Zweibrücken Warum ein Filmemacher ein historisches Haus verkaufen möchte (mit Bildergalerie)
Wann das historische Haus in der Dinglerstraße gebaut wurde, weiß keiner so richtig. Das Stadtarchiv geht von einem Baujahr um 1900 aus, Archiv-Chefin Charlotte Glück spricht vom „Baustil der Gründerzeit“. In einer Liste aus dem Jahr 2013 schreibt die Untere Denkmalschutzbehörde vom dritten Viertel des 19. Jahrhunderts. Ein Teil von Ramckes Familie kommt aus Zweibrücken, ein anderer aus Hamburg. Dort ist er auch aufgewachsen. „Die Hälfte meiner Kindheit habe ich in Zweibrücken verbracht. Und dann war ich immer bei meinem Großvater in dem Haus. Ich kenne es in- und auswendig“, sagt er.
Ramckes Großvater hat das Haus 1958 gekauft. Das prächtige und luxuriöse Anwesen erzählt viele Geschichten. Dass es kein einfaches Wohnhaus gewesen ist, zeigt sich in der aufwendigen und avantgardistischen Bauweise. Und das Haus hat viel erlebt: Kriege, verschiedene Regierungsformen, Krisen und Wirtschaftswunder. Es blieb stehen. Selbst die massive Bombardierung der Stadt Ende des Zweiten Weltkrieges hat dem Anwesen nichts angetan „Auch das ist etwas Besonderes. Es ist eines der wenigen Häuser, die standgehalten haben“, erzählt Ramcke, der 1986 geboren wurde.
Haus steht unter Denkmalschutz
Das Haus steht unter Denkmalschutz, laut Ramcke muss es kernsaniert werden. Der künftige Eigentümer muss sich darauf einstellen. Allerdings gibt es keine Unterlagen davon, wie das Haus im Inneren früher mal ausgesehen hat. „Die sind alle im Krieg verbrannt“, so Ramcke. Beim Denkmalschutz könnte es also eine Art „Sonderregelung“ geben, vermutet er, ohne es genau zu wissen. Insgesamt sind vier Wohnungen in dem Haus untergebracht, zwei davon im Dachboden, der Anfang des 20. Jahrhunderts ausgebaut worden ist. Manche sind ausgebaut, andere im Rohbau. An das Anwesen schließt sich zudem ein Neubau aus den 1970er an, der steht nicht unter Denkmalschutz.
Ramcke will das Haus verkaufen, um seinen Traum zu erfüllen. Er ist Filmemacher, er will nach Amerika, nach Hollywood, um einen Film mit einem großen Budget zu drehen. „Ich habe vor 15 Jahren angefangen, in der Werbebranche angefangen. Mein Herz hat aber immer für den Film geschlagen. Leider ist der szenische Film in Deutschland nur schlecht umsetzbar. Deshalb die Entscheidung für die USA“, erzählt er. Zusammengearbeitet habe Ramcke bereits mit Schauspielern wie Götz Otto (ein Gehilfe des James-Bond-Bösewichts in „Der Morgen stirbt nie“) sowie Influencern wie Stephanie Gießinger und Dagi Bee.
Big in America
In dem Haus sind übrigens auch schon Streifen aus Ramckes Kamera entstanden: zwei Kurzfilme, einer ist der Film zum Hausverkauf, der andere heißt „Flakon“. Sein jetzt geplantes Werk trägt den Titel „Götterdämmerung“ und soll laut Ramcke ein Budget von 40 Millionen Dollar haben. Zum Vergleich: Einer der teuersten deutschen Filme aller Zeiten, „Das Parfum“, liegt bei rund 54 Millionen Dollar, der Klassiker „Die unendliche Geschichte“ bei etwa 30 Millionen Dollar. Der Erlös aus dem Hausverkauf soll ins Filmkässchen wandern – wenngleich Ramcke weiß, dass das nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Die Stadt hat laut Ramcke vor einigen Jahren das Haus auf 240.000 Euro geschätzt, eine andere Einschätzung habe hingegen 850.000 Euro ergeben. Ramcke will das Haus nun im Bieterverfahren verkaufen. Es startet am 14. April und dauert einen Tag. Verantwortlich für den Verkauf ist Dirk Hoffmann, ein enger Vertrauter Ramckes.
Info
Termine und Unterlagen für die Versteigerung gib es bei Dirk Hoffmann, Telefon 0172 3490079 oder E-Mail d.hoffmann@deutsches-wirtschaftswerk.de