Handball
VTZ Saarpfalz: Tomas Kraucevicius ringt mit sich, ob er aufhören soll – oder doch nicht
Am Sonntag, im vorletzten Heimspiel, will der Abwehrspezialist mit der VTZ gegen den TV Offenbach (Anwurf: 17 Uhr, Westpfalzhalle) einen Heimsieg feiern. Ob er danach wirklich auf seinen Kopf hört? „Ich kenne mich: Nach ein paar Wochen Pause will ich doch wieder spielen“, sagt Kraucevicius lachend. Könnte also sein, dass das Handballherz Sieger im Duell mit dem Kopf bleibt. In welcher Mannschaft, in welcher Liga, das bleibt offen. Die neue Zweibrücker Spielgemeinschaft böte verschiedene Möglichkeiten, und einen Kraucevicius hätte mancher Verein gerne in den Reihen.
Im Moment, stellt Kraucevicius fest, signalisiere sein Körper, dass es besser wäre, mit Leistungshandball aufzuhören. Aktuell plagt ihn ein Eisbein. Das hat er beim Auswärtssieg in Dansenberg verpasst bekommen, bei dem er großen Anteil am Erfolg hatte, aber bescheiden bleibt: „Wir haben insgesamt sehr gut Abwehr gespielt, und Norman war im Tor überragend“, lobt Kraucevicius.
Halb Europa als Handballer gesehen
Was Kraucevicius noch viel mehr plagt: ein Bandscheibenvorfall, mit dem er seit Monaten spielt. Das gehe aber ganz gut, zielgerichtete Gymnastik und Krafttraining machen Handballspielen möglich. Zurückzuführen sei das Rückenproblem wohl sogar auf eine Fehlstellung, die er seit seiner Geburt hat. Als sich ein Arzt seine Röntgenbilder angeschaut habe, habe der gemeint, „dass das aussieht wie nach einem Autounfall“, erzählt Kraucevicius lachend.
Seit 30 Jahren schlägt das Herz des 37-Jährigen schon für den schnellen Handballsport. In seiner litauischen Heimat begann er damit. Dass er Leistungshandball spielen würde, zeichnete sich ab, als er auf ein Sportinternat wechselte. „Morgens Training, Schule, nachmittags wieder Training“, schildert der Linkshänder. Das Training zahlte sich aus: Als Handballer wurde er sechsmal Meister in Litauen, spielte in Spanien, Österreich und der Schweiz Erste oder Zweite Liga. Er kam nach Merzig und wechselte 2016 zur VTZ. Hier ist er mit seiner Familie längst heimisch geworden.
Rückkehr nach Litauen „bis zur Rente“ verschoben
Früher sei immer der Plan gewesen, „dass wir nach meiner aktiven Karriere nach Litauen zurückkehren“, erklärt Kraucevicius. Dass aktuell kein Umzug nach Litauen geplant sei, sei aber noch kein Indiz dafür, dass er weiter Handball spiele, erläutert der Rückraumspieler schmunzelnd. Mit seiner Familie ist er in Niederauerbach heimisch geworden. Dort haben die Kraucevicius’ ein Haus gekauft. Seine Frau Dalia arbeitet in der Uni-Klinik in Homburg, die Jungs Gustas und Adam besuchen die dritte und vierte Klasse. Adam wechselt kommendes Schuljahr aufs Gymnasium.
Bei den Jungs heißt die Hausaufgabenhilfe schon mal Papa Tomas. Der bekennt: „Manches muss ich auch erst wieder lernen“. Jetzt nach Litauen zurückgehen, sei allein schon mit Blick auf seine Söhne keine Option. „Sie sind hier aufgewachsen, gehen hier zur Schule“, sagt Kraucevicius. Die Rückkehr ist also „verschoben bis zur Rente“, meint er lachend. Er fühlt sich in Zweibrücken wohl, hat aber auch Stück seines Herzens in seiner Heimat Litauen, bei der dortigen Familie. Seine Mama feiert demnächst 60. Geburtstag. Ein Familienfest. Aber Kraucevicius hat kürzlich den Arbeitsplatz gewechselt, arbeitet bei der Firma Kubota in Zweibrücken. „Das macht die Urlaubsplanung in diesem Jahr nicht ganz so einfach“, sagt er. Der Beruf ist wichtig.
Rolle des Zuschauer noch gewöhnungsbedürftig
Ein weiteres Indiz dafür, dass der 1,85 Meter große Rückraumspieler noch lange in Zweibrücken bleiben, dem Handball aber wohl weniger Zeit widmen wird: „Ich mache, wenn es die Möglichkeit dazu gibt, meinen Angelschein“, verrät Kraucevicius. Etwas, was der passionierte Angler nicht kannte. „So etwas braucht man weder in Litauen noch in Frankreich“, sagt er. Dort kaufe man sich ein Tagesticket und angele eben. Weil er aber auch in Deutschland mal angeln möchte, steht der Schein jetzt auf seiner To-do-Liste.
Was dafür spricht, dass er auch künftig noch den Ball in der Hand halten wird: „An die Rolle des Zuschauers muss ich mich noch gewöhnen“, bekennt er. Wenn er Spiele seiner Söhne verfolge, dann ist der Papa stolz und freut sich, dass sie sich für seine Sportart, den Handball, entschieden haben. Aber zuschauen, nicht selbst eingreifen zu können, „das ist noch nicht so leicht für mich“, sagt Kraucevicius.