Schwimmen
Zweibrücker Raje und Fritzke treten bei Junioren-EM in Litauen an
Wenn diese Woche in der litauischen Hauptstadt Vilnius die Junioren-Europameisterschaften (JEM) steigen, ziehen wie im Vorjahr erneut zwei Schwimmer der Wassersportfreunde Zweibrücken die Badekappe mit dem Bundesadler an: Michael Raje und Lukas Fritzke. Die beiden gehören zum 40-köpfigen Kader, den Nachwuchsbundestrainer Carsten Gooßes für die JEM nominiert hat.
Am Samstag haben sich die beiden Schwimmer mit einem Teil des deutschen Trosses in Frankfurt ins Flugzeug gesetzt und sich auf den rund 1700 Kilometer langen Weg in den südlichsten der drei Baltikumstaaten Estland, Lettland und Litauen gemacht. Darüber, dass das nicht so weit weg ist vom Krisenherd Ukraine, macht sich der Mittelbacher Michael Raje nicht zu viele Gedanken. „Das wird schon alles klappen, ich bin da ganz entspannt“, sagt der 18-Jährige.
Harter Trainingslehrgang in Heidelberg
Vergangene Woche hatte er im Hinblick auf dem JEM mit seinem Heimtrainer Thomas Schappe mit dem „tapern“ begonnen. So heißt das, wenn die Schwimmer in der Vorbereitung auf einen Wettkampf im Training die Belastung reduzieren, um auf den Punkt topfit zu sein. Die Intensität bleibt fast gleich, die Kilometer werden aber heruntergefahren.
Michael Raje steckte noch ein harter Vorbereitungslehrgang des deutschen Verbandes vom 7. bis 16. Juni in Heidelberg in den Knochen. „Normalerweise schwimme ich 25 Kilometer in sechs Tagen, dort waren es 80 Kilometer in neun Tagen“, verdeutlicht der Schüler der zwölften Klasse des Helmholtz-Gymnasiums (Leistungskurse: Englisch, Chemie, Erdkunde), für den im kommenden Schuljahr das Abitur ansteht.
Fritzke will diesmal vor allem gesund bleiben
In Vilnius hat Raje zum JEM-Start gleich am Dienstag seinen ersten Einsatz in der Staffel der Männer über 4x100 Meter Freistil, aber geplant erst abends im Finale. Am Mittwoch soll er in der Mixed-Staffel über 4x100 Meter antreten, dann stehen noch 50 und 100 Meter Kraul sowie 100 Meter Delfin auf dem Programm. Bei seinem dritten internationalen Start nach dem European Youth Olympic Festival (EYOF) 2022 und der JEM im Vorjahr will er auf ein, zwei Strecken auf jeden Fall ins Finale. „Es muss am Ende gar nicht was zum Umhängen um den Hals dabei rauskommen, aber ich bin 2023 in Belgrad zu oft in den Vorläufen rausgeflogen“, sagt er. „Wettkampf-Feeling“ hat er sich am Wochenende noch mal bei einem Meeting in einem Stuttgarter Freibad geholt.
Sein Kollege im Team der SSG Saar Max Ritter, Lukas Fritzke, hat vor allem einen Wunsch: über die Woche der JEM bitte gesund bleiben. 2023 in Belgrad hatte ihn nämlich eine stramme Erkältung mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen erwischt. Da war nach zwei Einsätzen an weiteres Schwimmen nicht mehr zu denken. „Ich versuche jetzt im Vorfeld noch mehr auf mich und Kleinigkeiten zu achten, wie zum Beispiel sehr oft die Hände zu waschen“, sagt der 17-Jährige. Gerade hat der Schüler der zwölften Klasse des Saarbrücker Rotenbühl-Gymnasiums (Leistungsfächer: Sport und Englisch) mit seiner letzten Kursarbeit in Religion („Die musste ich wegen Heidelberg noch nachschreiben“) sein zwölftes Schuljahr abgeschlossen. Auch er macht im kommenden Jahr sein Abitur.
Extra morgens Belastungseinheiten gesetzt
Er hatte nach Heidelberg sogar 100 Trainingskilometer auf dem internen Tachometer. „Vielleicht hab’ ich das ein bisschen besser weggesteckt als Michael, weil ich ja früher von der Langstrecke kam“, mutmaßt der Schützling von Saar-Landestrainer Jan Wolfgarten schmunzelnd, der an der Saarbrücker Hermann-Neuberger-Sportschule lebt und trainiert.
Fritzke soll am Dienstag im Vorlauf über 200 Meter Kraul auf dem Startblock stehen – und am besten im Halbfinale. „Da will ich tags darauf definitiv ins Finale, das hab’ ich 2023 nur knapp verpasst“, sagt er. 1:50,77 Minute stand damals zu Buche, nur 15 Hundertstel fehlten ihm. Diesmal peilt er dazu eine „1:49,tief“ an, seine Bestmarke liegt derzeit bei 1:49,8 Minute. Am Mittwoch stehen die 200 Meter Freistil an. Am Donnerstag und Freitag hat er frei, am Wochenende soll er dann noch 200 Meter Kraul und in der Kraulstaffel der Männer über 4x200 Meter schwimmen.
Auf die morgendlichen Vorläufe hat sich das deutsche Team laut Fritzke extra vorbereitet. „Beim Lehrgang in Heidelberg hat unsere Mittelstreckengruppe morgens die Belastung gesetzt und nachmittags etwas lockerer gemacht“, berichtet er. Und hofft, dass das in Vilnius auch Früchte trägt.