Fussball
Was die regionalen FCK-Fan-Clubs für das Rückspiel in Dresden erwarten
Jörg Staude ist Gründungsmitglied beim FCK-Fan-Club Niederauerbach und in der Vorstandschaft für das Repräsentative des 75 Mitglieder umfassenden Vereins zuständig. „Leicht euphorisch“, beschrieb Staude seine Stimmungslage noch vor dem Freitagsspiel, das er wie alle anderen Befragten auch live im Fritz-Walter-Stadion gesehen hat. Die Roten Teufel hätten in den letzten vier Spielen in der Liga aber nicht geliefert, da frage er sich schon, warum und wie es bei der schweren Auswärtsaufgabe in Dresden besser werden soll. „Ich lasse mich natürlich gerne positiv überraschen, keine Frage.“
Weinmann: Hinspiel reines Gebolze
Etwas Mut macht ihm, „dass Dynamo auch nicht wirklich gut war, die strotzen ja nicht gerade vor Selbstvertrauen“. Das werde sich sicherlich nicht verbessern, je näher es Richtung Elfmeterschießen geht. Die Aufstiegschancen des FCK beziffert er auf 50:50. Den kurzfristigen Trainerwechsel vor der Relegation kann sich der 52-Jährige genauso wenig erklären wie den plötzlichen Bruch in der Mannschaftsleistung. „Da wird viel orakelt, letztlich werden es nur die Protagonisten wissen.“ Generell werde Dirk Schuster in der Kürze der Zeit nur Feinheiten justieren können.
„Ich wünsche mir einen Philipp Hercher in Top-Form, der ist mein Spieler der Saison“, nennt Jörg Staude seinen Hoffnungsträger beim Namen. Hercher könne alles: flanken, weite Einwürfe und Tore schießen.
Ralf Weinmann, an erster Position beim Fan-Club Rimschweiler, ist ebenfalls mehr bedrückt als froh gestimmt: Er hatte mit einem knappen Hinspiel-Sieg gerechnet. Wer so eine Saison spielt, der müsse mit einer Brust „so breit wie die eines Elefanten in so einem Spiel auftreten oder schon früher den Aufstieg perfekt machen“. Aber diese Chancen wurden liegen gelassen. „Das Spiel war von beiden Seiten reines Gebolze.“ Die Hoffnung sterbe allerdings zuletzt, und ein Tor genügt vielleicht ja schon für den positivsten Fall der Fälle.
Brill: Waren nicht unterlegen
Mit dem neuen FCK-Trainer Dirk Schuster kann er sich anfreunden; er habe bei seinen anderen Stationen gezeigt, was er drauf hat. „Marco Antwerpen war zwar sehr beliebt, allerdings war mir das oft zu aggressiv, was von der Seitenlinie kam. Und es wird schon was dran sein, wenn man hört, warum und wie er bei seinen vorherigen Stationen entlassen wurde“, meint er. Die Hereinnahme von Jean Zimmer hat laut dem 52-Jährigen nicht den erhofften Effekt gebracht, was nach so einer langen Verletzungspause aber nicht überraschend sei. Mit Hercher und Felix Götze im Mittelfeld gefällt es ihm besser. „Wir machen ein frühes 1:0 aus einer Kontersituation, dann kippt diesmal die Stimmung bei den Dresden-Fans“, prognostiziert er für Dienstagabend.
Mit gleich zwei Bussen und hundert Fans ist der Contwiger Fan-Club Höllenfeuer am Freitag zum ersten Relegationsspiel gefahren. „Die Abwehr hat gestanden, darum finde ich die Umstellung von der gewohnten Dreier- zur Viererkette nicht schlecht“, teilt Andreas Brill die taktische Marschroute des neuen FCK-Übungsleiters. „Das Tor hat gefehlt, unterlegen waren wir aber nicht“, ist der 38-Jährige immer noch zuversichtlich. Die Aufstellung von Kapitän Zimmer kam für den Vorsitzenden von 150 Mitgliedern überraschend. „Mannschaftstechnisch als Antreiber sicher gut, allerdings ist er immer mehr untergetaucht und hat so wenig gebracht wie die anderen.“ Der FCK beraube sich derzeit seiner eigenen Stärke. „Das Mittelfeld wird mit langen Bällen überbrückt und nur Stürmer Terence Boyd gesucht“, findet der Contwiger. „Der ist ohne Frage ein sehr guter Stürmer. Wir waren aber in der Vorrunde mit vielen verschiedenen Torschützen schwerer auszurechnen, das fand ich besser“, urteilt Brill. Das Spiel schaut er sich mit seiner Frau auf der Couch an. „Unterlegen sind wir nicht, und vor Dynamo muss man keine Angst haben.“ Er glaubt: Es kann am Dienstag in jede Richtung gehen und wird höchstwahrscheinlich durch einen groben Fehler entschieden.
Somers: In Dresden wird’s schwer
„Alle Versuche, aus dem Spiel noch was Schönes rauszureden, sind vergebens. Da muss jetzt aber mal Tacheles gesprochen werden, denn das war überhaupt nichts“, wird Johan Somers als Chef der Lautrer Jungs aus Bubenhausen deutlich. „Wer den Luxus hat, in so einem Stadion vor 50.000 Leuten zu spielen – man hätte es sogar mit 100.000 voll bekommen – muss mehr bringen.“
Taktik oder Aufstellung, das sei „interne Küche“, das könnten nur die beurteilen, die dabei sind. Wenn die Taktik allerdings sei, den großgewachsenen Stürmer Boyd anzuspielen, „dann muss der auch aus jeder Lage mit Bällen gefüttert werden, da kam allerdings überhaupt nichts an“, findet der 61-jährige Belgier. Die Chance, mit diesen Fans und der Stimmung den Grundstein fürs Rückspiel zu legen, ist aus seiner Sicht vertan. „Jetzt wird es schwer, in Dresden das Ganze noch zu drehen. Aber das haben sie selbst versaut.“
Egal wie: Wer aufsteigen will, muss diese Situation aber annehmen. „Vielleicht gelingt ein frühes 1:0 aus einem Konter, dann wird es womöglich einfacher, befreit aufzuspielen.“ Jedenfalls komme Leidenschaft und Euphorie nur von den Fans und eigentlich seien beide Mannschaften nicht für die Zweite Liga gerüstet.