Zweibrücken
Zeuge zur Messerstecherei an der Reyna-Bar: „Er hat ihn abgestochen“
Zweiter Tag im Prozess wegen versuchten Totschlags vor dem Schwurgericht Zweibrücken. Angeklagt ist ein 38-jähriger Zweibrücker, der im September 2024 vor der Cocktailbar Reyna einem 28-Jährigen im Streit mit einem Klappmesser zehn Zentimeter tief in die Brust gestochen haben und schwer verletzt haben soll. Am Dienstag hörte das Gericht Zeugen, die unmittelbar am Geschehen in der Tatnacht um 4 Uhr beteiligt gewesen sein sollen.
Der 25-jährige Cousin des mutmaßlichen 28-jährigen Opfers war von Beginn des Geschehens an vor der Cocktailbar dabei. Er habe im Auftrag des Barinhabers dem 38-jährigen Angeklagten den Zutritt in die Cocktailbar verwehrt, weil dieser ständig mit einem Whisky-Glas in der Hand von dieser Bar zur gegenüberliegenden Bar wechselte. „Er ging immer wieder rein und raus, rein und raus“, schilderte der Zeuge gestern. Der Angeklagte habe versucht, ihm das Whisky-Glas ins Gesicht zu drücken, als er ihm erklärt habe, dass er nicht reinkomme. „Ich habe ihn zur Seite geschubst“ – und nicht „geklatscht“, wie er bei der Polizei ausgesagt hatte. War das der Auslöser, der zur Eskalation vor der Bar führte und mit dem Messerstich in die Brust des 28-Jährigen endete ?
Zeuge: Schlagstock lag einfach auf dem Boden
Denn: Das 28-jährige spätere Opfer hatte in der gegenüberliegenden Bar vernommen, dass draußen Streit sei. Er sei hinausgeeilt, um zu schlichten, wie er am ersten Prozesstag den Richtern erklärt hatte. Das bestätigte gestern auch sein Cousin, der vor der Bar mit dem Angeklagten aneinander geriet. „Mein Cousin kam und hob die Hände. Er wollte den Angeklagten beruhigen. Dieser zog plötzlich ein Messer aus seiner Kleidung. Er hat ihm einen Stich in die Brustseite versetzt. Er hat ihn abgestochen“, sagte der Zeuge. Danach seien der Angeklagte und dessen Freund geflohen.
Dieser Freund war am Dienstag auch im Zeugenstand. Auch er sei aus der gegenüberliegenden Bar hinausgeeilt, nachdem er erfahren habe, dass es draußen Streit gab. Eine Frau habe in die Bar gerufen, dass draußen sein Freund – der Angeklagte – verprügelt werde. „Am Eingang der Bar lag auf dem Boden eine Stange. Die habe ich aufgehoben und bin nach draußen geeilt.“ Es handelte sich, wie er nachträglich festgestellt habe, um einen Schlagstock. Diesen Schlagstock habe zuvor das mutmaßliche Opfer selbst auf den Boden gelegt. Eine Schilderung, die den Vorsitzenden Richter Andreas Herzog in Erstaunen versetzte.
„So besoffen habe ich ihn noch nicht gesehen“
„Draußen waren sechs bis sieben Personen. Mein Freund lag am Boden. Sie haben auf ihn eingedroschen.“ Seine Frau, der Angeklagte und er seien nach dem Tumult nach Hause gegangen. Er habe seinen Freund gefragt, ob er was mit dem Messer gemacht habe. „Ich weiß es nicht“, habe er als Antwort von ihm erhalten, schilderte der Zeuge. „Gleich darauf war meine Wohnung voll mit Polizei.“ Auf die Frage der Psychiaterin zum Zustand des Angeklagten erklärte der Zeuge: „So besoffen habe ich ihn noch nicht gesehen.“