Zweibrücken Wie die Krebsgesellschaft Hilfe im Überlebenskampf bietet

Stefan Klees ist Psychoonkologe bei der Krebsgesellschaft.
Stefan Klees ist Psychoonkologe bei der Krebsgesellschaft.

Eine Krebsdiagnose ist ein harter Einschnitt, macht Angst und betrifft auch das Umfeld des Patienten. Neben der körperlichen und seelischen Belastung gibt es vieles zu regeln, oft fehlt Kraft, Betroffene und Angehörige sind überfordert. Doch es gibt Hilfe.

Der Psychoonkologe Stefan Klees (35) aus Pirmasens wird künftig regelmäßig in Zweibrücken sein, in Räumen des Roten Kreuzes: im Mehrgenerationenhaus, im Stadtteilbüro der Canada-Siedlung und im Quartierstreff Breitwiesen. Schon länger sei ihm ein solches Angebot ein Anliegen gewesen, sagt Klees, der betroffene Zweibrücker bislang in Pirmasens beriet. Ihnen wollte er kürzere Wege ermöglichen.

„Krankenfahrten etwa zur Chemotherapie werden bezahlt, Fahrten zur Beratung nicht“, so Klees. Er sei deshalb froh, dass das Zweibrücker DRK, hier vor allem Kim Siewert, sich für die Zweibrücker Außenstellen stark gemacht habe. Damit schließe die Krebsgesellschaft, die in der Westpfalz seit Längerem etabliert ist und ihren Hauptsitz in Kaiserslautern hat, eine weitere Lücke in der Versorgung.

Er macht auch Hausbesuche

Wegen Corona berate er derzeit hauptsächlich per Telefon oder Video, sagt Klees, der geschwächte Krebspatienten nicht noch mehr gefährden will. Ausnahmen für persönliche Gespräche würden gemacht, wenn es die Situation erfordert. Und: „Ich mache auch Hausbesuche, wenn es die Corona-Lage zulässt“, sagt der 35-Jährige.

Grundsätzlich habe seine Arbeit zwei Komponenten. Zum einen gehe es darum, die Angst, Hilflosigkeit, Verzweiflung, Trauer oder auch Wut der Betroffenen und Angehörigen aufzufangen, ihnen zu zeigen, dass sie auf der Gefühlsachterbahn zwischen Hoffen und Bangen nicht alleine sind. Manche versuchten, ihre wahren Gefühle zu unterdrücken, was aber sehr anstrengend sei. Sie seien dann froh, mit ihren Sorgen bei den Leuten der Krebsgesellschaft ein offenes Ohr zu finden. „Wir stärken auch Paare und Familien mit Kindern im Umgang mit der Krankheit und miteinander“, so Klees.

Auch Hilfe mit der Bürokratie

Zum anderen gehe es um praktische Unterstützung bei bürokratischen Vorgängen, mit denen vielen Betroffene zuvor noch nie zu tun hatten: Wie beantrage ich eine Reha, wie verfahre ich mit meinem Arbeitgeber, welche Schritte muss ich wann einleiten und wo, alles, was im weitesten Sinne mit Sozialrecht zu tun hat. Klees und seine Kollegen helfen unter anderem beim Formulieren von Schreiben und Ausfüllen von Formularen, übernehmen auch mal ein Telefonat oder begleiten zu einem Amt.

Es gibt vieles, bei dem Klees und seine Kollegen Betroffenen beistehen können, zumal es auch vorkomme, dass das Umfeld sich abwendet, aus Unsicherheit: „Sie wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen, sollen sie den Krebs ansprechen oder lieber über Fußball reden, und nicht wenige nehmen dann lieber gar keinen Kontakt auf.“ Auch in solchen Fällen tue es gut, sich ihm anzuvertrauen, so Klees. Manche kämen auch, wenn sie die Krankheit überstanden haben und ihr altes Leben zurück wollen, das sich aber verändert habe. „Vieles wirkt schal, wenn man so einen Kampf ums Überleben hinter sich hat“, weiß Klees. Auch hier gebe es oft hohen Redebedarf.

Manchmal ist der Beruf auch belastend

Stefan Klees hat Pädagogik studiert mit psychoonkologischer und therapeutischer Weiterbildung. Seinen Beruf bei der Krebsgesellschaft übt er seit zehn Jahren aus. Manchmal sei es auch für ihn belastend, sagt er, doch überwiege das gute Gefühl, den Leuten in den allermeisten Fällen helfen zu können. „Was mir den Stecker zieht, ist, wenn es um Familien mit Kindern geht. Ich habe selbst drei Söhne.“ Zum Abbau eigener Spannungen treibe er Sport und gehe viel spazieren. Bewegung sei hilfreich, sagt er, und: „Wir sorgen schon auch für uns selbst.“

Kontakt

Stefan Klees bietet Krebspatienten und Angehörigen Sprechstunden an im Stadtteilbüro Canada-Siedlung (Ontariostraße 29), im Quartierstreff Breitwiesen (Tilsitstraße 62) und im Mehrgenerationenhaus (Maxstraße 7). Termine werden nach telefonischer Vereinbarung unter 0631 3110830 vergeben.

Krebsgesellschaft

Die Krebsgesellschaft Rheinland-Pfalz gibt es seit über 60 Jahren. Sie hilft kostenlos Krebspatienten und ihren Angehörigen in allen nicht-medizinischen Belangen rund um eine Krebserkrankung. Psychoonkologische Fachkräfte bieten unter anderem Einzel- oder Paargesprächen an, etwa bei Ängsten, Veränderungen in der Familie oder Fragen der Neuorientierung, außerdem Gruppen und Kurse zur Krankheitsbewältigung, Informationen über Krebserkrankungen, Hilfe beim Kontakt zu Behörden und Unterstützung bei finanziellen Problemen.

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