Zweibrücken
Ute Rinck und Babette Woltemath: Jeden Samstag öffnen sie ihr Atelier in Ixheim
Jeden Samstag, auch an Feiertagen, sind Ute Rinck und Babette Woltemath zwischen 15 und 18 Uhr im Atelier in der Wachtelstraße 3 in Ixheim. Dort empfangen sie ihre Besucher mit Plätzchen, einem wärmenden Feuer im Bollerofen und viel Kunst. Die hängt und steht in dem großen Raum, den alte Holzdielen und eine große Sandsteinwand prägen.
„Eigentlich wollte ich ja aufhören. Dann kam meine Freundin Babette zurück aus Berlin und überzeugte mich, dass wir was zusammen machen“, erinnert sich Ute Rinck. Während sie unter anderem Ölbilder ausstellt, die teilweise sehr bunt, manchmal aber auch in gedeckten Farben gemalt sind, und manche davon sogar fest eingerahmt – wobei der Rahmen Teil des Bildes wird, weil übermalt – fallen die Werke ihrer Freundin gleich mehrfach aus dem Rahmen.
Zum einen sind sie rahmenlos, zum anderen haben die meisten ihrer Bilder, die sie nach ihrem Motto „Wegmeilen“ einfach nur durchnummeriert, ein ungewöhnliches Format. Der Grundträger ist fast immer eine mitteldichte Faserplatte (MDF) im mannshohen und schmalen Format. Neben der Farbe kommen oft Dinge wie Kaffeesatz als reliefgebender Stoff zum Einsatz, und Holzhammer und Stechbeitel formen Flussläufe des Lebens in die Tafeln. „Ich dringe in das Material ein, hinter die erste Schicht, und füge neue Schichten hinzu“, erklärt die 51-Jährige ihre Technik.
Beide Künstlerinnen beeinflussen sich stark gegenseitig. Deutlich wird das an zwei nebeneinander angeordneten Bildern beider, die ähnliche Farben und sogar ähnliche abstrakte Muster enthalten, in denen der Betrachter unweigerlich Giraffen erkennt, wenn Babette Woltemath von ihrem Afrika-Aufenthalt erzählt.
Auch Ute Rincks früheres künstlerisches Leben lebt in den Werken Woltemaths weiter. Denn sie verwendet alte, abgekratzte Farbschichten von Werken Ute Rincks, die oft dick aufträgt im künstlerischen Sinn, in ihren neuen Werken wieder. Doch so langsam geht ihr der Nachschub aus. Daher findet auch beispielsweise Kaffeesatz von Kaffee, den die nach eigenen Angaben „Kaffeesüchtige„ zuvor getrunken hat, Eingang in die reliefartigen Oberflächen ihrer Wegemeilen-Tafeln.
Schon einmal hat Babette Woltemath mit der Kunstlehrerin im Ruhestand Ute Rinck (82) zusammen gearbeitet. Von 1995 an war sie Teil einer Ateliergemeinschaft in der Wachtelstraße, verließ die Herzogstadt aber für zehn Jahre. Die freischaffende Grafikerin, die schon immer auch künstlerisch tätig war, war in Berlin, Afrika und Spanien, „denn ich kann ja überall arbeiten“, sagt sie. „Wir haben nie den Kontakt verloren. Immer, wenn ich zwischenzeitlich in Zweibrücken war, war ich bei Ute im Atelier, und wir haben samstags zusammen gearbeitet“, erklärt die weit gereiste Wieder-Zweibrückerin, die aus Rostock stammt.
Ute Rinck hat Babette Woltemath zwischendurch in Spanien besucht, und beide haben dort zusammen gearbeitet. Die Früchte dieser langjährigen Zusammenarbeit, aber auch Werke aus Afrika von Babette Woltemath und von vier afrikanischen Künstlern kann man besichtigen: raumgreifende Lampen aus Kunststoffflaschen, Deckeln, Perlen und Korken.
Über 30 Werke, darunter auch Keramikkunst von Ute Rinck, sind zu sehen im Atelier W. – jeden Samstag zwischen 15 und 18 Uhr in der Wachtelstraße 3. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, jedoch sind die Corona-Regeln einzuhalten, was unter anderem bedeutet, dass man nur mit Mund-Nasen-Bedeckung Zutritt hat. Alle gezeigten Werke kann man kaufen, und selbst gebackene Plätzchen und Kaffee gibt es auch. Schließlich braucht Babette Woltemath Relief-Nachschub aus Kaffeesatz.