Zweibrücken
Zweibrücken trauert: Natur- und Denkmalschützer Gerhard Herz stirbt mit 87
Zweibrücken trauert um Gerhard Herz. Der Mediziner und engagierte Natur- und Denkmalschützer ist am 21. März im Alter von 87 Jahren gestorben. Für seine Verdienste hatte die Stadt ihn 2022 mit der Stadtplakette in Bronze geehrt.
Herz stammte aus Kusel, wo sein Elternhaus bis heute steht. Nach dem Abitur studierte er an der Universitätsklinik Homburg Medizin und ließ sich als Facharzt für Orthopädie mit eigener Praxis am Goetheplatz nieder. Zugleich betreute er Belegbetten im Evangelischen Krankenhaus und operierte dort. Patienten schätzten seine Fachkenntnis und die Kommunikation auf Augenhöhe.
Auch nach seinem Ruhestand vor mehr als 20 Jahren assistierte er seinem Praxisnachfolger Frank Adam weiter bei Operationen, bis das Evangelische Krankenhaus schloss. Beim Personal blieb er als Gegenentwurf zum „Halbgott in Weiß“ in Erinnerung – und als „Turbo-Herz“, weil er bei der Visite im Laufschritt unterwegs war.
Auch für dan Naurschutz aktiv
Herz war nicht nur schnell, sondern auch entschlossen, wenn es um Naturschutz ging. Als die Stadt vor Jahren zahlreiche Alleebäume auf Basis eines fehlerhaften Gutachtens fällen wollte, setzte er sich maßgeblich für den Erhalt der Platanen entlang des Schwarzbachs ein – unterstützt vom damaligen Stadtgartendirektor aus Baden-Baden.
Im Naturschutzbund engagierte er sich viele Jahre, kämpfte für Kaltluftschneisen und Bäume – notfalls auch gegen Behörden. Er war Mitinitiator der Wasserbüffel-Herden zwischen Mauschbach und Dietrichingen und aktiv im Verein für Industriekultur sowie im Historischen Verein.
Seit den späten 1970er-Jahren gehörte Herz dem städtischen Beirat für Naturschutz an, dessen Arbeit er als stellvertretender Vorsitzender und Vorsitzender prägte. Der Denkmalschutz lag ihm ebenfalls am Herzen. Er besaß zwei denkmalgeschützte Häuser: sein Wohnhaus in der Realschulstraße und das frühere Praxisgebäude am Goetheplatz, das auf dem teils zerstörten Rückgebäude der ehemaligen Zweibrücker Orangerie wieder aufgebaut wurde.
Stadtverwaltung lobt Sinn für Gemeinwohl
„Über Jahrzehnte hinweg setzte er sich in herausragender Weise für das Gemeinwohl, den Umwelt- und Naturschutz sowie die Bewahrung des kulturellen Erbes unserer Stadt ein“, heißt es im Nachruf der Stadt. Auch privat war Herz kulturell interessiert: Er liebte klassische Musik, war belesener Literaturfreund und Theatergänger. Zudem galt sein Interesse dem Pfälzer Wein, den er bestens kannte.
Parteipolitisch hielt er Abstand und nahm Partei für die Natur. Halbheiten lagen ihm fern; er packte Themen ganz oder gar nicht an. „Gerhard Herz hat unsere Stadt nachhaltig geprägt. Sein Engagement wird uns ein bleibendes Vorbild sein. Wir sind ihm zu großem Dank verpflichtet und werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren“, sagt Oberbürgermeister Marold Wosnitza.
Gerhard Herz hinterlässt seine Frau Ute und seinen Sohn Daniel, der ebenfalls Mediziner ist.