Zweibrücken Zwischen Bücherregalen groß geworden

Martina Berscheid
Martina Berscheid

Bereits in jungen Jahren zeichnete sich ab, dass Martina Berscheid schreiben kann. Doch erst 2018 erschien ihr erster Roman, mit dem sie nun auf Lesetour ist.

Sie kannte nichts anderes als Wohnen zwischen deckenhohen Bücherregalen voller Schmöker, aus Platzmangel in Dreierreihen, und mit Eltern, die sie als Vielleser bezeichnet. Lachend erzählt sie von einer Begegnung mit ehemaligen Schulkameradinnen, die zu einer Lesung kamen und bekundeten, eigentlich nichts anderes von ihr erwartet zu haben. Der Titel ihres ersten Romans „Das Echo unseres Schweigens“ lässt erahnen: Es geht um Komplikationen. „Sie würden ja reden, irgendwann. An einem anderen Ort“, lautet eine – gekürzt wiedergegebene – Textzeile. Damit schwant dem Leser bereits ab Seite zwölf Beziehungsschlamassel, lange bevor davon zu lesen ist. Es ist dieser Konjunktiv des Zitats, den die Autorin durch sämtliche Seiten jongliert, den sie wie einen Schwebezustand über jener Wohngegend verharren lässt, wo in zwei benachbarten Anwesen neue Besitzer einziehen. Das eine ein baufälliges Bauernhaus, das andere ein großzügiges Landhaus. Unter dem schäbigen Dach ein handwerkender Mann, unter dem gepflegten ein befremdlich wirkendes Paar. Orte, Wohnorte, Behausungen – das sind Themen, die für die Autorin eine besondere Magie besitzen. Was dort passiert, verpackt sie in lineare Strukturen, indem sie den Verlauf der Episoden in Kapitelfolgen aus wechselnder Sicht jeweils einer Person des Dreigestirns erzählt: Tom, Clara und Henrik. Eine leichtgängige Lektüre, weil es reines Erzählen ohne Erklären bedeutet. Sie versteht ihr Handwerk. Das hatte die mittlerweile preisgekrönte Erzählerin mehrfach unter Beweis gestellt. Der Rabenwald-Verlag nahm erstmals einen Roman von ihr ins Programm. 1973 in Kaiserslautern geboren, studierte sie erst Biologie, dann folgte Ende der 1990er eine journalistische Ausbildung in Frankfurt, die zu Tätigkeiten wie PR-Referentin oder Volkshochschuldozentin führte. Danach startete Berscheid einen Alltagshilfsdienst, ohne je das Schreiben aufzugeben. Sie besuchte Schreibwerkstätten und schloss sich einer Autorengruppe namens „Mitternachtsschreiber“ an. Ihr Zuhause mit Familie und zwei Hunden ist heute das Saarland. Lesung Morgen, Mittwoch, 18 Uhr, Homburg-Erbach, Diandra-Circle, Ludwigstraße 75.

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