Zweibrücken
Zweibrückens wandelbarster Fußballer: Trikot, Korsage oder Kerbe-Hemd?
Das weiße Ballett – so wurde Real Madrid einst ehrfurchtsvoll bezeichnet. Ob über den TSC Zweibrücken ähnliches geraunt wurde, ist uns nicht bekannt. Dabei spielt dort mit Jan Tüllner jemand, der nicht nur auf dem Rasen, sondern auch auf der Bühne flotte Beine aufweist – nämlich beim Männerballett der Zweibrücker Fasenachtsfreunde.
Jan Tüllner hatte am 10. August vor dem Landesliga-Lokalkampf gegen die SG VB Zweibrücken/SV Ixheim Zeit, sich die Hälfte eines anderen rheinland-pfälzischen Derbys anzusehen: das Pokalspiel des 1. FC Kaiserslautern gegen Mainz. Das ist bekanntlich sehr gut für die Roten Teufel ausgegangen – im Gegensatz zu Tüllners Derby, das der TSC mit 0:1 verlor. Der 26-Jährige spielt beim Sportclub zumeist in der Abwehr oder im defensiven Mittelfeld. Seinen Pass hat Tüllner seit 2011 am Wattweiler Berg liegen. Sich selbst beschreibt der Werkzeugmechaniker so: „Ich bin vielleicht technisch nicht der begabteste, dafür einer, der nie aufgibt.“
Durchtrainierte Beine beim Männerballett
Das Dreibuchstaben-Kürzel „TSC“ ist nicht das einzige, das in Jan Tüllners Leben eine wichtige Rolle spielt. Seine Freundin hat ihn vor mittlerweile vier Jahren auf die karnevalistische Schiene gebracht, Tüllner macht bei den Zweibrücker Fasenachtsfreunden (ZFF) mit, die sich 2010 als fünfter örtlicher Karnevalsverein gegründet haben. Der Kicker ist hier als Bühnenmeister beim närrischen Abend aktiv, den die Fasenachtsfreunde in jeder Saison veranstalten. Verantwortlich ist er unter anderem für die Requisite.
Dass Jan Tüllner durchtrainierte Beine hat, kommt ihm auf einem weiteren karnevalistischen Betätigungsfeld entgegen. Er gehört zum Männerballett der Fasenachtsfreunde und ist einer von zehn Aktiven, die bei ihren Auftritten vor allem dem Motto „locker bleiben, nicht verkrampfen“ folgen. Jeweils montags übt das Ensemble eine Stunde lang – ohne, dass der Tanz Tüllners fußballerischen Aktivitäten in die Quere kommt. „Denn beim TSC ist montags kein Training“, erzählt er.
Korsage statt Trikot
Bei den ZFF hat Tüllner eine nicht uninteressante Alternative zu Fußballtrikots kennengelernt. „Wir tanzen zum Teil in Korsagen“, verrät er. Auftritte habe man in der Aufmachung beim vereinseigenen närrischen Abend und bei der Damensitzung des Karnevalvereins Zweibrücken (KVZ). Jan Tüllner findet das Mittanzen im Männerballett witzig, auch weil es nicht jeder mache, sei es etwas besonderes.
In FZZ-Aufmachung ist der Sportclub-Kicker auch beim Zweibrücker Umzug und beim Rathaussturm zu sehen. Außerdem bei Veranstaltungen anderer Vereine sowie dem Umzug in Blieskastel. „Ich hab’ übers Jahr gut zu tun“, stellt er fest. In seinem Kalender sind nämlich auch noch die Termine der Ernstweiler Straußjugend eingetragen. Jan Tüllner mag „Gemeinschaftsdinger“ – sowohl im Fußball und Karneval als auch bei der Kerwe bekomme er genau das geboten.
Sonntag kommt Gegner mit dem längsten Namen
Dass das Kicker-Gemeinschaftsding an der Ixheimer Kerwe verloren ging, können er und seine TSC-Kollegen am dritten Landesligaspieltag (Sonntag, 15.15 Uhr) auf eigenem Platz gegen die SG Schmittweiler-Callbach/Reiffelbach-Roth wieder wettmachen. Tüllners närrischer Countdown bis zur nächsten Karnevals-Kampagne läuft ab dann noch 85 Tage. Er muss eben verschiedene Saisons im Auge behalten.