Zweibrücken Voltigieren ist schwer, Schach spielen ist leicht

CONTWIG/KLEINBUNDENBACH. Ein anstrengendes Trainingswochenende liegt hinter den Voltigierern der Bundenbacherhöhe. Zwei Tage lang zeigte ihnen Weltmeister Devon Maitozo allerlei Tipps und Kniffe rund ums Turnen auf dem Pferderücken. Der 39-Jährige nahm kein Blatt vor den Mund wenn es darum ging, Fehler anzusprechen oder auf Defizite hinzuweisen, sparte aber auch nicht mit Lob.
„Voltigieren tut weh, Voltigieren ist schwer. Wenn ihr nichts Schweres in eurem Leben machen wollt, geht nicht Voltigieren, geht Schach spielen“, sagte er, als er die 18-köpfige Trainingsgruppe am Samstag in der Stambacher Grundschul-Turnhalle zu mehr Leistung anstacheln wollte. Die 18 elf- bis 19-jährigen Voltigierer, die in den drei Gruppen des Kleinbundenbacher Reit- und Fahrvereins turnen, zogen mit – solange es die Kräfte zuließen. Während Mara Marschall als Erfahrenste seit 13 Jahren voltigiert, sind auch Nachwuchsturner mit dabei, die erst seit knapp zwei Jahren regelmäßig üben. Maitozos Programm ist anspruchsvoll. Schon das Aufwärmen und Dehnen nehmen großen Raum ein. Und es sind nicht immer nur Nettigkeiten, die die jungen Turner zu hören kriegen. „Ihr seid nicht so gelenkig“, bemerkte Maitozo, als es um Quer- und Seitspagat ging, lobte aber auch, als eine Turnerin einen Überspagat zeigte. Das Trainerteam der Bundenbacher machte sich eifrig Notizen. „Das ist schon etwas, auf das man zurückgreifen kann“, sagte Monja Graß, die viele Übungen mit Fotos und Videos dokumentierte. Das Wochenende mit Maitozo markiert den Einstieg ins Wintertraining, das die Grundlage für die Saison 2015 bildet. Die Voltigierer der Bundenbacherhöhe blicken auf ein erfolgreiches Jahr 2014 zurück, das Jasmin Glahn, die am Wochenende bei einem Kaderlehrgang war, mit der Teilnahme an der Deutschen Jugendmeisterschaft krönte. Medaillen für das Doppel Jasmin Glahn/Mara Marschall bei der Landes- und Pfalzmeisterschaft, Bronze für die Mannschaft bei der Pfalzmeisterschaft sowie der Start beim deutschen Voltigierpokal in Doppel und Mannschaft übertrafen die Erwartungen. Neben den turnerischen Grundlagen legt Maitozo großen Wert auf die Präsentation. „Voltigieren ist eine ästhetische Kunst. Man kann schon so viel zeigen nur auf dem Weg zum Pferd“, bemerkte er und ließ die beiden Jungs und die 16 Mädchen und jungen Frauen das Galoppieren üben. „Es ist lustig, Leute einfach galoppieren zu sehen – ohne Pferd“, sagte er lachend. Das Unterlaufen der Peitsche, das Anlaufen zum Pferd, die Bewegung zum Anfassen der Griffe des Voltigiergurtes, sie boten viel Raum für Korrekturen. Später am Holzpferd korrigierte Maitozo Grifftechniken, erklärte den Aufstieg aufs Pferd und packte auch mal beherzt zu, um die Haltung zu korrigieren. Gerne hätte der 39-Jährige mehr selbst vorgeführt, nach einer Knieoperation musste er sich allerdings auf wenige Übungen beschränken. „Toll, wenn man so einen bekommen kann“, sagte Monja Graß mit Blick auf die Vita Maitozos. „Man sieht schon, dass die ganz Jungen an ihre Grenzen kommen“, bemerkte sie angesichts des strammen Programms. Kennengelernt haben die Bundenbacher den Voltigierstar vor drei Jahren bei einem Trainingscamp in Australien. Da Maitozo in der vergangenen Woche einen Workshop bei der Voltigiertagung der Interessen- und Fördergemeinschaft für den Voltigiersport auf der Altleininger Burg leitete, konnten die Reisekosten auf mehrere Schultern verteilt werden. Und so kamen die Bundenbacher in den Genuss eines exklusiven Trainings, das am Sonntag mit den Übungen auf dem Pferd in der heimischen Reithalle abgeschlossen wurde. (daa)