Zweibrücken Walzer, militärisch-melancholisch

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Es war eine der seltenen Gelegenheiten für die Zweibrücker, einen Abend im Schlossgarten zu erleben. Willi Kestel, Präsident und Hausherr am Pfälzischen Oberlandesgericht, hatte zum Konzert des brasilianischen Quartetts Quartchêto eingeladen – bei freiem Eintritt.

Aus dem Süden Brasiliens kommen die Musiker, die für ihre CDs schon mehrfach ausgezeichnet wurden. Völlig zu recht. Das hört man schon bei den ersten Tönen. Besonnen geht es los, mit „Mas tá Bonito“, einem langsamen Walzer. Hier kommt es zum ersten faszinierenden Duett zwischen Posaune und Akkordeon. Julio Rizzo und Luciano Maia bieten in der Folge weitere Zwiegespräche an, mit hervorragenden Soli. Bis zuletzt musste Kestel zittern, ob das Konzert im Garten stattfinden kann. Er weiß, dass die Akustik im Schloss dem Können der Musiker kaum hätte gerecht werden können. Der Klang der Musik im Schlossgarten ist nun hervorragend. Nach dem getragenen Auftakt drücken die Musiker mit „Pra onde Sul nos Carregue“ auf das Gaspedal. Ricardo Arenhaldt am Schlagzeug ist gefordert. Gedanken an Tanz, Samba und Lebensfreude kommen auf. Nicht nur an dieser Stelle wird man den Eindruck gewinnen, dass der talentierte Percussionist Arenhaldt die Arbeit von mindestens zweien übernimmt. Neben dem Schlagzeug nutzt er Trommeln, eine Kuhglocke und ein Tamburin. Der Taktgeber ist auch derjenige, der den Abend moderiert. In seinen ersten fünf Lebensjahren sprach er in Brasilien nur Deutsch. Portugiesisch lernte er erst in der Schule. Quartchêto beschränkt sich nicht auf brasilianische Musik. Die „Polka in Four“, pointiert vom Posaunisten Rizzo geführt, ist unter dem Einfluss der Musik Paraguays entstanden. Die Einflüsse auf Quartchêto sind eben vielfältig. Brahms’ „Ungarischer Tanz Nr. 1“ beschließt denn auch die erste Konzerthälfte. Im zweiten Teil stellt die Combo unveröffentlichte Titel vor. Wunderschön ist „Varca“, ein Walzer, der schleppend beginnt. Das Tempo wird variiert. Plötzlich marschiert Quartchêto in militärischen Tempo voran, um zum Finale wieder in angenehmer Melancholie zu versinken. Endlich dürfen sich zum Finale einmal diejenigen in den Vordergrund drängen, die den Hauptdarstellern am Akkordeon und der Posaune den wundervollen Takt bereiteten. Hílton Vaccari leistete bis dahin federleichte Arbeit, an der akustischen Gitarre. Arenhaldt darf ein ausuferndes Schlagzeugsolo spielen, das eine alte Wahrheit beweist: Ein guter Schlagzeuger kann sowohl laut als auch leise spielen. Was so beschwingt wirkt, ist in Wahrheit Schwerstarbeit. Als Maia nach dem Konzert sein Akkordeon absetzt, ist sein Hemd von Schweiß durchdrungen. Willi Kestel, der Arenhaldt von einer Reise nach Brasilien kennt, umarmt den Schlagzeuger freundschaftlich.

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