Handball
Zweibrücker Spielmacher Soos und sein vom Sport bestimmter Lebenslauf
Die HSG Glan-Nahe ist am Samstag in der Westpfalzhalle bei den Oberliga-Handballern des SV 64 Zweibrücken zu Gast (Anwurf: 18 Uhr). „Es wäre schön, wenn wir unsere Serie ausbauen könnten“, sagt Spielmacher Adam Soos. Dass er in dieser Saison gegen Glan-Nahe oder Eckbachtal spielen würde, war nicht geplant. Plan war, mit dem SV 64 in der Dritten Liga zu spielen. „Man hat schon gesehen, dass der Abstiegsrundenmodus ungerecht und Zweibrücken ein Leidtragender war“, resümiert er. Oberliga, auch für Soos. Aber für ihn steht fest: „Wir wollen natürlich vorne mitspielen.“ Und das Stadt-Derby mit der tollen Stimmung, „das war schon super“, sagt er.
In Ungarn geboren, in Singen aufgewachsen, „wurde mir der Handball in die Wiege gelegt“, bestätigt der 25-Jährige. Papa Gabor spielte in Ungarn beim Top-Club Veszprem. Als Fünfjähriger kam Soos nach Deutschland. Papas Handball war der Auslöser. „In der Bodenseeregion aufwachsen und leben zu dürfen, war wunderschön“, sagt Soos, der aktuell in Pforzheim wohnt. Von der TGS Pforzheim wechselte Soos zum SV 64. Singen sei aber immer noch seine Heimatbasis.
Früh Kontakt zu Zweibrücker
In Singen begann er mit dem Handball, wechselte später zur HSG Konstanz. Mit Papa Gabor als Trainer. Der trainiert aktuell das Konstanzer A-Jugend-Bundesligateam, in dem Soos’ Bruder David ein Leistungsträger ist.
Dass der 1,87 Meter große Adam Talent, Ehrgeiz und Trainingsfleiß mitbrachte, fiel auf. Er spielte in der Südbaden-Auswahl, fiel dem DHB auf. Er lernte bei einem DHB-Lehrgang den Zweibrücker Nils Wöschler kennen. Zu einem Länderspiel kam er in Jugendzeiten nicht. „Der Wechsel der Staatsbürgerschaft klappte nicht rechtzeitig“, erinnert er sich. Soos wechselte im zweiten B-Jugend-Jahr ins Handball-Internat der Rhein-Neckar Löwen, spielte mit den A-Junioren in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft und schnupperte früh Drittliga-Luft. Dieses Talent verpflichtete der HBW Balingen-Weilstetten. Soos begann ein BWL-Studium in Sigmaringen.
Fast bei der Polizei
„Als ich da war, waren die Mannschaften sehr, sehr gut besetzt“, sagt er zum Grund, weshalb er sich in den Bundesligateams nicht konstant durchsetzen konnte. Er suchte neue berufliche Perspektiven und bewarb sich bei der Polizei. „Ich wurde auch genommen“, erzählt er. Dass aus ihm kein Polizist wurde, daran ist der Handball nicht unschuldig. Er war zur TGS Pforzheim gewechselt und hätte die Polizeiausbildung in Biberach absolvieren sollen. „Das funktionierte nicht mit Handball in Pforzheim“, erzählt der Rückraumspieler. In Pforzheim wurde ihm ein Ausbildungsplatz zum Industriekaufmann angeboten. Er nahm das Angebot an, „und die Entscheidung habe ich nicht bereut“, sagt er. Freundin Karina, die er in Kronau kennenlernte, hat sich längst an das Leben mit einem Handballer, der viel Zeit in Hallen und auf der Straße verbringt, gewöhnt.
In Zweibrücken fühlt Soos sich menschlich sehr wohl. Sportlich, „müssen wir noch ein bisschen an der Abstimmung arbeiten“, bilanziert er. Die heutigen Teamkollegen Tom Grieser und Niklas Bayer kannte er als Gegner. „Es macht definitiv mehr Spaß, mit dieser Abwehr zu spielen, als gegen diese Abwehr“, sagt Soos schmunzelnd. Er selbst habe in der Abwehr noch ein bisschen Luft nach oben. Im Angriff ist er der Ballverteiler, der Stratege, der gut mit dem Kreis zusammenspielen kann. Zudem verfügt er über einen guten Schlagwurf. Sprungwurf, weiß er, „ist nicht unbedingt meine Stärke“.
Eine Option im Erfolgsfall
Glan-Nahe, „ist ein Aufsteiger, aber auch die einzige Mannschaft, die dem TV Homburg bisher einen Punkt abgenommen hat“, sagt SV-Trainer Stefan Bullacher zum Wochenendspiel. Sollte sein Team der Favoritenrolle gerecht werden und den siebten Sieg feiern dürfen, hat Soos die Option, in Zweibrücken zu übernachten und erst sonntags auf die B 10 und die A 8 zurückkehren zu müssen.