Zweibrücken Wer ist die beste Coverband in Europa?

Die erste After-Work-Party im Zweibrücker Outlet vom Donnerstagabend muss man aus zwei Blickwinkeln betrachten. Da war zunächst ein Publikum, das ausgelassen feierte und wohl mit dem Auftritt von Wallstreet zufrieden war. Da gibt es aber auch den Satz, über den nachgedacht werden muss. Sowohl die Outlets, als auch die Musiker werben damit, dass Wallstreet laut RTL die beste Coverband Europas sei. Das weckt Erwartungen.
Der Einstieg in das Programm von Wallstreet ist fett, wenn man an dieser Stelle mal ein positives Synonym der Jugendsprache verwenden darf. Da wird mit Daft Punk begonnen und Ne Yos „Closer“ schon innerhalb der ersten Viertelstunde verschossen. Das ist mutig und macht Lust auf mehr. Denn bei einem Coverkonzert hebt man sich die Sahnestücke eigentlich bis zur Mitte auf, damit das Publikum nach der Bierpause artig weiter vor der zu bespielenden Bühne feiert. Es könnte so schön an diesem Abend im Outlet sein, würde Marc Catteeuw den nicht wenigen hoch zu singenden Passagen in „Closer“ regelmäßiger folgen können. Ist das Wackeln der männlichen Stimme nun nur ein kleiner Wermutstropfen? Ein zu vernachlässigendes leichtes Versagen? Noch kümmert das nicht. Denn Catteeuws Co-Sängerin Meike Anlauf, die anstelle der angekündigten Jenny in Zweibrücken einspringt, ist eine Wucht. Anlaufs Stimmvolumen erinnert ein wenig an die österreichische Sängerin Stefanie Heinzmann. Immer, wenn die vor Lebensfreude sprühende Sängerin das Mikrofon übernimmt, macht das Konzert von Wallstreet durch und durch Spaß. Doch immer dann, wenn Catteeuw das Mikrofon übernimmt, erlebt das Konzert einen Bruch. Sein Gesang kann, zumindest an diesem Abend, nicht überzeugen. Während Coldplays „A Sky Full of Stars“ musikalisch in einem herrlichen Rave endet, muss Catteeuw schon wieder in der Höhe passen. Und warum nutzt man das Potenzial des extrem tanzbaren Songfinales nicht für eine Variation, eine magische Verlängerung? Warum wagt Wallstreet es zu selten, Liedern eine eigene Note zu verleihen? Liegt das etwa am Anspruch des Coverrock-Pubklikums von heute? Möchte es nicht mehr mit Überraschungen konfrontiert werden? Wer weiß das schon. In einem Medley bekommen die Outlet-Besucher „Le Freak“ von Chic zu hören, sowie „Last Night a DJ Saved My Life“ von Indeep. Vorher gab es ein fröhliches „You Can Call me Al“ von Paul Simon. Musikalisch macht das durch und durch Spaß, wäre nur die Stimme von Marc Catteeuw auf der Höhe einer „laut RTL besten Coverband Europas.“ So ein Satz kann jedenfalls schnell zu einer Last werden, wenn es mal musikalisch nicht rund läuft. Aus welchem Grund auch immer. Es gab nicht wenig fachkundiges Musikpublikum im weiten Rund, das den Satz gelesen hat und nun schon ein wenig erstaunt war, als es die Musik hörte. Am Donnerstagabend gastierte definitiv eine gute, nein, sogar eine sehr gute Coverband in Zweibrücken. Es war aber sicher nicht die beste Coverband Deutschlands und erst recht nicht die beste Europas. Vielleicht aber hätte der Kritiker in in diesern Zeilen die Kritik Zuhause lassen sollen. Denn es war schließlich eine After-Work-Party. Das ist ein Abend, an dem Menschen Entspannung finden sollen und wollen. Viele bekannte Gesichter haben sich da nun zum ersten Musikevent des Jahres getroffen, auch wenn es ein paar mehr hätten sein können. Denn es war noch reichlich Platz im Center Court. Die etwa 2000 Zuhörer hatten definitiv ihren Spaß. Und das ist gut so. Am kommenden Donnerstag, zu Dr. Soul & The Chain of Fools, dürfen es ab 19 Uhr gerne mehr sein.