Zweibrücken
Warum auch ältere Menschen von der Kinderhilfe Lebensmittel bekommen
Gegründet wurde die Zweibrücker Kinderhilfe – sozusagen ein Schwesterverein des Zweibrücker Kinderschutzbundes – im August 2018, um Bedürftige und sozial Benachteiligte mit Lebensmitteln zu unterstützen. Dazu gehören eben trotz des Namens nicht nur Kinder, sondern „auch viele ältere Menschen mit geringer Rente, Empfänger von Arbeitslosengeld und geflüchtete Familien“, erklärt Vereinsvorsitzende Carmen Waibel, die auch dem Kinderschutzbund vorsteht.
Beide haben ihr Domizil im Haus an der Ecke von Max- und Gymnasiumstraße. Die ausgegebenen Lebensmittel sind Spenden der umliegenden Bäckereien, anderen Geschäften, Discountern, SB-Warenhäusern, aber auch von Privatleuten. Oft kaufe der Verein auch Lebensmittel zu, zum Beispiel für Schulprojekte, Nachmittagsbetreuungen und Kitas. Finanziert wird die Ausgabe durch die Einnahmen der Kleiderkammer sowie den Verkauf von gespendeten Kleidungsstücken, Haushaltsgegenständen und Spielsachen.
Rund 400 Personen werden von Kinderhilfe versorgt
„Wir haben seit Jahren eine große dankbare Kundschaft aus Zweibrücken“, berichtet Waibel. Dreimal pro Woche geben ehrenamtliche Helfer und Helferinnen am großen Tor in der Gymnasiumstraße Lebensmittel an Bedürftige aus: montags und mittwochs jeweils um 10 Uhr sowie samstags um 13 Uhr. Verteilt werden frisches Obst und Gemüse, Brot, Nudeln, andere Grundnahrungsmittel, Wurst, Käse, Milch, Konserven und auch Süßigkeiten. Rund 200 Familien mit geschätzt 400 Personen versorgt die Kinderhilfe Zweibrücken laut Waibel regelmäßig. Wie bei der Tafel, die der katholischen Kirche angegliedert ist, müssen die Klienten ihre Bedürftigkeit nachweisen, beispielsweise durch Unterlagen vom Sozialamt oder ihren Rentenbescheid. Dies kontrollierten die Mitarbeiter der Kinderhilfe.
In den vergangenen Jahren habe man nun beobachtet, dass sehr wenige Menschen im Rentenalter zu den Ausgabeterminen kommen – obwohl Unterstützungsbedarf offensichtlich nicht nur bei der jungen, sondern auch der älteren Generation besteht. Aus Gesprächen mit älteren Menschen habe man erfahren, dass viele von ihnen sich nicht trauten, an den üblichen Ausgabetagen zu kommen, weil dann immer so viel los sei. Da die Kapazitäten dafür vorhanden seien, hat der Verein deshalb einen eigenen Termin für Rentner – und nur für Rentner – ins Leben gerufen. Seit Jahresbeginn kommen jeden Dienstagmorgen ältere Menschen in die Gymnasiumstraße, um sich Waren abzuholen und so ihr meist knappes Budget zu entlasten. „Wir bringen in einigen Fällen die Nahrungsmittel sogar zu Menschen nach Hause – etwa, weil die Personen nicht mehr mobil sind oder auch nur übergangsweise, wenn sich zum Beispiel jemand den Fuß gebrochen hat“, erzählt Waibel. Bezugsberechtigt seien jedoch ausschließlich Menschen aus Zweibrücken und Vororten.
Datenschutz erschwert direkten Kontakt
Problematisch sei allerdings noch, das neue Angebot bei den potenziellen Abnehmern bekannt zu machen: Denn der Datenschutz verhindere, dass Kinderhilfe und bedürftige Rentner auf direktem Weg zusammenkommen. Folglich „war es gar nicht einfach, die Kundschaft für den zusätzlichen Rentnertag zu finden“, erklärt Waibel. So habe der Verein beispielsweise von der Stadt keinerlei Namen oder Adressen erhalten, um die Menschen direkt einzuladen und auf das Hilfsangebot aufmerksam zu machen. Das sei bislang allein über Mundpropaganda gelaufen. Derzeit versorge man jeden Dienstag rund 20 Menschen im Rentenalter – für etwa doppelt so viele reichten die Kapazitäten. Und die Klienten sind dankbar, wie sich auch während des Pressegesprächs zeigt. Da kommt eine ältere Frau mit der gefüllten Einkaufstüte auf Waibel zu und sagt überschwänglich: „Das war eine sehr gute Idee, einen eigenen Termin für Rentner zu machen.“
Etwa 30 Helfer halten die Versorgungsmaschinerie der Kinderhilfe am Laufen, die meisten davon ehrenamtlich. Sie holen unter anderem die Nahrungsmittel ab – beispielsweise im Globus Neunkirchen, der Waren kurz vor oder nach Ablauf des Verfallsdatums spendet. Sie sortieren, packen, geben aus, helfen. Dass nicht der Kinderschutzbund als Träger die Lebensmittelausgabe betreibt, liege an steuer- und vereinsrechtlichen Vorgaben, erläutert Waibel. Beide seien juristisch getrennt, daher habe man beispielsweise doppelte Steuerberaterkosten.
Werbung für Rentnertermin ausdrücklich erwünscht
Wer bedürftige ältere Menschen aus Zweibrücken kenne, dürfe gerne Werbung machen für das Angebot der Kinderhilfe, sagt Waibel. Ihr wurde die Arbeit beim Kinderschutzbund praktisch in die Wiege gelegt: Bereits ihre Mutter Franziska Linse hat sich jahrzehntelang als Vorsitzende des Kinderschutzbundes engagiert und ist für ihre besonderen Verdienste im Jahr 2010 zur Ehrenvorsitzenden ernannt worden.