Zweibrücken
Zweibrücken/Homburg: Metaller sortieren sich neu
Zwei Jahre ist es her, da haute die Gewerkschaft IG Metall so richtig aufs Stahlfass. An drei Tagen in Folge wurden drei Zweibrücker und drei Homburger Betriebe 24 Stunden bestreikt. Begleitend zu den heiß gelaufenen Tarifverhandlungen um ein Wahlrecht um Geld oder Mehrarbeit und Lohnerhöhungen, ließ die Gewerkschaft die Muskeln spielen. Ende März läuft der Gehalts-Tarifvertrag aus, über Forderungen für den neuen wird gerade intensiv nachgedacht. Zuvor wird ein neuer Ortsvorstand ins Amt kommen.
Knapp 16000 Mitglieder – 15864 genau – hatte die Verwaltungsstelle Homburg Saarpfalz am 31. Dezember. „Das sind 177 mehr als vor vier Jahren. Obwohl im selben Zeitraum die Mitgliederzahl in den Betrieben um gut 400 kleiner wurde, weil sehr viele Stellen gestrichen wurden“, sagt Ralf Reinstädtler, der erste Bevollmächtigte und damit quasi Verwaltungsstellenleiter, einerseits mit Stolz, andererseits mit Besorgnis. Die Bindungskraft der Gewerkschaft sei hoch, damit erwiesenermaßen auch ihre Schlagkraft. Aber die Entwicklung in der im Zuständigkeitsbereich vor allem vom Fahrzeugbau geprägten Branche der Metall- und Elektroindustrie kratze auch an ihr. „Seit September 2018 gibt es fast keine Neueinstellungen mehr. Seit 2016 gingen 2000 Arbeitsplätze verloren“, sagt Reinstädtler, erinnernd an die Schließungen des General-Electric-Werks in Bexbach und von Schmal-Möbel in Waldmohr, aber auch den schleichenden Arbeitsplatzabbau im Dieselwerk von Bosch. Mit jetzt weniger als 4000 Mitarbeitern dort sind es gut 700 weniger als vor vier Jahren.
Bevollmächtigte sollen wieder bestellt werden
Den Vier-Jahres-Zeitraum betrachtet Reinstädtler deshalb, weil er sich mit der Amtszeit des Ortsvorstandes deckt. Alle vier Jahre besetzten die Mitglieder das 15-köpfige Leitungsgremium neu. Im Dezember liefen die Mitgliederversammlungen zur Wahl der 98 Delegierten, die am Sonntag, 2. Februar, im Hofgut Menschenhaus in Neunkirchen die 13 Ehrenamtler und die beiden hauptamtlich tätigen Bevollmächtigten bestimmen werden. Der amtierende Ortsvorstand wird der Versammlung vorschlagen, den 53 Jahre alten Ralf Reinstädtler für weitere vier Jahre zum ersten Bevollmächtigten zu wählen und den Zweibrücker Peter Vollmar zum zweiten Bevollmächtigten. Sie leiten dann auch die derzeit mit zehn Mitarbeitern besetzte Verwaltungsstelle in der Homburger Talstraße. Reinstädtler ist in der Nachfolge von Werner Cappel seit 2016 erster Bevollmächtigter, arbeitet schon seit 1990 in Homburg; Vollmar wurde zum 1. Januar 2019 nach dem Wechsel von Ralf Cavelius nach Völklingen zum zweiten Mann bestellt. Im Ortsvorstand zeichnet sich nur ein Wechsel ab. Der langjährige Hager-Betriebsratsvorsitzende Dieter Hombrecher tritt in den Ruhestand und kandidiert nicht mehr für den Gewerkschaftsvorstand.
Technologiewechsel und Digitales verändern alles
Der neue Ortsvorstand wird rackern müssen. Schon massiv spürbar oder zumindest sichtbar werdend, verändert die Digitalisierung und der Technologiewechsel – Stichwort Elektro- statt Verbrennungsantriebe – die Arbeit, Anforderungen und zu erwerbende Fähigkeiten. „Dabei sehen wir in unserem Gebiet ganz unterschiedliche Entwicklungen. Das Thema ist bei Elektro Hager in Blieskastel ganz anders belegt als etwa bei Bosch. Von uns als Gewerkschaft werden differenzierte Antworten verlangt“, sagt Ralf Reinstädtler. Angst machen gilt für ihn dabei nicht. „Ich sehe die Chancen. Der Technologiewechsel lässt auch neue Arbeitsplätze entstehen. Die Frage ist nur: wo?“ Als Antwort hätte der Gewerkschafter, und darauf dränge man in allen Gesprächen mit den Geschäftsführungen der Unternehmen, natürlich am liebsten: in der Saar- und Westpfalz, zum Nutzen der jetzigen Mitglieder und künftiger.
Tarifrunde: Neue Instrumente der Beschäftigungssicherung
Für die Tarifverhandlungen 2020 gebe es noch keine Forderung der Gewerkschaft. Ende Februar werde man aber sicher die Positionen bestimmt haben. Es zeichne sich im Austausch mit den Mitgliedern und mit anderen Verwaltungsstellen schon ab, dass neben einer Entgeltanhebung (2018 wurden 4,3 Prozent ausgehandelt) Instrumente der Beschäftigungssicherung eine Rolle spielen werden. Die vielfach spürbare, tiefgreifende Verunsicherung legt dies nahe. Mit der Kündigung des Manteltarifvertrages wegen Neuregelungen zur Arbeitszeit hatte die Tarifrunde 2018 ein qualitatives Thema neben dem quantitativen, der Lohnforderung. Dass die bevorstehende Tarifrunde ähnlich heiß laufen wird, damit rechnet man bei der Gewerkschaft derzeit nicht. Man stelle sich aber auch neu auf, um bereit zu sein, heißt es.