Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Wo sich Eichhörnchen und Kaninchen gute Nacht sagen – und was die Polizei damit zu tun hat

Sabine Blatt mit ihrem Plüsch-Eichhörnchen, ihren Hunden Uschi und Wolfgang sowie dem neuen Eichhörnchen-Warnschild.
Sabine Blatt mit ihrem Plüsch-Eichhörnchen, ihren Hunden Uschi und Wolfgang sowie dem neuen Eichhörnchen-Warnschild.

Seit Ende April hängt ein Warnschild in der Hengstbacher Straße in Hengstbach, das Autofahrer dazu anhält, langsam zu fahren. Doch nicht Schulkinder oder der Almabtrieb sind Grund für das neue Warnschild, sondern Eichhörnchen.

„Achtung! Eichhörnchen! Langsam fahren!“ steht auf dem etwa Din A 3 großen weißen Plastikschild, das an der Ecke Hengstbacher Straße in Richtung Dorfgemeinschaftshaus hängt. Aufgehängt hat es die ausgewiesene Eichhörnchen-Freundin Sabine Blatt, die wenige Meter weiter wohnt. Das Schild war ein Geburtstagsgeschenk ihrer Familie zu ihrem 47. Geburtstag am 24. April. Die enge Beziehung zu den „Oachkatzerl“ wie die Bayern die possierlichen Tierchen nennen, begann früh.

Rund 50 Jahre alt ist ein Plüsch-Eichhörnchen, das Sabine Blatt als kleines Kind von ihrer Großmutter geschenkt bekam und das sie in Ehren hält. Aber auch die lebendigen, echten Eichhörnchen liegen ihr sehr am Herzen. „Neben meinem Haus überqueren oft Eichhörnchen die Straße, und ich habe Angst, dass sie überfahren werden. Einige Anwohner fahren zu schnell, Lieferdienste sowieso, aber ich nehme mich selbst auch nicht aus. Das Schild erinnert mich selbst daran, langsam zu fahren“, ist Sabine Blatt von der (selbst-)erzieherischen Wirkung überzeugt.

Bei den kleinen Tieren der Gattung der Baumhörnchen in Hengstbach handelt es sich laut Sabine Blatt um die rote, ursprünglich in Europa vorkommende Sorte, die in Deutschland immer mehr von der eingewanderten nordamerikanischen schwarzen Sorte verdrängt wird. Daher seien die roten Eichhörnchen umso schützenswerter.

Aber nicht nur die Hengstbacher Eichhörnchen schützt das neue Schild, auch Kaninchen. „Watson“ verdankt ihm vermutlich sein Leben inklusive Polizei-Eskorte. Das zottelige männliche Kaninchen verbrachte laut Vorbesitzerin Erika Watson, die in der Rebgartenstraße wohnt, lange Jahre „ein jämmerliches Dasein im Stall“. Bis die Lehrerin ihr Haus in der Hengstbacher Straße kaufte und dem Karnickel einen großen Auslauf baute. Daraus entkam das Tier, das damals noch auf den Namen Bruno hörte, und machte laut Erika Watson aus lauter Freude über die neue Freiheit Bocksprünge.

Familie Lauer, ebenfalls wohnhaft in der Hengstbacher Straße und nur einen Steinwurf entfernt vom Haus Erika Watsons, hat es ebenfalls mit Kaninchen. Dort wohnen mehrere Kaninchendamen. Die besuchte Bruno alsbald regelmäßig und grub sich einen Bau unter deren Gehege. Seit fünf Jahren lebt Kaninchen Bruno, das mittlerweile in „Watson“ umgetauft wurde, nun im Freien, und das Langohr hat die Angewohnheit, sich abends mitten auf die Straße vor das Hengstbacher Dorfgemeinschaftshaus zu setzen. Watson ist somit auch durch den Verkehr gefährdet, obwohl dieser Teil der Hengstbacher Straße das Ende der Sackgasse darstellt und gar kein echter Durchgangsverkehr besteht.

„Ich bin froh, dass das Schild da ist, das schützt nicht nur die Eichhörnchen, sondern auch Watson“, sagt Watson. Vergangene Woche erlebte das schildgeschützte, freilebende Kaninchen dann schließlich noch einen abendlichen Polizei-Einsatz. Die Beamten wurden wegen einer Ruhestörung in der Straße gerufen. Sie stolperten sozusagen über Watson, nachdem sie ihn zuvor fast überfahren hätten, fingen das zahme Tier ein und klingelten mit Watson auf dem Arm bei seiner Gastfamilie, Klaus und Martina Lauer. Dort fragten sie laut Erika Watson nach, ob das struppige Tier, das laut Watson eher an eine Wildkatze erinnert, der Familie gehöre. Die verneinte wahrheitsgemäß.

Als die Beamten Bruno/Watson ins Tierheim bringen wollten, protestierten Lauers jedoch und erklärten den Beamten, dass Watson keinen Besitzer habe, aber dennoch in der Hengstbacher Straße lebe. Die Beamten ließen sich überzeugen, und so flitzen nicht nur tagsüber und abends weiterhin die Eichhörnchen über die Straße, sondern auch Watson genießt abends und nachts seinen Ruheplatz auf der Hengstbacher Straße – dank des Geburtstagswunsches von Sabine Blatt.

Der freiheitsliebende Watson.
Der freiheitsliebende Watson.
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