Zweibrücken
Warum die 80-jährige Oma unbedingt Fahrschülerin werden wollte
Mit einem VW Käfer als Fahrschulauto hatte Günter Hahn 1965 seine Fahrschule in der Maxstraße gegründet. Was damals als Ein-Mann-Betrieb startete, ist heute eine feste Institution in der Region. Aus der kleinen Fahrschule von einst sind inzwischen gleich drei Standorte geworden – in Zweibrücken, Contwig und Rieschweiler.
Jetzt ist die Zweibrücker Hauptstelle der Fahrschule Hahn nach 57 Jahren in der Ritterstraße direkt gegenüber in die Von-Rosen-Straße 12 umgezogen. „Der Umzug war längst überfällig“, erklärt Markus Glutting, der die Fahrschule 2008 übernommen hat. Einer der Gründe: mehr Platz für moderne Technik. Herzstück der neuen Räume ist ein Fahrsimulator, an dem die Schüler in realitätsnaher Umgebung erste Fahrerfahrungen sammeln. Neu hinzugekommen sind ein Sozialraum für das siebenköpfige Fahrschulteam, eine zusätzliche Toilette und eine Ecke mit Tischkicker, um den Fahrschülern die Wartezeiten zu verkürzen. Was das Lernklima verbessern soll.
Prüfungsbedingungen wandeln sich mit der Zeit
Überhaupt, so Glutting, habe sich viel getan seit den Zeiten, als man stapelweise Papierfragebögen ausfüllen musste oder der Fahrlehrer mit kleinen Magnetautos an der Tafel stand. „Heute läuft der Theorieunterricht multimedial über Bildschirme und Smartboards.“ Online-Lernplattformen und Smartphone-Apps sind heute unverzichtbare Hilfsmittel für die Theorie-Ausbildung. Die Prüfungsbedingungen haben sich im Laufe der Zeit gewandelt, mit strengeren Kriterien und umfassenderen Tests. „Zu meiner Zeit hatte es etwa 300 Prüfungsfragen gegeben, heute sind es über 1100“, sagt Glutting.
Aufgefallen sei ihm, dass der Stellenwert des Führerscheins bei den „Landkindern“ höher sei als bei den „Stadtkindern“. Was wohl daran liege, dass die Busverbindungen in der Stadt öfter genutzt würden und besser seien als auf dem Land.
Im Schnitt würden zwischen 250 und 400 Fahrschüler pro Jahr ausgebildet. „Während Corona hatten wir ganz schön zu knabbern, denn danach kam es zu einem gewaltigen Rückstau.“
Kuriose Ausreden
Gluttings jüngste Fahrschüler für Moped oder Roller seien 14 Jahre alt. Rekordhalterin war mit 80 Jahren eine Seniorin, die „einfach nur ein paarmal Auto fahren“ wollte, allerdings von Anfang an nie eine Fahrprüfung ins Auge gefasst habe.
Kostete früher eine Fahrstunde 20 bis 25 Mark, so liege die Preisspanne heutzutage im Bundesdurchschnitt zwischen 55 und 80 Euro in Großstädten. Die Preise in Zweibrücken bewegten sich am unteren Ende. Was sich in all den Jahren nicht geändert hat, seien die Standardausreden seiner Fahrschüler beim Zuspätkommen oder Nichterscheinen: „De Wecker hat ned gerappelt“ oder „Hab mich im Tag geirrt“. Ganz kurios bekam der Fahrlehrer auch mal zu hören: „Hab' die Fahrschule nicht gefunden.“
Orientierungslose Stadtkinder?
Glutting stellt fest, dass die Fahrschüler heute orientierungsloser seien als früher. „Viele trauen sich heute nicht mehr viel zu. Das hängt vielleicht damit zusammen, dass heute kaum noch ein Jugendlicher ohne Smartphone-Navigation unterwegs ist.“ Wiederum sei dies vor allem bei den Stadtkindern der Fall, die sich etwas orientierungsloser und ängstlicher hinters Steuer setzten als die Gleichaltrigen vom Land. Dort der Umgang mit Fahrzeugen oft selbstverständlicher Bestandteil des Alltags. „Viele Jugendliche sitzen schon vor dem Führerschein auf dem Traktor, Quad, Moped oder dem alten Auto vom Vater auf dem Feld, bauen früh ein Gefühl für Fahrzeuge auf, verlieren die Scheu und haben mehr informelle Fahrerfahrung, bevor sie überhaupt offiziell fahren dürfen“, weiß der Lehrer. Die Schule hat sieben Fahrschulautos, 14 Zweiräder von 50 bis 1000 Kubik sowie zwei LKW zur Verfügung.
Markus Glutting bestätigt, dass auf Deutschlands Straßen heute deutlich aggressiver gefahren werde. Die Toleranz gegenüber Fahranfängern habe spürbar abgenommen. „Es wird öfter gehupt und der Mittelfinger gezeigt“, vermutet er, dass viele Menschen ihr Auto zunehmend nutzen, um angestaute Emotionen loszuwerden. Frust und Ärger entladen sich hinterm Steuer, während Spannungen früher eher im Gespräch oder beim Sport abgebaut wurden. Höheres Verkehrsaufkommen und wachsender Zeitdruck kämen hinzu. Glutting weiter: „Früher gab es in einer Familie ein Auto, heute besitzen Vater, Mutter und Kinder jeweils ein eigenes Fahrzeug.“ Das mache viele Autofahrer gestresster und leichter reizbar.
Ludwigshafen Hotspot für Betrügereien?
Bei Fahrschulfahrten und Fahrprüfungen sei es – abgesehen von kleineren Blechschäden – im Unternehmen noch nie zu ernsthaften Unfällen gekommen. Gelegentlich, in Ausnahmefällen, habe es Manipulationsversuche bei der Theorieprüfung gegeben, etwa mit versteckten Mikros und Ohrhörern. Auffällig sei, dass in der Branche Ludwigshafen als Hotspot für Betrügereien bei der theoretischen Führerscheinprüfung gelte.