Zweibrücken Zweibrücken bekommt ein Stück verlorene Kunstgeschichte zurück
Einstimmig votierte der Zweibrücker Hauptausschuss vorige Woche für die Annahme einer weiteren Sammlung von Gemälden des Zweibrücker Künstlers Wilhelm Dagobert Schulz (1899 bis 1972). Dessen Schwiegertochter, die in München lebt, bot der Stadt 41 Bilder aus dem Nachlass des Malers als Spende an. Der Geldwert der Kunstsammlung wird mit 6180 Euro angegeben. Wilhelm Dagobert Schulz, genannt „der Spitz“, hatte in der Rosenstadt als Maler und von 1930 bis 1961 als Zeichenlehrer an der Oberrealschule gewirkt, dem heutigen Helmholtz-Gymnasium. Nach Auskunft von Aline Maldener, der neuen Leiterin des Stadtmuseums, hatte Schulz’ Sohn Gunter seiner Geburtsstadt Zweibrücken bereits 2014 aus seinem privaten Besitz eine Sammlung von Bildern von W.D. Schulz geschenkt. Dabei handelte es sich seinerzeit um 697 Aquarelle und Zeichnungen mit Motiven von Zweibrücken, der Pfalz, dem Bliesgau und anderen Orten. Der Wert allein dieser Sammlung wird mit mindestens 72.000 Euro angegeben.
Längst nicht die erste Spende
Verbunden mit dieser Schenkung, so Aline Maldener, war 2014 eine Spende über 50.000 Euro, die hälftig an die Stadt und an den Förderverein des Stadtmuseums ging. Damit bedankte sich Gunter Schulz dafür, dass das Gesamtwerk seines Vaters zusammenbleiben und geschützt werden konnte. Damals habe er erklärt, dass seine persönlichen Lieblingsaquarelle seines Vaters noch in seiner Münchner Wohnung hingen. Nach seinem Tod wolle er auch diese Bilder der Stadt schenken. Maldener: „Er ist 2024 verstorben, und seine Witwe Ingrid möchte nun seinen Wunsch erfüllen, indem sie die restlichen Werke ihres Schwiegervaters mit der 2014 übergebenen Sammlung vereinigt.“ Zu den 41 Aquarellen komme noch eine Büste von W.D. Schulz aus dem Jahr 1929 hinzu. Außerdem sei bereits im Juli beim Förderverein Stadtmuseum Zweibrücken eine Geldspende über 20.000 Euro von Ingrid Schulz eingegangen.
Die 41 Gemälde, die jetzt neu ins städtische Eigentum übergehen, werden in den Bestand des Stadtmuseums aufgenommen und dort in Grafikmappen verwahrt. Vier der Bilder zeigen Motive aus Alt-Zweibrücken: Dabei handelt es sich um Darstellungen des Fasaneriebergs, des Hofgärtnerhauses, der einstigen Eremitage im Schlossgarten sowie der Alexanderskirche mit Spitalturm im Winter. Ansonsten stecken neben Ansichten des Eichelscheiderhofs bei Waldmohr und eines Saargemünder Bauernhofs vorwiegend Straßen- und Gebäudeansichten aus Süddeutschland und der Vorderpfalz in der Bildermappe.
Porzellan aus der herzoglichen Manufaktur
Es gibt aber noch eine zweite Spende: Auf 2000 Euro wird eine antike Kaffeetasse mit Untertasse taxiert, die einst in der Porzellanmanufaktur der Zweibrücker Herzöge angefertigt wurde und die das Ehepaar Aßfalg aus Renchen/Ortenaukreis nun dem Stadtmuseum überlässt.
Damit die Stadt Zweibrücken solche Geschenke überhaupt annehmen darf, war die Zustimmung des Hauptausschusses erforderlich. Dem Kulturausschuss möchte die Stadtverwaltung demnächst eine Liste der großen und kleinen Schätze vorlegen, die als private Spenden in den Depots des Stadtmuseums schlummern. Dies kündigte die Beigeordnete Christina Rauch am Mittwoch an. An die Stadträte ergehe das Angebot, bei einem Besuch vor Ort Einblick in die Depotbestände zu nehmen. Diese Sammlungen, so Patrick Lang (Grüne) im Hauptausschuss, solle man für die Bevölkerung öffnen und zugänglich machen.