Handball
Zweibrücker SV 64-Frauen brauchen jetzt mal einen „dreckigen Sieg“
„Natürlich, in so einer Situation hinterfragt man alles. Ich hinterfrage auch mich und meine Arbeit ständig“, sagt Rüdiger Lydorf, Trainer der Oberliga-Handballerinnen des SV 64 Zweibrücken. Neun Partien haben die Zweibrückerinnen bestritten. Bei nur einem Sieg mussten sie acht Niederlagen hinnehmen. Am Samstag (20 Uhr) erwartet das Schlusslicht die SG Ottersheim/Bellheim/Kuhardt/Zeiskam in der Westpfalzhalle.
Im achten Jahr trainiert Lydorf die Zweibrückerinnen, „und ja, bis dato ist es die zweitschwierigste Saison“, gesteht er. Was in dieser Runde erschwerend hinzukommt: „Es ist die beste RPS-Oberliga seit Jahren“, sagt Lydorf und verweist auf die beiden Drittliga-Absteiger aus Marpingen und Hunsrück sowie das neuformierte Top-Team aus Friesenheim/Ketsch. Ähnlich schwierig war bisher nur seine zweite Runde als SV-Coach gewesen, als sich die damalige Spielmacherin Lucy Krein zu Saisonbeginn das Kreuzband riss. Im Abstiegskampf bestand das Team. Die Zuversicht, dass das aktuelle Team auch bestehen wird, „ist natürlich vorhanden. Wir kriegen das hin“, unterstreicht Lydorf. Ein Beleg für ihn: Trotz der Niederlagenserie ist die Stimmung im Training gut.
Lydorfs Wunsch: Alle Spielerinnen erwischen gleichzeitig einen guten Tag
Zuletzt setzte es eine herbe Niederlage in Budenheim. „Die können wir einordnen. Was wir da an Chancen haben liegen lassen, reicht, um zwei Spiele zu gewinnen“, weiß Lydorf. Lieber verliere man aber einmal ordentlich, „als ständig knapp und mit Komplimenten für ein gutes Spiel bedacht zu werden“, bekennt er. „Ein dreckiger Sieg“, wie Sportler Erfolge nennen, die in letzter Sekunde oder mit viel Glück erreicht werden, könnte jetzt helfen. Komplimente bekam die Mannschaft mehrfach. „Punkte wären uns lieber“, sagt Lydorf.
Wie akribisch die Situation beleuchtet wird, zeigt das Videostudium, das betrieben wird. Weil viele bisherige Gegner in unveränderter Formation spielen, schaut Lydorf zum Vergleich auch immer mal Videos aus den vergangenen Spielzeiten. Die Mut machende Erkenntnis: „Die Spielanlage bei uns ist deutlich besser geworden.“ Dass nichts Zählbares herauskam, habe unterm Strich daran gelegen, „dass wir es bisher so gut wie nie, wahrscheinlich noch nie geschafft haben, dass alle Spielerinnen mal ihren guten oder normalen Tag haben. Und die Tore, es sind ja mit Ausnahme von Budenheim nie viele, die fehlen uns“, sagt Lydorf.
Derzeit fehlt eine Unterschiedsspielerin
Mit Erfahrung könne die junge Mannschaft das noch nicht ausgleichen. „Was uns fehlt, ist eine einzige weitere Unterschiedsspielerin“, sagt der Physiotherapeut. Eine, die die Entscheidung sucht. „Und die die richtige Entscheidung trifft“, ergänzt er lachend. Die SG hat eine solche Spielerin mit Christina Völker. Sie bringt viel Erfahrung aus Liga Drei mit.
Der SV 64 hatte diese Spielerinnen auch. Lucy Krein, die zuletzt den Unterschied bei der Niederlage in Haßloch zu Gunsten der TSG ausmachte. Katharina Koch oder in der vergangenen Saison noch Lucy Dzialoszynski. „Man muss aber klar sehen, dass es Dinge gibt, die man sich wünschen kann. Aber die Dinge, die man sich wünscht, sind nicht unbedingt die Dinge, die man ändern kann “, betont Lydorf. Nicht ändern kann er, dass das Verletzungspech auch die SV-Frauen trifft. Hanna Müller, Lucy Hilz und Katrin Hoffmann sind angeschlagen, Einsatz fraglich. „Verletzungen verbessern natürlich auch nicht die Trainingssituation“, bedauert Lydorf.
Strafzeiten unbedingt minimieren
Ändern, genauer gesagt arbeiten kann er mit der Mannschaft an verschiedenen Stellschrauben. Die Strafzeiten sind so ein Thema. „Wir spielen noch viel zu oft in Unterzahl“, resümiert Lydorf. Es helfe leider nicht, wenn die Schiedsrichter nicht immer mit gleichem Maß gemessen hätten. „Es ist wohl so. Wenn du unten stehst, fallen Fifty-fifty-Entscheidungen fast nie zu deinen Gunsten aus“, glaubt er. Ändern müsse sein Team, dass es gar nicht erst in die Lage kommt, ein Foul zu begehen, dass eine Strafzeit zur Folge haben kann. Die Abstimmung zu verbessern, wäre ein Punkt. Dazu brauche es Erfahrung. „Die sammeln wir gerade, und das wird sich auch auszahlen“, ist Lydorf überzeugt.