Montags-Umfrage
Was Zweibrücker vom Busfahrer-Streik halten
Die RHEINPFALZ trifft Sigrid Frey am Hallplatz. Sie findet den Streik nicht so gut. Denn: „Es ist bestimmt für viele jetzt schwierig, die Kinder in die Schule zu bekommen“, meint die Zweibrückerin. Auch Älteren, die kein Auto haben, sei es erschwert, Einkäufe oder Erledigungen zu machen, „oder wenn sie vielleicht einen Bekannten besuchen möchten“. Vieles sei teurer geworden – egal ob bei Heizkosten, Benzin oder Essen. „Es können sich die wenigsten in der heutigen Zeit leisten, ein zweites Auto anzuschaffen.“ Frey sieht den schwarzen Peter bei der Politik – und nicht bei den Busfahrern selbst. Egal, ob die Fahrer wegen Ruhezeiten, Standzeiten oder Lohn streiken: „Die haben ja die gleichen Probleme wie ihre Fahrgäste auch. Darum sollte man ihnen die Forderungen erfüllen.“
Kinder in die Schule bekommen ohne Bus – da sieht auch Peter Hoffmann ein Problem. „Die Enkeltochter von meiner Bekannten ist in Contwig in der Schule. Ihre Mutter ist berufstätig in Homburg. Die muss sie jetzt eben jeden Morgen in die Schule nach Contwig fahren.“ Keine kurze Strecke, und das vor der Arbeit. Dass die Busfahrer streiken, kann er aber „in gewisser Beziehung“ verstehen. „Aber die Zeit ist eben immer unpraktisch für die Leute, die es betrifft.“ Den Zweibrücker selbst betrifft es aber nicht. Er kann aber verstehen, dass „die Leute, die es betrifft, nicht amused sind.“
„Jetzt muss ich viel mehr planen“
Matthias Brand aus Zweibrücken ist sogar von den Streiks betroffen. Pro Woche muss er mindestens viermal den Bus nehmen. Dass diese Option jetzt wegfällt, macht vieles für ihn komplizierter. „Jetzt muss ich viel mehr planen. Alles ist sehr aufwendig.“ Alternativen wie Taxis seien sehr teuer. Das führt oft dazu, „dass ich Aktivitäten, die ich geplant habe, früher abbrechen muss.“ Den letzten Bus muss er noch erwischen, um überhaupt heimzukommen. Unabhängig davon ist er „nicht begeistert vom Busfahrerstreik, da sie erstens letztes Jahr schon gestreikt haben – und jetzt wieder.“ Auch den Zeitpunkt hält er für unpassend. Gerade jetzt, da es möglich ist, dass die Kinder Corona-technisch in die Schule kommen können, seien viele auf den Bus angewiesen.
Tim Mayer aus Oberauerbach dagegen hat Verständnis für die Busfahrer – aber auch für die Betroffenen. Eine Einigung muss her, findet Mayer. „Ich kann die Busfahrer verstehen, es wird alles teurer. Und jeder sollte für die Arbeit, die er macht, ordentlich entlohnt werden“, meint der 35-Jährige. Umgekehrt könne er aber auch diejenigen verstehen, die auf den Bus angewiesen sind. „Die einfachste Lösung wäre, wenn einfach der Tarifvertrag unterschrieben wird.“ Dann hätten beide Seiten gewonnen – die Busfahrer hätten mehr Geld, und die Busfahrenden könnten ihre Ziele erreichen. Selbst betroffen ist er nicht. Gerade in dieser Zeit ist er froh, dass er sein Auto hat.
Froh, wenn die Streiks beendet sind
Amelie Bernhardt fährt jeden Tag mit dem Bus in die Schule. Auch zu Freunden kommt die Schülerin aus Mittelbach auf diesem Weg. „Ich bin auf den Bus angewiesen. Mit einer sechsköpfigen Familie ist es ja nicht grade leicht, mit dem Auto überall hingefahren zu werden.“ Deswegen sind die Streiks gleich in mehrfacher Hinsicht ungünstig für sie. Die 15-Jährige ist deshalb froh, wenn die Streiks beendet sind. „Es wäre alles einfacher.“ Die Busfahrer kann sie zwar verstehen – „aber vielleicht könnten die das anders lösen. Dass sie nicht abends sagen, sie streiken jetzt. Es gibt ja auch Leute, die mit dem Bus zur Arbeit fahren, die sind darauf angewiesen.“
Auch Lea Klug merkt bei Freunden, die noch keinen Führerschein haben, wie schwierig es ist, wenn die Busse wegbrechen. „Deren Eltern sind alle berufstätig, deswegen haben sie keine Möglichkeit, dass die sie fahren können“, sagt die Zweibrückerin. „Alternativ bleibt nicht mehr viel übrig, außer Fahrgemeinschaften zu bilden. Der Zug bringt einen ja auch nicht immer genau dahin, wo man hin muss“, gibt sie zu bedenken. Die Busfahrer kann sie trotzdem verstehen. „Jeder will ja fair bezahlt werden, und wir müssten ihnen auch dankbar sein, dass sie uns von A nach B bringen. Sie müssen sich ja auch manchmal Diskussionen anhören und machen ja mehr als nur fahren.“