Leichtathletik
Waden, Hüftbeuger, Husten: Was welchen Zweibrücker Sportler vor der DM ausbremst
Christin Hussong klingt verschnupft am Telefon. Der Speerwerferin des LAZ Zweibrücken ist allerdings keine Laus über die Leber gelaufen, sondern sie hat wirklich eine fette Erkältung. „Anfang der Woche ging’s los. Keine Ahnung, wo ich mir das eingefangen habe“, sagt die 28-jährige Herschbergerin ein bisschen ratlos. Sicher ist: „Zum Glück habe ich aber kein Corona, ich habe mich seitdem jeden Tag zwei-, dreimal getestet“, stellt sie fest. Aber extremen Husten hat sie, „ das hat mich schon ein bisschen platt gemacht“, berichtet sie. So sehr, dass sie am Mittwoch sogar das Training streichen musste.
„Eigentlich bin ich ja nie krank. Alles zusammen nervt gerade ein bisschen“, sagt sie auch mit Rückblick auf den unfreiwilligen Sturz beim Heim-Meeting „Sky’ the Limit“ am 11. Juni, in dessen Folge sie sich mit Beschwerden am Hüftbeuger und der Wade herumplagen und den Start bei der Diamond League in Paris am Wochenende absagen musste. Die verkrampften Muskeln wurden aber langsam besser, „ich konnte diese Woche alles machen im Training“. Und jetzt die Erkältung!
Hussong: Nächste Woche noch mal Trainingslager
Geplant war, dass sie am Samstag nach Berlin fliegt, wo am Sonntag ab 15.30 Uhr der Speerwurf der Frauen im Olympiastadion über die Bühne geht – in dem Stadion, in dem sie 2018 Europameisterin wurde. „Klar ist: Wenn ich gesund bin und hinfahre, will ich auch gewinnen“, sagt sie zur Jagd nach ihrem sechsten DM-Titel und dem fünften in Folge seit 2018. „Aber wir werden heute oder morgen entscheiden, ob ich fahren kann. Je nachdem, wie es sich gerade anfühlt. Wir werden auf jeden Fall kein unnötiges Risiko eingehen“, sagte sie vor ihrer Trainingseinheit am Donnerstag.
Für kommende Woche steht für Hussong, gemeinsam mit ihrem Papa und Trainer Udo, ein Trainingslager in Offenburg an – mit Johannes Vetter, Bundestrainer Boris Obergföll und Jana Marie Lowka, die auch in Zweibrücken mitwarf. „Das ist gut so, Boris hat einfach auch noch mal einen anderen Blick auf die Würfe“, sagt sie. In Offenburg will sie sich den letzten Schliff für die Weltmeisterschaften in Eugene/USA (15. bis 24. Juli) holen, für die sie bereits sicher qualifiziert ist. Danach geht’s noch mal kurz nach Hause und dann schon fast über den großen Teich. Wettkämpfe stehen bis zur WM nicht mehr an.
Mayer peilt 100-Meter-Finale an
Vereinskollegin Sina Mayer weiß im Gegensatz zu Hussong genau, dass sie in Berlin starten kann. Die 100-Meter-Vorläufe der Sprinterin beginnen am Samstag um 13.05 Uhr. „Ich habe ein gutes Gefühl und bin topfit. Letzte Woche habe ich im Training leistungsmäßig noch mal einen guten Sprung gemacht“, sagt die 27-Jährige, die zusammen mit ihrem Freund seit September in Bexbach wohnt.
Dabei hat sie keine leichte Zeit hinter sich, hatte sich im Februar, zwei Wochen vor der Hallen-DM, mit Corona infiziert. „Ich habe vier Tage flach gelegen mit Fieber, trotz Impfung. Und drei Wochen konnte ich danach gar nicht trainieren“, erzählt sie. Der Weg zurück sei mühsam gewesen, „ich musste fast wieder bei Null anfangen“. Sie habe aber bewusst ruhig und langsam wieder begonnen, sich auch vom Arzt ordentlich durchchecken lassen.
Mayers Ziel: Saisonbestleistung laufen
Im November erst hatte sie ihr Studium des Gesundheitsmanagements beendet, für ihre Master-Arbeit hatte sie verschiedenartige Kniebeugen biomechanisch analysiert. Seit 2020 arbeitet Sina Mayer aber bereits 20 Stunden pro Woche als Gesundheitsmanagerin bei der Firma Helexier, die im alten Evangelischen Krankenhaus in Zweibrücken ansässig ist. Weil sie allerdings immer noch schnell laufen will, hat sie die Wochenarbeitszeit in der Saison auf zehn Stunden reduziert.
Mit ihrem Saisoneinstieg in Dessau im Mai war sie noch nicht zufrieden. „Da habe ich mich nicht gut gefühlt, es herrschte viel Gegenwind“, sagt sie. In Wede zuletzt lief es mit 11,51 Sekunden schon besser. „Ich möchte in Berlin auf jeden Fall ins Finale und Saisonbestleistung laufen. Das ist nicht unrealistisch“, findet sie. Und dann ist vielleicht auch ihre Bestmarke von 11,25 Sekunden aus dem Jahr 2017 gar nicht mehr so fern.
Holzdeppe sagt DM ab und verpasst damit die WM
Wenn am Samstag um kurz vor 11 Uhr die Stabhochspringer zu ihren Sportgeräten greifen, fehlt Raphael Holzdeppe. Eine Verhärtung in der rechten Wade bremst den 32-jährigen LAZ-Sportler aus. „Beim Wettkampf in Hof habe ich es beim Einspringen bemerkt. Wir haben dann schon niedriger angefangen, den Anlauf verkürzt und letztlich auch den Wettbewerb abgebrochen“, erzählt der Wahl-Saarbrücker. „Es wurde zwar besser und besser, aber ich bin noch nicht wieder bei 100 Prozent“, sagt er. Am Mittwoch beschloss er mit Heim- und Bundestrainer Andrei Tivontchik, dass eine Reise nach Berlin so keinen Sinn hat.
Auch wenn der Ex-Weltmeister von 2013 damit die letzte Chance drangibt, bei der WM zu starten. „Das ist schade, aber der Nominierungszeitraum für die EM geht ja noch bis Mitte, Ende Juli“, hofft er auf eine Teilnahme in München. „Es ist alles okay. Ich bin nach der OP im letzten Jahr einfach froh, dass ich gesund bin und springen kann“, ist er mit sich im Reinen.