Zweibrücken
Zweibrücker Christoph Legner zeigt Collagen
Er hat den Blick für das Besondere. Davon zeugen unzählige Zeichnungen von Christoph Legner. In der Kunst findet der 94-jährige Zweibrücker seinen Lebensmut. Er hat Parkinson, sitzt im Rollstuhl, spricht leise und sieht nicht mehr so gut. Aber wenn er Schere und Stift zur Hand nimmt, ist all das vergessen: Wunderbare Collagen entstehen. Ab 3. November stellt er sie aus.
Die Ausstellung war die Idee von Christoph Legners Sohn Dominik. Er ist Oberarzt am Nardini-Klinikum und schlug es der Oberin vor. Sie war einverstanden, und so kommt es nun zur neuen Einzelausstellung von Christoph Legner. Es ist erst die dritte Ausstellung in Zweibrücken. Die erste war in den 80er Jahren in der AOK, die letzte 2005 zu seinem 80. Geburtstag im Stadtmuseum und zeigte den Zeichner Legner.
Das Zeichnen war dem am 27. August 1925 in Pirmasens geborenen Kunstfreund (1961 war er Facharzt in Zweibrücken und auch in dem Krankenhaus tätig, wo er jetzt ausstellt) immer am wichtigsten, hat er doch parallel zum Medizinstudium an der Akademie in München gelernt und sein Talent später als anatomischer Zeichner auch beruflich eingesetzt. Doch die Zeichenzeit ist für den früheren Vorsitzenden des Zweibrücker Kunstvereins (1991 bis 1995) nun vorbei. Die Gesundheit ist schuld.
„Vater, mach’ was draus!“
„Das Feinzeichnen, was er so gerne gemacht hat, geht nicht mehr mit den Händen“, sagte Gisela Legner, seit 1956 seine Ehefrau. Etwas Neues musste er. Anfangs waren es Aquarelle, nun Collagen, die er weiterbearbeitet, Mischtechniken also. Tochter Susanne brachte ihm bunte Papierbögen aus einer Papierfabrik am Tegernsee mit und forderte ihn auf: „Vater, mach’ was draus!“ Und sie zeigte ihm ein Foto des Malers Henri Matisse, der im Alter Collagen anfertigte. Das macht Christoph Legner nun auch. Sobald er die Schere hält, wird die Hand ruhiger. Er schneidet farbige Flächen aus. Mit Papierkleber fügt er die Teile zusammen. Bis zu sieben Schichten klebt er übereinander. Nebeneinander. Ineinander. Doch das sieht man nur, wenn man ganz nah rangeht.
Akzente setzen mit dem Stift
Dann kommt der Clou. Er nimmt einen Stift, der ein bisschen dicker ist und weich malt und bearbeitet die Collagen. Er malt Muster auf, akzentuiert die Umrisse und die Flächen. Muster entstehen, Linien, die zum Fenster werden, Bögen, die Blütenblätter charakterisieren. So bekommen die Papierarbeiten zusätzliche Leuchtkraft und eine vorher ungeahnte Dateifülle. Denn Details werden sichtbar gemacht.
Plastische Stillleben
Wer es nicht weiß, käme nicht auf die Idee, dass die ungewöhnlichen, so plastischen Blumen- und Küchenstillleben, die Straßenszenen und das Selbstporträt von einem Über-90-Jährigen stammen, der dazu noch gesundheitliche Probleme hat. Mehr als 40 solcher Collagen, Reliefs oder Mischtechniken hat er in den vergangenen beiden Jahren gestaltet. Sie sind ein bisschen größer als Din A4.
Da er sein Haus in der Zweibrücker Innenstadt nur selten verlässt, malt er das, was da ist: die Blumen im Garten, Obst- und Gemüse-Stillleben, Fische aus der Küche und immer wieder Szenen aus Zweibrücken, seiner Stadt, die er im Kopf hat. Die meisten Arbeiten entstehen morgens – Christoph Legner und seine Frau sind Morgenmenschen. Die Beschäftigung mit der Kunst macht ihm Spaß, das sieht man sofort. Wenn er davon erzählt, leuchten seine Augen.
Ausstellung
- Christoph Legner: „Mit Pinsel und Schere“, Collagen 2018/2019, Zweibrücken, Nardini Klinikum, Bistro, Kaiserstraße 14, bis 30. November. Sonntag 14-18 Uhr, Montag bis Freitag 7.30-17 Uhr, Samstag 10-14 Uhr.
- Vernissage: Sonntag, 3. November, 10 Uhr, im Beisein des Künstlers. Die Einführung hält Jürgen Ecker, der Vorsitzende des Zweibrücker Kunstvereins. Walther Theisohn (Oboe) und Margaret Andres (Harfe) spielen kurze Musikstücke.