Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Vermummte, bewaffnete Soldaten laufen über Weihnachtsmarkt

Mächtig viel los war auf dem Zweibrücker Weihnachtsmarkt am Samstagabend.
Mächtig viel los war auf dem Zweibrücker Weihnachtsmarkt am Samstagabend.

Vermummte Soldaten präsentieren auf dem Weihnachtsmarkt in Zweibrücken Kriegswaffen. Das war nicht die einzige Aktion, wegen der die Polizei auf dem Markt anrücken musste.

Das fing ja schon mal gut an: Der Weihnachtsmarkt war am Freitag gerade mal eine Stunde eröffnet, da mussten Ordnungsamt und Abschleppdienst schon aktiv werden. In der Von-Rosen-Straße blockierte ein VW-Bus einen Behindertenparkplatz ohne erkennbare Berechtigung. Somit rief das Ordnungsamt einen Abschleppdienst, der das unberechtigt parkende Fahrzeug entfernte.

Polizisten befragen die bestohlene Betreiberin des Langos-Standes nach dem Kassendiebstahl.
Polizisten befragen die bestohlene Betreiberin des Langos-Standes nach dem Kassendiebstahl.

Robuster ging es am Samstag zu. Dort waren vor dem Bundeswehrzelt am Rande des Weihnachtsmarktes Richtung Busbahnhof, in dem es Erbsensuppe gab, gegen 14 Uhr laut Zeugenaussagen mehrere komplett vermummte Soldaten in Kampfausrüstung und mit roten Nikolaus-Hosen und roten Nikolaus-Zipfelmützen auf dem Kopf zu sehen. Die Nikolausmützen waren nicht das Problem, die mitgeführten Waffen schon.

Benachbarte Standbetreiber wollen ein Maschinengewehr und mehrere Schnellfeuergewehre erkannt haben. „Da hat man sich kurz an die Invasion der russischen, grünen Männchen auf der Krim 2014 erinnert gefühlt“, sagte ein überrumpelter und überraschter Augenzeuge, der vier Soldaten in Kampfmontur gezählt habe. Ein anderer Zeuge wähnte sich in einem Anti-Terror-Einsatz.

Polizei sagt nichts zu Soldaten-Vorfall

Mitarbeiter des Ordnungsamtes und der Polizei haben die Waffenschau laut Augenzeugen schnell beendet. „Die sind mit den Soldaten ins Zelt gegangen und haben ihnen klargemacht, dass eine Zurschaustellung von Waffen auf einem besinnlichen Weihnachtsmarkt nichts zu suchen hat“, sagte ein Beobachter, der nach eigenen Angaben wohl auch „Ohrenzeuge“ durch die dünnen Zeltwände war. Die laut Zeugen sehr martialisch auftretenden Soldaten seien dann ziemlich schnell wieder verschwunden gewesen.

Gute Stimmung am Stand des Fördervereins Hockeynachwuchs Zweibrücken am Freitagabend.
Gute Stimmung am Stand des Fördervereins Hockeynachwuchs Zweibrücken am Freitagabend.

Andere Soldaten, die am Samstagnachmittag im Zelt Erbsensuppe verkauft haben, wollten sich zu dem Vorfall nicht äußern. Auch bei der Polizeiinspektion Zweibrücken war nichts zu dem Zwischenfall zu erfahren. Dem Diensthabenden auf der Wache sei kein Vorfall bekannt, er sei erst seit Sonntagmorgen im Dienst. Auch sei kein Kollege erreichbar, der dazu am Sonntag etwas sagen könne. Das Ordnungsamt der Stadt war am Sonntag für eine Nachfrage nicht erreichbar.

Zweiter Polizeieinsatz wegen Diebstahls

Einen zweiten Polizeieinsatz gab es dann am Samstag gegen 16.30 Uhr in unmittelbarer Nachbarschaft des Bundeswehrzeltes auf dem Alexanderplatz. Dort hatte ein Betrüger die Kasse eines Langos-Standes mitgehenlassen. Der Mann wollte sich angeblich 50-Euro-Schein wechseln lassen. Als die Standbetreiberin die Kasse öffnete, griff er nach der Kasse und rannte mitsamt Kasse und rund 400 Euro Inhalt weg.

Der Weihnachtsmarkt in Zweibrücken ist einfach ein Besuchermagnet.
Der Weihnachtsmarkt in Zweibrücken ist einfach ein Besuchermagnet.

Die Standbetreiberin war fassungslos: „So etwas kenne ich aus der Schweiz, aber doch nicht vom Weihnachtsmarkt in Zweibrücken. Darauf komme ich echt nicht klar“, erklärte sie nach dem Besuch dreier Polizeibeamten. Denn es sei nicht das erste Mal gewesen, dass ihr Geld oder ihre Kasse gestohlen wurden, aber auf dem kleinen, beschaulichen Weihnachtsmarkt in Zweibrücken habe sie so etwas absolut nicht erwartet.

Organisator und Besucher zufrieden

Abgesehen von den beiden Vorfällen am Samstag und einigen Falschparkern waren die Standbetreiber und die Besucher zufrieden mit dem ersten Weihnachtsmarktwochenende. „Ich bin sehr zufrieden. Obwohl wir wegen der Chorweihnacht am Freitag keine Musik auf der Bühne hatten, war der Alexanderplatz gerammelt voll. Und in diesem Jahr ist auch erstmals nicht nur vor der Kirche, sondern auch in der Vertiefung, richtig viel los“, freute sich Marktorganisator Heiko Saberatzky.

In der Von-Rosen-Straße wird der erste Falschparker abgeschleppt.
In der Von-Rosen-Straße wird der erste Falschparker abgeschleppt.

An 34 Holzbuden und 16 Ständen, die den jeweiligen Betreibern selbst gehören, herrschte am Wochenende ein großes kulinarisches Angebot. Live-Musik auf der Bühne, ein großes Kinderkarussell in der Mitte des Alexanderplatzes und der große Fackelmarsch der Feuerwehr durch die Fußgängerzone freute auch die vielen Besucher, die sich am Samstag trotz Regens den Besuch nicht vermiesen ließen.

Am Samstagabend spielt die Stadtkapelle vor der Bühne.
Am Samstagabend spielt die Stadtkapelle vor der Bühne.
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