Völklingen
Zweibrücken wird zum Schatz für alle im Weltkulturerbe
Die Ausstellung „Mon Trésor. Europas Schatz im Saarland“ ist seit November in Weltkulturerbe Völklinger Hütte aufgebaut, wann man sie vor Ort sehen kann, steht noch nicht fest. Aber die Behelfsmaterialien sind so reichhaltig, dass man sich schon ein gutes Bild machen: Katalogbuch, Trailer, Online-Rundgang und ein kurzer Fernsehbericht sind da. Die sind auch als Vorbereitung gut, wenn das Museum wieder öffnet, allein schon wegen der Fülle der Objekte.
Die doppelte Stadt
Die schönste Form, in der Zweibrücken auftaucht, befindet sich auf einer im Katalog abgebildeten französischen Landkarte von 1703: „Le cours de la Sarre“ (der Verlauf der Saar): Wie ein kleiner in Schlangenlinie fließende Fluss sieht da der Schriftzug Deux Deux Ponts Ponts aus. Warum er doppelt da steht ist Rätsel und Überraschung zugleich, denn es sieht so aus, als wäre die Stadt zweigeteilt: den ersten großen roten Stadtfleck gibt es vor dem zweiten Deux, einen zweiten kleineren roten Fleck hinter dem letzten Ponts. Eine Stadt, die zwei Brücken heißt, muss wohl aus zwei Teilen bestehen, dachte sich wohl der Schöpfer des kolorierten Kupferstichs. 1791, auf der nächsten Karte (die Grafschaften Nassau-Saarbrücken und Umgebung), sind dann nur noch ein roter Fleck und Zweybrücken übrig.
Bocks Windglocken
Eine illustrierte Doppelseite aus dem Kräuterbuch (1852) von Hieronymus Bock (1498-1554), der „1522 als Lehrer und Botaniker in Zweibrücken beschäftigt“ war, informiert, was Windglocken sind und wozu ihre Blüten und Wurzeln gut sind. Aufgesammelte und aufgeklebte Scherben eines chinesischen Tellers, die 1793 vor den französischen Revolutionstruppen aus dem pfalz-zweibrückischen Schloss Karlsberg gerettet werden konnten, zeigen, dass es im Schloss von Herzog Karl II. August nicht nur eigenes Porzellan und teuere Stücke aus europäischen Manufakturen gab. Im Inventar taucht der Teller als „japanisch Porcellaine“ auf, doch „Porzellan mit japanischem Dekor stammte listigerweise meist aus China“, ist da zu lesen. Und auf der Rückseite der Scherben ist das Markenzeichen des chinesischen Kaisers Kangxi zu sehen: ein Glückspilz.
Foltz & Foltz
In Zweibrücken war besagter Scherbenteller jedenfalls noch nicht zu sehen. Ebenso wenig wie die 40 Zentimeter hohe „Friedensterrine“ von Villeroy & Boch, zwischen 1852 und 1872 entstanden. Das sechseckige Feinsteinzeug-Teil hat allerdings eher indirekt mit Zweibrücken zu tun. Entworfen hat es der Architekt und Bildhauer Ludwig Foltz (1809-1867), der jedoch war der Sohn des Zweibrücker Malers Louis (Ludwig) Voltz. Louis Voltz? Das ist eine Überraschung oder eine Entdeckung, hat doch selbst die Zweibrücker Stadtmuseumsleiterin Charlotte Glück von ihm noch nichts gehört hat. Sie vermutet, dass er wohl in Zweibrücken kein Auskommen gefunden hat und deshalb nach Bingen ging, wo er sein Sohn geboren wurde. Wikipedia weiß immerhin, dass Ludwig Foltz von 1778 bis 1848 lebte und mit Margarete Christina Kertell verheiratet war.
Slevogts Saarbrücken-Bild
Verlassen wir Zweibrücken, bleiben aber bei den Pfälzern. Zu den Fundstücken gehört ein Schreiben des Pfälzer Malers Max Slevogt an die Stadt Saarbrücken aus dem Jahr 1923. Damals hatte er sein einziges Ölbild für das Saarland gemalt: ein Passagierschiff mit dem Namen „Saarbrücken“. Das Gemälde, das Slevogt am Alt-Saarbrücker Saar-Ufer malte, wurde im Schiff selbst aufgehängt – und verschwand 1935 auf Nimmerwiedersehen, als das Schiff verkauft wurde. Übrig blieb nur der Brief Slevogts, wo er beschreibt, was er malt.
Frankreichfreundliches Kinderbuch
Das Highlight des wunderbaren Katalogbuchs aber sind die 24 Seiten eines 72-seitigen frankophilen Kinderbuchs. Es erschien 1948, als das Saarland gerade in Wirtschaftsunion mit Frankreich verbunden wurde und erzählt die Geschichte des Saarlandes vom Mittelalter bis zum Erscheinungsjahr für ältere Kinder in märchenhafter Sprache, verfasst vom saarländischen Schriftsteller Johannes Kirschweng (1900-1951) und versehen mit wunderschönen Illustrationen von Jean Morette (1911-2002).
Lesezeichen & Stream
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Ralf Beil/Frank Krämer (Herausgeber): „Mon Trésor – Europas Schätze im Saarland, Ausstellungskatalog Weltkulturerbe Völklinger Hütte, 352 Seiten, 284 farbige Abbildungen, 28,7 mal 24,8 mal vier Zentimeter, Gewicht: 2,3 Kilo, Bestellung: voelklinger-huette.de für 35 Euro (inklusive Versand) oder für 34 Euro im Buchhandel (Dr. Crantz’sche Verlagsgesellschaft).
Virtueller Ausstellungsrundgang (Film von dem Rodalber Regisseur Philipp Majer), Trailer, Fernsehbericht und weitere Aktionen zur Ausstellung, die bis 27. Juni läuft: mon-tresor.org.