Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Zweibrücker Trainer Schumann und Homburgs Coach Ecker sind Pauker aus Leidenschaft

Ein Hauch Bundesliga-Luft weht am Sonntag durch die Westpfalzhalle, wenn der Ex-Melsunger Yves Kunkel (links, hier gegen Nettels
Ein Hauch Bundesliga-Luft weht am Sonntag durch die Westpfalzhalle, wenn der Ex-Melsunger Yves Kunkel (links, hier gegen Nettelstedts Torwart Aljosa Rezar) mit seinem neuen Klub TV Homburg in der Oberliga bei der VTZ Saarpfalz antritt.

Ihr Beruf ist es, junge Menschen zu fördern, ihnen etwas beizubringen. Dem Thema Wissensvermittlung haben sich Kai Schumann und Steffen Ecker auch in ihrer Freizeit verschrieben. Die beiden, im Hauptberuf Lehrer, sind auch Handballtrainer. Am Sonntag treffen ihre Teams, die VTZ Saarpfalz und Titelaspirant TV Homburg, aufeinander. In einem Oberliga-Derby unter sehr unterschiedlichen Voraussetzungen.

Kann man einem Bundesliga-Spieler als Trainer noch was beibringen? Steffen Ecker schmunzelt bei der Frage. Zehn Jahre hat sein Neuzugang Yves Kunkel in der höchsten deutschen Spielklasse gespielt, drei Länderspiele bestritten. Linksaußen war in der Bundesliga seine Position, in Homburg spielt er im Rückraum. Da lässt sich also positionsbedingt sicher das ein oder andere noch lernen oder wieder lernen. Was Kunkel kann, können Handball-Fans am Sonntag ab 17 Uhr in der Westpfalzhalle begutachten, wenn die Homburger bei der VTZ Saarpfalz zu Gast sind.

Homburg strebt in die Dritte Liga

„Das sind ja enorme Unterschiede zwischen Ober- und Bundesliga“, sagt Ecker. In der Bundesliga „wird einfach vorausgesetzt, dass die Spieler fit sind, dass die Grundlagen stimmen, was Athletik, Schnelligkeit und all das anbelangt. Wer in der Oberliga spielt, muss sich das in der Vorbereitung immer wieder erarbeiten“, skizziert der 45-Jährige Unterschiede. Bundesliga-Spieler trainieren zweimal täglich. „Dann geht es um Taktik, um Abläufe, die perfekt aufeinander abgestimmt werden“, sagt Ecker. Das sei bei Oberligisten, bei denen die Spieler noch einem Beruf oder einem Studium nachgehen, gar nicht leistbar. „Wir trainieren abends“, verdeutlicht er.

Ecker und sein Pendant Kai Schumann, der gemeinsam mit Philip Wiese die VTZ trainiert, sind gleich alt – und beide von Beruf Lehrer. Der VTZ-Coach unterrichtet an der Kaufmännischen Berufsschule in Neunkirchen. Ecker arbeitet als Lehrer für den Hausunterricht an saarländischen Kliniken, im Schwerpunkt an der Uni-Klinik in Homburg. Damit Kinder, die teilweise monatelang in der Klinik bleiben müssen, den schulischen Anschluss nicht verlieren.

Ecker hat jetzt einen ganz kurzen Anfahrtsweg

Ihre Freizeit nutzen beide auch, um Handballspielern etwas beizubringen. Aktuell unter sehr unterschiedlichen Voraussetzungen. Die VTZ hat sich zum Ziel gesetzt, so früh wie möglich nichts mehr mit dem Thema Abstiegskampf zu tun zu haben, der TVH möchte Meister werden und in die Dritte Liga aufsteigen. In der Dritten Liga hat Ecker schon als Trainer gearbeitet, beim TuS Dansenberg. Zwei weitere Homburger Neuzugänge – Torwart Henning Huber und der Linkshänder Nuno Rebelo – spielten in Dansenberg, als Ecker dort Trainer war. „Klar, ich persönlich möchte wieder einen Drittligisten trainieren“, sagt Ecker zu eigenen Ambitionen.

Der TV Homburg bietet ihm sehr gute Voraussetzungen. Er lebt in Bexbach, und seit der D-Jugend „habe ich es nie mehr so nah ins Training gehabt“, bestätigt er. Als C-Jugendlicher war er nach Saarlouis gewechselt, seither hat er als Spieler und Trainer viel Zeit im Auto verbracht. Als TVH-Trainer spart er Zeit und kann mit Marvin Mebus und Jovan Talevski eine Fahrgemeinschaft bilden. Die Favoritenrolle in diesem Derby, „haben wir natürlich und wir nehmen die an“, sagt Ecker.

Schumann: Wir haben nichts zu verlieren

„Natürlich sind die Homburger haushoher Favorit“, bestätigt Kai Schumann. Das bedeute aber auch, dass seine Mannschaft nichts zu verlieren habe. Nach dem Titelkandidaten Budenheim nun der Titelanwärter Homburg, „das bedeutet für uns die Gelegenheit, uns weiter einzuspielen“, findet Schumann. Dritte Liga ist bei der VTZ kein Thema. Und ehemalige Bundesliga-Spieler muss Schumann auch nicht im Team integrieren. Der Trainer Schumann muss im Training teilweise ganz andere Schwerpunkte setzen als sein Kollege in Homburg. Für Schumann und sein Duopartner Wiese geht es zum Beispiel darum, Spieler, die aus der Pfalzliga kamen, an das Oberliga-Niveau heranzuführen.

Und es gilt am Sonntag Lösungen zu finden, um den Angriff der Homburger zu stoppen. 42 Treffer erzielten die im Auftaktspiel. Trefferquote: 84 Prozent. „Das war schon sehr stark“, freut sich Ecker. Die Lehren, die Schumann daraus zieht und seinen Spielern mit auf den Weg gibt: „Wir dürfen die Homburger nicht in ihr Tempospiel kommen lassen.“ Ex-VTZ-Spieler Richard Wilga, der zum Auftakt achtmal traf, war auf der linken Außenbahn vor allem über Gegenstöße erfolgreich.

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