Zweibrücken
Vier-Tage-Woche mit „Wohnzimmer“: Software-Unternehmen Gisbo wächst und wächst
Gekommen, um zu bleiben. Sabine Eßer schmunzelt. „Ja, so soll’s jetzt mal sein.“ Umzugskisten wurden in den vergangenen Jahren genug gepackt. 1994 begann Eßer mit ihrer Schwester Stella Bayer gemeinsame Sache zu machen. Auch beruflich. Die Diplom-Informatikerinnen gründeten 1996 die Gisbo Software-Entwicklungs- und EDV-Beratungs-GmbH. Mit den Schwestern als alleinigen Gesellschafterinnen und Mitarbeitenden. Was folgte, war atemlos. Aus dem Arbeitszimmer im Elternhaus in Hornbach ging es in angemietete, noch winzige Räume am Flugplatz, dann – schon großzügiger – in den Multimedia-Internet-Park; 2017 schließlich an den Etzelweg. In die ersten eigenen Räume. Sieben Jahre später erneut ein Umzug. Seit Ende Oktober lautet die Adresse: Kentuckystraße 1. Erstes Haus hinter dem Zweibrücker Ortsschild, im Gewerbegebiet auf dem Kreuzberg.
Die Schwestern haben die Immobilie des in die Schillerstraße umgezogenen Zweibrücker Internet-Händlers TecServ erworben. „Unten am Etzelweg war es einfach zu eng geworden. Wir hatten dort 350 Quadratmeter, mussten noch Räume bei einer Firma schräg gegenüber anmieten. Wie eine gute Fügung wurde uns das Gebäude auf dem Kreuzberg vor gut einem Jahr angeboten. Hier haben wir jetzt 750 Quadratmeter und endlich Platz für alle Mitarbeiter“, sagt Stella Bayer.
Neuer Großkunde: das Bundesland Brandenburg
Alle Mitarbeiter, das heißt aktuell: 22. Entwickler, Administratoren, Kaufleute. Sieben kamen allein in den vergangenen beiden Jahren hinzu. Die Wachstumsraten beim Umsatz sind zweistellig und werden längst in Millionen-Beträgen ausgewiesen. 900 Kunden, ganz überwiegend aus dem Bereich der öffentlichen Verwaltung, setzen etwa das Alarmierungs- und Informationssystem „Gisbo Alarm“ ein. Gerichte, Ämter, Hochschulen, selbst der Deutsche Wetterdienst. Und sechs Bundesländer plus das Großherzogtum Luxemburg vertrauen die Personaleinsatzplanung ihrer Justizvollzugsanstalten der Software „Gisbo Timer“ an. Zuletzt kam Brandenburg dazu. „Vor zwei Jahren habe ich noch alleine mit einem Mitarbeiter am Timer herumgeschraubt, jetzt sind wir zu fünft“, dokumentiert Sabine Eßer die Entwicklung. In Kürze wird das Planungstool Zugangsberechtigungen für Gebäude und Bereiche erweitert. Gisbo Alarm läuft mittlerweile auf Smartphones, ergänzt den anfangs über die Computertastatur, stationär, in Bedrohungssituationen oder gar echter Gefahr auszulösenden, stillen Alarm. Und schon stattet die Zweibrücker Software-Firma weitere Hardware aus. Etwa Brandmelder. „Die Anregungen kommen aus dem Kundenkreis. Die Entwicklung findet dann auch nicht ,nah am Markt’, sondern direkt im Markt statt“, berichtet Gisbo-Verkaufsleiter Stefan Müller. Nach aufwendiger Vorarbeit sind die Zweibrücker im App-Store des weltweit vertretenen deutschen Anbieters von Firmen-Netzwerks- und Cloud-Lösungen, Igel, vertreten. Der Sprung auf den US-amerikanischen Markt – Zwischenstation: Großbritannien – steht bevor.
Vier-Tage-Woche macht glücklich
Der Möglichkeiten gebe es noch viel mehr. Doch nicht bei allem greifen die Gisbo-Gründerinnen zu. „Wir haben beschlossen, den Timer nicht auf die Bedarfe privatwirtschaftlicher Unternehmen auszuweiten. Da kämen wir einfach nicht hinterher“, benennt Sabine Eßer eine strategische Entscheidung. Und die ist Ausdruck einer anderen strategischen Entscheidung, wenn man so will. Das Allerwichtigste, betonen Eßer und Bayer einmütig, sei ihnen nämlich die Zufriedenheit und das Wohlergehen der Mitarbeiter. Überforderungen gilt es da zu vermeiden. „Das mag man vielleicht als Spruch abtun. Aber das ist es nicht. Das meinen wir genau so“, sagt Eßer.
Als ein Ausfluss daraus hat Gisbo die Vier-Tage-Woche eingeführt. Fest. Vorausgegangen war eine einjährige Testphase. „Im ersten Schritt haben wir den Mitarbeitern zwei Wochenstunden geschenkt. Als wir sahen, dass die Produktivität hoch blieb, vielleicht noch besser wurde, haben wir noch einmal um zwei Stunden, bei vollem Gehalt, gesenkt. Jetzt arbeiten wir in der Regel montags bis donnerstags neun Stunden. Freitags sind nur einige Mitarbeiter des Kundendienstes da, arbeiten dafür an den anderen Tagen weniger. Ich kann sagen: Damit sind wir alle glücklich.“ Stella Bayer selbst genießt es, freitags frei zu haben und auch sonst den ein oder anderen Tag aus dem Homeoffice zu arbeiten. Auf die Ergebnisse komme es an. Und Präsenz sei nun mal kein Selbstzweck.
Bonbon: Ein monatlicher Einkaufsgutschein
Vielleicht hat sich das auf dem Arbeitsmarkt für IT-Spezialisten, wo mehr Nachfrage als Angebot herrscht, herumgesprochen. Jedenfalls mehren sich die Initiativbewerbungen bei der Gisbo. Auch aus Kreisen von Absolventen der Hochschule Kaiserslautern, vom Campus Zweibrücken. „Das hatten wir früher selten. Vielleicht sind wir auf einmal sichtbar geworden“, meint Stella Bayer. Schließlich trennen Kreuzberg-Campus und Kentuckystraße nur wenige Meter.
Herumgesprochen hat sich vielleicht auch, dass es für die Gisbo-Mitarbeiter ein zusätzliches, monatliches Bonbon gibt: einen 50-Euro-Gutschein für den Einkauf, zusätzlich zum Gehalt. „Das machen wir schon viele Jahre. Der Steuerberater hat uns mal draufgebracht“, sagt Bayer. Der Gisbo-Gründerin ist es fast peinlich, das zu erwähnen. Denn das sei doch das Geringste beim über allem stehenden Vorhaben: Alles dafür zu tun, dass es den Mitarbeitern gut geht!