstritten, droht Merz’ guter Start zum Rohrkrepierer zu werden.

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