Montags-Umfrage
Verständnis für Menschen, die aus der Kirche austreten, aber Zweifel, dass das etwas ändert
Annette Thoretz: „Ich habe nichts gegen die katholische Kirche, ich bin selbst katholisch. Aber meiner Meinung nach machen es die Evangelischen richtig. Die Pfarrer dürfen heiraten, dürfen Kinder zeugen, dürfen normal leben. Die Katholiken sollten es genauso machen. Dann würde es eventuell sowas wie Missbrauch nicht geben. Durch Austritte wird sich in der Kirche nichts ändern, aber ich kann die Leute verstehen. Für mich ist das alles Heuchelei. Die Katholiken sind scheinheilig. Vornerum haben die Priester Gott geheiratet, und hintenrum machen sie sowas. Ich bin nicht ausgetreten, aber bin nach Frankreich gezogen und bezahle damit keine Kirchensteuer mehr. Würde ich noch in Deutschland wohnen, wäre ich ausgetreten. Ich glaube trotzdem an Gott, aber dafür muss ich nicht Mitglied einer Kirche sein.“
Gerd Feierabend: „Ich bin evangelisch und bin ausgetreten. Ich bin grundsätzlich nicht der Meinung, dass man einer Kirche angehören sollte. Die Kirche ist für mich ein Verein. In einem Verein muss ich Mitgliedsbeitrag bezahlen. Dazu bin ich auch gerne bereit, wenn der Verein die gleichen Kriterien anlegt wie ich. Das ist aber bei der Kirche nicht der Fall. Dann sehe ich nicht ein, dass ich furchtbar viel Geld ausgebe. Ich glaube, aber ich glaube nicht an den lieben Gott, der irgendwo rumschwebt. Ich bin schon vor langer Zeit ausgetreten. Wir hätten gerne einen Kindergartenplatz gehabt. Und alle Gemeindemitglieder haben einen Platz gekriegt, nur ich nicht. Da habe ich gesagt: ,Freunde, wenn ihr mich nicht braucht, ich brauch’ euch auch nicht.’ Ich glaube auch nicht, dass mein Austritt etwas bewegt hat. Es gibt ja öfter Dinge, bei denen man sagt, das kann sich die Kirche nicht leisten, aber sie leistet es sich trotzdem. Der ganze Prunk in der Kirche. Wofür denn?“
Sylvia Schmidt: „Ich glaube, dass die vermehrten Kirchenaustritte richtig sind. Das System ändert sich ja ansonsten gar nicht. Wer will sich denn in einer Gemeinschaft sehen mit einer solchen Einstellung, wie sie in der katholischen Kirche vorherrscht? Ich bin Mitglied der evangelischen Kirche. Meine Kinder sind in der evangelischen Jugendarbeit engagiert. Darüber bin ich auch sehr froh, weil ich sehe, dass gerade in Zweibrücken die Jugendlichen unterstützt werden. Das finde ich gut. Für mich persönlich gab es nie den Moment, in dem ich an Austritt gedacht habe. Auch in der evangelischen Kirche gibt es Probleme. Aber ich frage mich, wohin diese Menschen gehen, die ausgetreten sind. Glauben die nicht mehr, oder leben sie ihren Glauben dann nur für sich alleine, was sehr schade wäre. Letzten Endes ist das eine Abstimmung mit den Füßen, die etwas verändern wird. Aber die Ausgetretenen werden nicht mehr zurückkommen. Wenn die Kirche sich besinnt auf den sozialen Bereich, braucht man sie auch weiterhin. Dann müssen aber die Verkrustungen aufgebrochen werden. Es wird leider oft vergessen, was die Kirche im sozialen Bereich leistet. Da fehlt es auch an Alternativen.“
Ute Langenbahn: „Kirchenaustritte werden nichts ändern an der Situation und am Missbrauch. Wenn Priester und Mönche das weiter tun wollen, werden sie es tun, daran ändern Austritte gar nichts. Die katholische Kirche müsste generell mal ihre ganze Struktur ändern. Ich denke, es bleibt alles beim Alten. Ich bin evangelisch, unsere Pfarrer dürfen heiraten und Kinder bekommen. Wenn das bei den Katholiken auch erlaubt wäre, dass sie öffentlich in ihrer Gemeinschaft leben könnten, wäre das Problem nicht so extrem. Dann würden vielleicht auch mehr Menschen in der Kirche bleiben. Ich selbst habe noch nie an Austritt gedacht. Ich bin kein Kirchgänger, ich kann auch zuhause beten und brauche die Kirche nicht. Und die Kirchensteuer ist für mich auch kein Grund. Ich zahle vier Euro Kirchensteuer im Monat. Die tun mir nicht weh. Aber wer weiß, ob ich die Kirche irgendwann einmal brauche.“
Gerhard Burkei: „Ich denke, wenn man nicht reagiert, wird die Kirche niemals umdenken. Ich war immer engagiert bei der evangelischen Jugend und der evangelischen Kirche treu geblieben. Aber dann trotzdem ausgetreten, nachdem im Zuge der Schließung des Evangelischen Krankenhauses Kirchenpräsident Christian Schad vor dem Rathaus ziemlich wörtlich gesagt hat: Selbst wenn das Krankenhaus geschlossen würde, muss niemand Angst haben um seinen Arbeitsplatz. Schon da war klar, dass es zumacht. Und jetzt muss ich Deutsch reden: Du scheinheiliges A... erwartest von einer Putzfrau, die am Tag drei Stunden arbeitet, dass sie nach Speyer oder Bad Dürkheim fährt? Die Demo war samstags, montags habe ich beim Standesamt 30 Euro auf den Tisch gelegt und bin ausgetreten. Meine Tochter hat im Evangelischen gearbeitet und dort eine Fortbildung gemacht, musste dann unterschreiben, dass sie soundsolange dort bleibt. Als ihr Chef ans Nardini wechselte, wollte er sie mitnehmen, dafür sollte sie dann 10.000 Euro zahlen. Die Leute, die kurz darauf gegangen sind, bekamen sogar Abfindung. Die Verantwortlichen unserer beiden Kirchen sollten mal tief in sich gehen und überlegen, welchen Mist sie machen.“
Roswitha Forbes: „Ich halte es für möglich, dass viele Austritte etwas verändern. Wenn nicht mehr genug Leute Mitglied sind, muss die Kirche ja mal reagieren. Aber ich weiß es nicht. Ich bin kein Kirchenmitglied, auch noch nie gewesen. Ich bin ein gläubiger Mensch, brauche aber die Kirche nicht dafür. Schlechte Menschen wird es allerdings immer geben, und es wird auch immer Missbrauch geben. Ich bin froh, das viele Menschen aus der Kirche austreten und damit zeigen, dass sie das Handeln der Kirche nicht unterstützen mit ihrem Geld. Die Kirche ist ja reich wie verrückt. Hauptsächlich die Katholiken, aber die Evangelischen sind auch nicht viel besser. Kirche ist Kirche. In der katholischen Kirche reden sie davon, den Zölibat abzuschaffen, aber das glaube ich nicht. Die reden viel und machen nichts.“