Zweibrücken Zufrieden mit dem Heimspiel-Exil
ZWEIBRÜCKEN. „Die Entscheidung, nach Zweibrücken zu gehen, hat sich ausgezahlt. Die Zuschauerresonanz war bisher sehr gut. Auch diesmal war die Halle bis auf den letzten Platz besetzt“, sagt Johannes Wessela, Vorsitzender des Squash-Bundesligisten SC Güdingen, der seine Heimspiele in dieser Spielzeit im Niederauerbacher Saarsport-Vital-Center austrägt. Am Samstag kassiert der Bundesliga-Aufsteiger eine 1:3-Niederlage gegen das Team von der Squash-Insel Stuttgart (wir berichteten kurz).
Nach dem zehnten Spieltag und dem letzten Heimspiel der Vorrunde belegen die Güdinger im Neunerfeld der Bundesliga-Südstaffel mit vier Punkten (aus vier Unentschieden) den vorletzten Tabellenplatz. Vereinschef Wessela zieht nach der Hälfte der Spielzeit in Zweibrücken eine positive Zwischenbilanz. Die Güdinger sind aus ihrer angestammten Heimhalle im Saarbrücker Stadtteil in die Westpfalz umgezogen, weil der Saarländische Rundfunk darum gebeten hatte und sie sich auf diese Weise mehr Fernsehzeit erhoffen. Damit auch die Zuschauer an der Theke das Geschehen im Court verfolgen können, hatte am Samstag Gastronomie-Betreiber Heiko Doll eine Überraschung parat. „Die Zuschauer können jetzt die Spiele per Live-Stream am Fernseher verfolgen, wenn die Plätze vor dem Court besetzt sind“, ist Doll stolz auf die neueste Errungenschaft im Bistro. Am Samstag wird das beim Spiel gegen Stuttgart von einigen Zuschauern schon genutzt, denn die Sitzplätze vor dem Spielcourt sind stets voll besetzt. Unter den vielen Fans, darunter einige aus dem Saarland, sind auch mehrere Spieler der ersten und zweiten Squash-Mannschaft des SC Zweibrücken: Sie sind am Wochenende spielfrei und können sich erstmals die Bundesliga live in Zweibrücken anschauen. Martin Stahl, Spielführer der ersten SC-Mannschaft, ist begeistert vom Spiel zwischen Ashley Davis und seinem Kontrahenten Valentin Rapp, der Nummer sieben der deutschen Rangliste. „Was die beiden im Court bieten, ist Squash auf höchstem Niveau“, lobt Stahl während der über 80 Minuten dauernden Partie, die gekennzeichnet war von langen variantenreichen Ballwechseln. „Um das Spiel schnell zu machen, nimmt Davis die Bälle sehr früh im Halfcourt, gibt seinem Gegner somit wenig Zeit zum Reagieren“, erkennt Stahl mit fachkundigem Blick die Taktik von Güdingens englischer Nummer eins. Auch Stahls Mannschaftskollege Torsten Kiehm ist begeistert vom hohen Niveau der beiden Spitzenspieler. „Es ist wahnsinnig, mit welcher Geschwindigkeit und Dynamik beide Spieler den Ball im Court bewegen“, findet der Oberliga-Spieler ebenfalls nur Lob. „Auch die Raffinesse beim Spielaufbau sowie die Trickschläge von Davis sind phänomenal. Ich glaube, ich würde gegen keinen der Spieler einen Punkt machen, auch nicht gegen die Spieler auf den hinteren Positionen.“ Als die Spitzenpartie in den fünften Satz geht, sieht Stahl einen kleinen Vorteil bei Davis – und liegt am Ende richtig mit der Prognose: Der Engländer gewinnt Satz fünf mit 12:10 und verkürzt nach Spielen auf 1:2. Somit hat Güdingen im letzten Spiel des Tages zwischen dem Italiener Dimitri Diamadopoulos und Stuttgarts Nummer zwei, Ben Petzoldt, noch die Chance auf ein Remis. „Wenn Dimitri das Spiel gewinnt und uns einen Punkt sichert, würde das für Anerkennung in der Liga sorgen. Schließlich gehört Stuttgart neben Worms, Paderborn und Hamburg zu den vier großen Vereinen in der deutschen Squash-Szene“, fiebert Wessela mit. Doch Diamadopoulos unterliegt im fünften Satz mit 9:11. „Ich habe mich am Ende durch einige fragwürdige Schiedsrichterentscheidungen aus der Ruhe bringen lassen“, ärgert sich Güdingens Nummer zwei. Dass es nicht zu einem Punktgewinn reichte, ist aus Wesselas Sicht aber kein Beinbruch. „Wir haben den Stuttgartern auf den vorderen Positionen Paroli geboten“, findet er. Damit die Punkteausbeute in der Rückrunde besser wird, hat sich Güdingen für die Mitte Januar 2017 beginnende Rückrunde weiter verstärkt, wie Wessela am Rand des Spiels mitteilt. „Wir haben mit dem erfahrenen 29-jährigen Marcus Pfister aus Augsburg ein Mann für die hinteren Positionen verpflichtet, wo wir bislang noch nicht punkten konnten“, berichtet er. „Dazu haben wir noch zwei 19-jährige Engländer unter Vertrag genommen, die bei uns in dieser und auch der nächsten Saison spielen werden. Bradley Masters ist der jüngere Bruder von Joshua Masters, der schon bei uns gemeldet ist. Dazu kommt von unserem heutigen Gegner Stuttgart Richy Fellows, der sich bei uns mehr Spieleinsätze erhofft als in Stuttgart zurzeit.“ Auch der Standort Zweibrücken wird in der neuen Spielzeit 2017/18 bleiben, wie Wessela versichert. „Wir sind mit dem Betreiber Heiko Doll und seinem Team der Gastronomie rundum zufrieden, sodass wir auch in Zukunft hier spielen werden“, lobt Wessela das Zweibrücker Umfeld in höchsten Tönen.